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Warnstreiks bei der Post

POST: Am 2. Mai fand ein weit­er­er Streiks bei der Deutschen Post AG statt. Die Kol­legIn­nen sind fest davon überzeugt, den Arbeit­skampf für sich zu entschei­den.

Warnstreiks bei der Post

// POST: Am 2. Mai fand ein weit­er­er Streiks bei der Deutschen Post AG statt. Die Kol­legIn­nen sind fest davon überzeugt, den Arbeit­skampf für sich zu entschei­den. //

Sehr kurzfristig hat­ten selb­st die Beschäftigten bei der Deutschen Post AG von den Warn­streiks in ihrem Betrieb erfahren. Per SMS und What­sApp organ­isierten sie sich und sorgten dadurch für eine gute Koor­dinierung, sodass sich über 1.000 Beschäftigte im Innen­hof der ver.di-Bundeszentrale einge­fun­den hat­ten. Bei den Reden während der Streikver­samm­lung am frühen Mor­gen wurde seit­ens der Gew­erkschafts­bürokratie die ver­bal-kämpferische Ein­stel­lung betont: Während die Post AG ihre Mark­tan­teile seit Jahren stetig ver­größere, solle kein Geld mehr für die Beschäftigten vorhan­den sein? Während den AnlegerIn­nen der Aktienge­sellschaft eine rosige Zukun­ft ver­sprochen wird, sollen die „Lohnkosten“ zu hoch sein? Dieser Logik sollte sich wider­set­zt wer­den, sodass zum Warn­streik aufgerufen wurde.

Zu Reden wie diesen bran­dete jedes Mal Applaus auf – kein Wun­der, denn die Post-Beschäftigten wollen sich ihren Tar­ifver­trag nicht nehmen lassen. So war auch die Stim­mung unter den Beschäftigten gut, da sie auch in Zukun­ft und erst recht während des Arbeit­skampfes kämpferisch und offen­siv agieren möcht­en. Sie wis­sen, dass sie gute Arbeit leis­ten und dass ihr Sek­tor zukün­ftig wohl noch wichtiger sein wird: Die Post liefert so viele Pakete wie noch nie aus. Das liegt auch am Ver­sand-Riesen Ama­zon, der z.B. das Mod­ell des Online-Shop­ping so attrak­tiv für die KundIn­nen vor dem Com­put­er machte. Doch während für die KundIn­nen alles Mögliche getan wer­den soll, damit diese glück­lich und zufrieden sind, sind die Arbeits­be­din­gun­gen der Arbei­t­en­den bei Ama­zon mis­er­abel und niedrig ent­lohnt. Die Post-Geschäfts­führung will allerd­ings eben dieses Arbeitsmod­ell von Ama­zon übernehmen und weit­ere Teile der Belegschaft zu prekären Arbeits­be­din­gun­gen ver­dammen.

Widerstand der Post-Beschäftigen

Doch die Streiks und die kämpferische Grund­hal­tung der meis­ten Kol­legIn­nen zeigen, dass ein Großteil der Belegschaft bei der Post AG alles andere als gewil­lt ist, dieses Mod­ell anzunehmen und ihre Errun­gen­schaften wie eben den Tar­ifver­trag zu ver­lieren. Aus­druck dieser Errun­gen­schaften ist auch die gute gew­erkschaftliche Organ­isierung der Post-Beschäfti­gen. Dieser ist sehr wichtig, denn im Gespräch wiesen sie auch darauf hin, dass die Streiks und der Arbeit­skampf in dieser Form erst auf­grund des hohen Organ­i­sa­tion­s­grades bei der Gew­erkschaft ver.di möglich seien. Das Gegen­stück hierzu sehen wir beim Ama­zon-Stan­dort in Briese­lang bei Berlin, wo es diese gute Organ­isierung seit­ens der Gew­erkschaft noch nicht gibt, wodurch er als einziger Stan­dort noch nicht bestreikt wurde.

Diese selb­st­be­wusste Hal­tung ist eine gute Grund­lage, um die Angriffe seit­ens der Geschäfts­führung zurück­zuschla­gen. Diese war gar so unver­schämt und dreist, dass sie am Streik­tag im Betrieb ein „Anti-Streik“-Flugblatt ver­bre­it­en ließ, worin sie den Kol­legIn­nen unter­sagen wollte, am Streik­tag auf das Betrieb­s­gelände zu gehen. Da dass natür­lich rechtlich nicht durchzuset­zen ist, stellte dies eine reine Pro­voka­tion seit­ens der Geschäfts­führung dar. Vor Ort wurde jedoch bei der Streikver­samm­lung darüber gelacht und gegen­seit­ige Hil­fe und Unter­stützung bei ein­er etwaigen Repres­sion zugesichert.

Weitere Streiks möglich

Die näch­ste Ver­hand­lungsrunde fand am 8. Mai statt und mehrere 100 Men­schen ver­sam­melten sich zu ein­er Kundge­bung am Ver­hand­lung­sort, um Druck auf das Unternehmen aufzubauen. Es kann deshalb mit weit­eren Streiks gerech­net wer­den. Diese kön­nen jedoch erst kurzfristig bekan­nt gegeben wer­den und wer­den nicht demokratisch von der Basis fest­gelegt, son­dern von der Gew­erkschafts­bürokratie bes­timmt. Die radikale Linke sollte diesen Ter­min also fest im Kalen­der einge­tra­gen haben und schnell und flex­i­bel wenn nötig am näch­sten Tag han­deln kön­nen. Die weit­eren Streiks bieten auch Gele­gen­heit, die For­men des Streiks auszuweit­en und zu verbessern. Eine Streikver­samm­lung im Innen­hof ein­er Gew­erkschaft­szen­trale bietet zwar eine ruhige Atmo­sphäre an, jedoch ist es viel wichtiger, dass der Kampf in der Öffentlichkeit poli­tisch aus­ge­tra­gen wird – geht es doch um nichts weniger als um die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen von heute und mor­gen. Die Arbei­t­erIn­nen­klasse und die Jugend haben ein großes Inter­esse daran, dass dieser Arbeit­skampf zu ihren Gun­sten entsch­ieden wird und sie später nicht in prekären und mis­er­ablen Arbeitsver­hält­nis­sen ihren Lohn ver­di­enen müssen.

Ein weit­ere Möglichkeit zu ein­er öffentlichkeitswirk­sameren Streikver­samm­lung kön­nte auch eine anschließende Demon­stra­tion der Beschäftigten sein. Wie bere­its erwäh­nt: eine Grund­lage bildet die gute gew­erkschaftliche Organ­isierung, sodass mit­samt sol­i­darischen Unter­stützerIn­nen mehrere tausend Men­schen auf die Straße gehen kön­nten. Auch muss über die Notwendigkeit ein­er Verknüp­fung mit dem Arbeit­skampf bei Ama­zon disku­tiert wer­den: die Kol­legIn­nen wer­den jew­eils zu sehr großen Teilen von der gle­ichen Gew­erkschaft organ­isiert und arbeit­en eng zusam­men, indem sie am gle­ichen Pro­dukt – der Pakete für die KundIn­nen – arbeit­en. Diese und weit­ere Schritte sind notwendig, um den Arbeit­skampf bei der Post AG auf eine neue Stufe zu heben und vom Angriff der Geschäfts­führung auf einen Gege­nan­griff der Beschäfti­gen überzuge­hen.

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