Brot und Rosen

USA: 20.000 Menschen demonstrieren in New York für das Recht auf Abtreibung

Organisiert von einem Bündnis aus sozialistischen Organisationen, Gewerkschaften und Gruppen für reproduktive Rechte und für Wohnungsbau, trugen zehntausende Menschen ihre Wut gegen die Aufhebung des Verfassungsrechts auf Abtreibung auf die Straße.

USA: 20.000 Menschen demonstrieren in New York für das Recht auf Abtreibung
Foto: Luigi Morris

Am Freitag, dem Tag, an dem neun nicht gewählte Richter:innen des Obersten Gerichtshofs – eine Bande von Frauenhassern, religiösen Fanatiker:innen, rechtsextremen Rassist:innen und überzeugten Verteidiger:innen des Kapitals – beschlossen, das Recht auf Abtreibung aufzuheben, strömten Zehntausende in New York City auf die Straßen, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

Mehr als 20.000 Menschen versammelten sich im Washington Square Park und marschierten zum Times Square und zum Bryant Park, vorbei an den Büros der Demokratischen Partei, der Republikanischen Partei und der St. Patrick’s Cathedral und skandierten „Nicht die Kirche, nicht der Staat, das Volk muss über unser Schicksal entscheiden“. Block für Block brachten die Demonstrant:innen den Verkehr auf beiden Seiten der Straße an einem belebten Freitagabend in Manhattan zum Stillstand. LKW-Fahrer:innen, die ihre nächtlichen Lieferungen machten, hupten zur Unterstützung, und Menschen lehnten sich aus den Autos, um eine Faust in Solidarität zu erheben, während die Demonstrant:innen durch die Schlangen des Verkehrs marschierten.

Der Marsch, der ohne die „Erlaubnis“ der New Yorker Polizei und der Stadt auf die Straße ging, wurde von Aktivist:innen organisiert, die aus der Black Lives Matter-Bewegung und anderen Kämpfen hervorgegangen sind. „Wir sorgen selbst für unsere Sicherheit“, skandierte die Menge, wohl wissend, dass die Polizei dies nicht tut. Der Marsch war grün gesprenkelt, ein Echo der „grünen Welle“, die in Argentinien das Recht auf Abtreibung erkämpfte und es in Kolumbien, Mexiko und ganz Lateinamerika entkriminalisierte. Mindestens ein Dutzend Demonstrant:innen wurden von der New Yorker Polizei festgenommen, als der Marsch im Bryant Park endete, nachdem sie an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen in New York City ein Sit-in veranstaltet hatten.

Der Protest wurde von Left Voice und anderen Organisationen als Teil eines Bündnisses aus sozialistischen Gruppen, Aktivist:innen und Gewerkschaften einberufen – darunter mehrere der neuen Starbucks-Gewerkschaften, die die Arbeiter:innenbewegung im ganzen Land aufrütteln. Die starke Beteiligung von Arbeiter:innenorganisationen an diesem Kampf war eine klare Aussage, dass wir in jeder Bewegung für Abtreibungsrechte eine entscheidende Rolle zu spielen haben; dass der Kampf für reproduktive Gerechtigkeit und gegen alle Angriffe des Staates die organisierte Antwort der Arbeiter:innen erfordert – der Arbeiter:innen, die die Wirtschaft zum Stillstand bringen können. Nach der vor Monaten durchgesickerten Entscheidung hatte dieses Bündnis entschieden, dass wir an dem Tag, an dem die Entscheidung fallen würde, auf die Straße gehen würden, um dem Abtreibungsverbot zu trotzen, das jetzt in vielen Staaten des Landes in Kraft tritt, und das allgemeine Recht auf Abtreibung zu verteidigen.

Das Bündnis hat sich um zwei Prinzipien herum organisiert: die Notwendigkeit einer sicheren, kostenlosen und legalen Abtreibung auf Verlangen und die Notwendigkeit, eine unabhängige Massenbewegung auf der Straße und an unseren Arbeitsplätzen aufzubauen, um für dieses Recht zu kämpfen – eine Bewegung, die kein Vertrauen in die leeren Versprechungen der Demokratischen Partei oder einer anderen kapitalistischen Partei zum Schutz der Abtreibungsrechte setzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Protesten für Abtreibungsrechte meldeten sich keine Politiker:innen der Demokratischen Partei zu Wort, und niemand verwies auf Wahlen als Lösung.

Der Marsch begann mit einer Kundgebung im Washington Square Park, wo sozialistische Gruppen, Aktivist:innen und einfache Gewerkschaftsmitglieder vor einer dicht gedrängten Menge sprachen.

Das durchschlagende Thema war ein Aufruf an all diejenigen, die nach den nächsten Schritten suchen und sich nicht damit zufrieden geben, einfach bis November zu warten, wie die Demokraten uns sagen. Menschen, die wissen, dass dieser Kampf und die Zukunft von Hunderten von Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten in unseren Händen liegt. Wie können wir die Bewegung aufbauen, die wir brauchen, um endlich das Recht auf freie, sichere und legale Abtreibung auf Verlangen durchzusetzen? Jimena Vergara, eine UPS-Arbeiterin und Mitglied von Left Voice, sprach über die Notwendigkeit, sich an unseren Arbeitsplätzen und in unseren Gemeinden zu organisieren und die Kämpfe einer neuen Generation von Gewerkschaftsaktivist:innen und all derer, die gegen Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen, zu vereinen:

Die Demokraten sind nicht unsere Freund:innen in diesem Kampf. Unsere Freund:innen sind die Arbeiter:innen bei Starbucks, bei Apple, bei Amazon, bei Chipotle, bei Traders Joe’s, die gegen Jeff Bezos und andere Milliardär:innen kämpfen, um sich gewerkschaftlich zu organisieren. Unsere Freund:innen in diesem Kampf sind die Schwarzen, lateinamerikanischen, palästinensischen und migrantischen Communities in ganz New York und im ganzen Land, die sich in ihren Vierteln für bezahlbaren Wohnraum, gegen Polizeibrutalität und vieles mehr organisieren. Wir wollen eine von der Demokratischen Partei unabhängige Massenbewegung, die sich aus Gewerkschaften, Arbeiter:innen, Community-Organisationen, Studierenden, Feminist:innen und allen zusammensetzt, die ein Gefühl der Wut über diesen Angriff auf unsere körperliche Selbstbestimmung verspüren. Stellt euch vor, wir würden für reproduktive Rechte streiken: Wäre das nicht wunderbar? Sollten wir nicht den Slogan, den wir immer wieder skandieren, in die Tat umsetzen: Wenn wir es nicht bekommen, legen wir alles lahm!

Als der Marsch im Bryant Park endete, griffen Gewerkschaftsmitglieder und Aktivist:innen dieses Thema wieder auf und hielten Reden darüber, was als Nächstes kommt und wie wir die bei diesem Marsch deutlich demonstrierte Kraft nutzen können, um den Kampf fortzusetzen. Über tausend Menschen saßen im Park und skandierten: „Streik, Streik, für Abtreibungsrechte“. Dieser Aufruf muss in ganz New York City und in den Vereinigten Staaten von allen Arbeiter:innenorganisationen – von den größten Gewerkschaften bis hin zu den kämpferischen neuen Gewerkschaften, die jeden Tag entstehen – und von allen Aktivist:innengruppen und Community-Organisationen aufgegriffen werden, um ihn in die Tat umzusetzen. Mit dieser Kraft können wir eine Bewegung aufbauen, die das Recht auf freien, legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen gesetzlich verankern kann.

Die Tatsache, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, Roe v. Wade zu kippen, trotz der überwältigenden Unterstützung für den Zugang zur Abtreibung im ganzen Land erging, hat uns gezeigt, dass wir nicht darauf warten können, dass die Demokraten oder die großen NGOs uns vor den Angriffen der Rechten retten. Die Zehntausenden von Menschen, die am Freitag in New York City marschierten, zeigen, dass wir das nicht müssen. Wir können für Abtreibungsrechte, reproduktive Gerechtigkeit und vieles mehr kämpfen. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Kampf aufzubauen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Left Voice am 25. Juni 2022.

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