Deutschland

Von antimuslimischen Parolen zu Gewalt gegen Schwangere

Letzte Woche wurde einer schwangeren muslimischen Frau in Berlin-Neukölln von einem ihr fremden Mann mit der Faust in den Bauch geschlagen. Warum dies nur ein weiteres Glied in einer Kette frauenfeindlicher und rassistischer Übergriffe ist, und was das Kapital von diesem Klima der Feindseligkeit hat, wird in diesem Kommentar beschrieben. Von Charlotte Ruga und Anja Bethaven.

Von antimuslimischen Parolen zu Gewalt gegen Schwangere

Es ist kein Einzelfall, es ist strukturelle Gewalt!

Laut Spiegel sollen der Sit­u­a­tion weit­ere Über­griffe voraus­ge­gan­gen sein: der Mann sei mit seinem Hund nah an die Frau und eine andere Frau, die eben­falls ein Kopf­tuch trägt, herange­gan­gen, habe dann einen Stre­it provoziert und darauf hin ver­sucht, bei­de zu ver­let­zen.

Was nach der Gewalt­tat ein­er einzel­nen gestörten Per­son klingt, ist in Wahrheit nur ein weit­er­er bekan­nt gewor­den­er Fall eines in Deutsch­land längst man­i­festierten Phänomens. Allein in diesem Jahr wur­den bere­its über 20 reg­istri­erte Fälle an Angrif­f­en auf mus­lim­is­che Ein­rich­tun­gen reg­istri­ert, die Zahl der Gewalt gegen Einzelper­so­n­en ist weitaus höher. Die Zahlen sind let­z­tendlich rel­a­tiv, weil viele Gewalt­fälle gegen mus­lim­is­che Geflüchteten nicht reg­istri­ert sind. Viele kön­nen die ras­sis­tis­chen Angriffe nicht anzeigen, da sie Angst haben, dass solche Anzeigen auf ihre Asylver­fahren neg­a­tiv­en Ein­fluss nehmen. Diejeni­gen, die sog­ar in die Öffentlichkeit gehen, um dage­gen zu protestieren, bleiben meis­tens unge­hört. Beson­ders gefährdet, Opfer von Gewaltver­brechen zu wer­den, sind die Frauen, die ein Kopf­tuch tra­gen. Sie sind als Mus­li­ma ‚ken­ntlich gemacht‘ und leichter angreif­bar.

Seit Jahren ist das Repro­duzieren von antimus­lim­is­chem Ras­sis­mus ein Fokus der bürg­er­lichen Medi­en in Deutsch­land und all­ge­mein in Europa. Um das zu über­prüfen, muss man nur einen Blick auf die Schlagzeilen der BILD und vie­len anderen bürg­er­lichen Zeitun­gen wer­fen. Es wird ein Feind­bild geschaf­fen, das die AfD mit het­zerischen Reden und ihrem Wahl­pro­gramm noch ver­schärft. Der Hass, der dadurch entste­ht, ist ein nahrhafter Boden für Gewalt­tat­en.

Es ist das Kli­ma, das dazu führt, dass man schwan­gere Frauen nicht nur für eine Bedro­hung hält, son­dern der Hass so groß gewor­den ist, dass ein Mann es für vertret­bar hält, eine schwan­gere Frau in den Bauch zu schla­gen.

Ein weiterer Spaltungsgrund

Doch nicht nur rechte Straftäter und ihre Angriffe sind ein Aus­druck des Ras­sis­mus, den migri­erte, migrantisierte und geflüchtete mus­lim­is­che Men­schen in Deutsch­land erfahren: Kopf­tuchver­bote an Arbeit­splätzen und in öffentlichen Gebäu­den sind ein Aus­druck des Ver­such­es, Mus­li­ma mit Repres­sio­nen “anzu­passen“, eine längst gescheit­erte „Assim­i­la­tion­spoli­tik“. Durch die staatliche Abschot­tungspoli­tik, der Unter­bringung in Lagern Kilo­me­ter ent­fer­nt von der Öffentlichkeit, dem Fehlen von Deutschkursen, usw., sind geflüchtete Men­schen aus­geliefert und leichter anzu­greifen.

Dieser Poli­tik liegt die Annahme eines „Kon­flik­tes der Reli­gio­nen“ zu Grunde. Unsere Klasse ist längst mul­ti­eth­nisch, und damit auch mul­tire­ligiös. Mit dem Schüren von Ras­sis­mus und Feindlichkeit gegenüber nicht-christlich­er religiös­er Grup­pen durch die Bour­geoisie wer­den die Arbeiter*innen weit­er ges­pal­ten. Diese Spal­tung fügt sich anderen hinzu und bee­in­flusst sie, ob fes­tangestellt oder befris­tet, „in-house“ oder out­ge­sourced usw.

Deswe­gen muss die Forderung nach ein­er voll­ständi­gen Tren­nung von Staat und Reli­gion prak­tisch wer­den im gemein­samen Kampf gegen Ras­sis­mus, Unter­drück­ung und Gewalt gegen Frauen. Im Kampf gegen den antimus­lim­is­chen Ras­sis­mus unter­stützen wir die Selb­stor­gan­isierung mus­lim­is­ch­er Frauen, den Kampf gegen das Kopf­tuchver­bot und die Islam­o­pho­bie.

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