Deutschland

Uniklinikum Gießen Marburg: Pflege einer ganzen Station kündigt wegen schlechter Bedingungen

An einer Station des Uniklinikums Gießen Marburg (UKGM) haben 90 Prozent der Pflegekräfte ihr Arbeitsverhältnis gleichzeitig beendet. Als Grund gaben sie die schlechten Bedingungen für Pfleger:innen und Patient:innen an. Die Bedingungen, die sie beschreiben, sind in Deutschland lange kein Einzelfall. Wie man dagegen vorgehen kann zeigt die Berliner Krankenhausbewegung.

Uniklinikum Gießen Marburg: Pflege einer ganzen Station kündigt wegen schlechter Bedingungen
Foto: pilot_micha auf Flickr, CC BY-NC 2.0

An der Gefäßchirurgie des UKGM haben 15 von 16 Pflegekräften gekündigt, da sie die dortigen Bedingungen nicht mehr mittragen wollten und konnten. Die Angestellten, die teilweise seit 20 Jahren am Klinikum arbeiten, gaben an, dass sie sich verarscht fühlen von der Art und Weise wie mit Ihnen kommuniziert wird und wie mit der Gesundheit der Patient:innen zu Gunsten von höheren Profiten umgegangen wird.

Viele von ihnen beschreiben, wie alles nur noch schnell schnell schnell erledigt werden soll, wie einige Patient:innen sich nicht mehr trauen, zu klingeln, da sie die Überlastung der Pfleger:innen mitbekommen. Andere berichten wie Patient:innen von anderen Stationen an private Praxen verwiesen werden, da für bestimmte Arbeiten keine Zeit mehr sei. Das UKGM wurde 2006 durch das Land Hessen privatisiert, wodurch die Arbeitsbedingungen und Patient:innenversorgung sich rapide verschlechterten. Durch einen erneuten Verkauf, diesmal an den Medienkonzern Asklepios, wurde diese Situation nun auf die Spitze getrieben. So werde nur noch knapp innerhalb des gesetzlichen Rahmens gearbeitet und eine Pflegekraft müsse sich in manchen Schichten um sechs schwerst pflegebedürftige Patient:innen kümmern.

Der Betriebsrat meint zu der Situation: So zu arbeiten macht krank. Die Folge eines auf Profit orientierten Gesundheitssystems: Viele Beschäftigte – nicht nur in Marburg – suchen sich andere Arbeitgeber, reduzieren die Stunden oder verlassen den Gesundheitssektor ganz. Entscheidungen, die man sofort nachvollziehen kann. Eine Situation, die jedoch nicht nur die Beschäftigten individuell betrifft, sondern für die gesamte Bevölkerung auf Dauer unhaltbar ist. Trotzdem fehlt der politische Wille, um eine bessere Versorgung zur Pflicht zu machen und die Krankenhauskonzerne zur Kasse zu bitten.

Deshalb setzen lokale Initiativen und Beschäftigte auf eine erneute Verstaatlichung der Klinik. Mit diesem Ziel wurde im Sommer eine Petition gestartet, für die mittlerweile fast 15.000 Unterschriften gesammelt wurden. Aktuell kann noch online unterschrieben werden – am 9. November sollen die Unterschriften dann gesammelt dem hessischen Landtag übergeben werden.

Doch ein reiner Appell an die Politik wird auch nicht weiterführen, wie die Beschäftigen von Vivantes und der Charitee in Berlin gelernt haben. Sie haben sich organisiert, um ihre und die Situation der Patient:innen zu verbessern. Obwohl die Probleme an den Kliniken seit Jahren bekannt sind und die Kolleg:innen im Mai ein 100-tägiges Ultimatum stellten, erreichten sie echte Verbesserungen erst mit ihrem vierwöchigen Streik. Durch ihre monatelange Vorbereitung und einen intensiven Streik haben sie genug Druck aufgebaut, um den Klinikbetreiber:innen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen abzuringen. Damit zeigen die Kolleg:innen die einzige Perspektive auf, die uns aus der Pflegekrise holen kann.

Unterschreibt die Petition der UKGM-Beschäftigten!

Die Petition zur Verstaatlichung des Uniklinikums Gießen Marburg kann noch bis zum 8. November online unterschrieben werden:

Petition an den Hessischen Landtag zur Rücküberführung des UKGM in öffentliches Eigentum

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