Geschichte und Kultur

Warum passen Mainstream-Deutschrap und Schlager so gut zusammen?

Auf TikTok trendet gerade ein Remix des Rappers Apache 207 und des Weihnachtshits „Last Christmas”. Doch warum funktionieren diese scheinbaren Gegensätze so gut zusammen?

Warum passen Mainstream-Deutschrap und Schlager so gut zusammen?
Bild: AshTproductions / shutterstock.com

Alle Jahre wieder wird Last Christmas von Wham rauf und runter gespielt. Während der Synthpop-Song für viele Jugendliche wie ein altmodischer Schlager rüberkommt, trendet er dennoch gerade auf der Social Media Plattform TikTok. Ein Nutzer hat einen Remix des Klassikers mit dem Ludwigshafener Rappers Apache 207 hochgeladen. Er ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil der Remix erstaunlich gut funktioniert. Man merkt kaum, dass der Text nicht für den Beat gedacht war. Der Unterschied zwischen Spießbürgertum und dem Mainstream des Deutschraps ist manchmal nur eine Rhythmusfrage. Das bestätigen auch Features, die Rapstars wie Sido oder Olexesh mit Schlager-Sängerin Vanessa Mai veröffentlicht haben. Auch Apaches Musik wird oft als Neo-Schlager bezeichnet.

Um zu verstehen wie diese Art des deutschen Rap und Schlager so gut zueinander passen, müssen wir uns die Entwicklung von Deutschrap in den letzten Jahren anschauen. Der HipHop-Mainstream in Deutschland erzählt seit über 20 Jahren ein neoliberales Märchen. Der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär oder eben vom Kleinkriminellen zum Rapstar. Nachdem Bushidos Gangsterrapder sogar ein Praktikum bei der CDU machtevor gut zehn Jahren langsam aus der Mode kam, steckte Deutschrap in einer Krise. Noch krasseren Gangsterrap konnte man in Deutschland kaum authentisch kommunizieren, also musste ein Richtungswechsel her. Stück für Stück passte man die Lieder – musikalisch und teilweise auch in der Wortwahl – dem Mainstream an. Sicher sind viel Texte immer noch frauenverachtend, aber das lässt sich genauso in Schlagern finden. Dort gibt es vor allem das klassische Bild von der Frau, die sich um Küche, Kirche und Kinder kümmern soll, aber auch Lieder, in denen Vergewaltigungen besungen werden. All diese Elemente lassen sich – inhaltlich kaum zu unterscheiden – bei Bushido und Apache 207, als auch im klassischen Schlager finden. Das vielmals vertretene konservative Familienbild bis hin zu Femiziden ist sowohl im Schlager als auch im Mainstream des Deutschrap erstaunlich ähnlich. Aus dem Einfamilienhaus mit Gartenzwerg ist allerdings eine Villa mit Pool geworden.

Konservative stellen Deutschrap oft als vulgär und besonders frauenfeindlich dar. Was den Mainstreamrap vom Schlager unterscheidet, ist jedoch nur die Wortwahl und der Rhythmus. Geeint sind beide durch ein reaktionäres Frauenbild und eine neoliberale Weltanschauung. Dass sie nun auch musikalisch zusammengefunden haben, ist nur die letzte Konsequenz aus der Ideologie, die sie vertreten.

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