Deutschland

Wahldebakel: Viele Berliner:innen konnten keine Stimme abgeben

Am Sonntag wurde neben der Bundestagswahl in Berlin auch über das Abgeordnetenhaus, die Bezirksverordnetenversammlung und den Volksentscheid abgestimmt. Eine Berlinerin berichtet, wie fehlende Stimmzettel und schlechte Kommunikation dazu führten, dass sie nicht wählen konnte.

Wahldebakel: Viele Berliner:innen konnten keine Stimme abgeben
Foto: Ceri Breeze /Shutterstock.com

Mein Wahltag war sehr chaotisch. Ich bin relativ spät zur Wahl gegangen, weil ich dachte, dann ist nicht mehr so viel los, vor allem in meinem Wahlbezirk. Die letzten Wahlen war spät gehen nie ein Problem. Um 17 Uhr war ich vor Ort. Ich bin angekommen und bin auf sehr viele Menschen getroffen. Ich hab mich gefragt, was hier los ist. Viele Menschen saßen nur da, es sah nicht nach Warteschlange aus. Es sah so aus, als ist hier massiv was falsch gegangen. Sehr schnell waren die Wahlhelfer:innen da und haben gesagt, dass es keine Wahlzettel mehr gibt. Sie verstehen, dass das für uns alle doof ist und verstehen unseren Ärger. Sie würden sich drum kümmern und seit einer Stunde sind Wahlhelfer:innen unterwegs im Rathaus Pankow und müssen abwarten. Dann hab ich so zwanzig Minuten abgewartet und hab gesehen, manche haben schon eine Stunde gewartet. Ich hatte da noch ziemlich viel Hoffnung, es war so gegen 17:20/30 Uhr. Da hieß es dann, dass angeblich Wahlzettel mit Polizeieskort hertransportiert werden. Dann hat sich herausgestellt, dass das eine Fehlmeldung war.

Es sind nach und nach Menschen weggegangen, die haben so angepisst gewirkt. Die waren so verärgert. Ich dachte mir so, die kommen bestimmt wieder. Irgendwann war dann der Stand der Dinge: “Sehr geehrtes Wahlpublikum – oder die es zumindest werden wollen”, hat da der eine gesagt. Er und die anderen meinten dann, dass wir uns anmelden sollen. Wir sollen auf unsere Zettel schauen, ob wir beim richtigen Wahllokal sind und uns anmelden. Denn falls doch noch Wahlzettel auftauchen, können wir dann, wenn wir vor 18 Uhr da waren und dann noch auf dem Gelände sind, noch abstimmen. Die Hoffnung war natürlich groß.

Es war 18 Uhr. Die Stimmung war angespannt. Wir haben gewartet und gewartet, ich bin mit meinen Nachbar:innen ins Gespräch gekommen. Irgendwann kam dann tatsächlich ein Wahlhelfer mit zwanzig Umschlägen. Zwanzig! Es waren mindestens hundert Leute vor Ort. Es durften anscheinend zwanzig abstimmen, aber auf der anderen Seite hieß es dann schon, die Wahl sei unterbrochen worden.

Ich habe dann noch zehn Minuten gewartet und dann hat mich die Geduld verlassen. Da hieß es dann auch, die Wahl sei unterbrochen. Ich bin zum Tor gelaufen, hab noch mit einer sehr netten und kompetenten Wahlhelferin gequatscht, die selber auch nicht mehr weiter wusste. Die haben alle trotzdem einen sehr guten Dienst erwiesen.

Was mich am meisten schockiert hat, war, als ich schon mit Freund:innen unterwegs war, ich gesehen habe, dass um 19:45 Uhr in anderen Gegenden von Berlin immer noch Leute an den Wahllokalen anstanden. Ich hab mich dann gefragt, ob ich länger hätte warten sollen. Ich find das traurig. Uns wurde kommuniziert, die Wahl wird unterbrochen.

Was ist da schief gelaufen? Warum gab es keine vernünftigen Informationen? Warum hat uns niemand informiert, wie es weiter geht? Ich hoffe auf jeden Fall, dass neugewählt wird oder ich irgendwie noch meine Stimme abgegeben kann.

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