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Uni Greifswald: Auf dem rechten Auge blind?

Ein Landespolitiker der Linkspartei muss seinen Posten an der Uni Greifswald räumen. Währenddessen geht der Rechtsruck in der Uni unverholen weiter.

Uni Greifswald: Auf dem rechten Auge blind?

Nicht nur in Berlin fanden vor kurzem Wahlen statt, auch in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein neues Parlament auf Landesebene gewählt. Neben der AfD zog auch ein neuer Abgeordneter der Linkspartei in den Landtag in Schwerin, Dr. Wolfgang Weiß.

Dr. Wolfgang Weiß ist Privatdozent am Institut für Geographie und Geologie, Teil der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald. Nun ist seine Stelle als Privatdozent vakant. Mit Schreiben vom 16. November 2016 erhielt er vom Kanzler der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Dr. Wolfgang Flieger, die Aufforderung unverzüglich jedwede Tätigkeiten am oder für das Institut für Geographie und Geologie zu unterlassen.

Die Linkspartei veröffentlichte dazu eine Stellungnahme. In dieser kommentiert der hochschulpolitische Sprecher der Linkspartei im Landtag, Karsten Kolbe, das Ereignis wie folgt:

Das Thema hat durchaus delikate politische Dimensionen. Während der umstrittene Prof. Weber, der für die AfD in den Landtag einzog, an der Universität Narrenfreiheit genießt und sogar öffentlich dafür gelobt wird, dass er seine Seminare ohne Vergütung weiter geben will, bekommt der Politiker der Linken, der für die Universität – natürlich ebenfalls kostenfrei – prüfungsrelevante Lehrveranstaltungen anbietet und unabhängig vom politischen Mandat langfristig in die Ausbildung an seinem Institut eingeplant ist, den Stuhl vor die Tür gesetzt.

Rechte Tendenzen sind dabei an der Universität in Greifswald schon länger zu spüren. So hat der Allgemeine Studierendenausschuss zur Landtagswahl eine Podiumsdiskussion veranstaltet zu der auch AfD und NPD eingeladen waren. In einem Gastbeitrag für das antifaschistische Infoportal Nord-Ost schreibt die Initiative „Uni ohne Nazis Greifswald“:

Wir haben an der Universität Greifswald ja schon einiges erlebt, wenn es um Rassismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit geht. Sei es nun eine Unileitung, die Antifaschismus vor allem lästig findet und Weltoffenheit und Internationalität nur dann mit Worthülsen verkündet, wenn es gute Presse gibt oder man für irgendwelche Drittmittel-Projekte Quoten erfüllen muss. Oder gewalttätige immatrikulierte Neonazi-Kader, die Antifaschistinnen angreifen und bedrohen. Oder rechtsaußen Jura-Professsoren, die Neonazis an der Uni promovieren und für die rassistische AfD als Landtagskandidat fungieren. Oder eine Hochschulleitung, die alle rechtlichen Hebel in Bewegung setzt, damit die Studierendenschaft Greifswald keine antifaschistische Aktionen gegen Nazi-Aufmärsche organisiert. Oder eine Uni, die immer noch den Namen trägt, den sie von Goebbels 1935 erhielt, weil er ja ein Ausdruck einer gewachsenen Tradition ist (sic!) . Oder, Oder, Oder…

Vor allem die Promotion eines bekannten Neonazis beim bereits erwähnten Jura-Professor Ralph Weber (oben im Bild) sorgte für viel Aufmerksamkeit. Der Sänger der rechtsextremen Band Hassgesang promovierte ausgerechnet bei dem Professor der mit Kleidung von Thor-Steinar zur Arbeit erschien. Woraufhin die Uni-Leitung eine neues Hausordnung veröffentlichte, die das Tragen von Kleidung der Marke Thor-Steinar verbietet.

Doch der Jura-Professor provoziert ungeniert weiter. So trug er am Frauenkampftag eine Krawatte auf der eine nackte Frau abgebildet war. In Vorlesungen bietet er sogenannten Reichsbürgern eine Plattform. In einem Artikel über den politischen Hintergrund von Ralph Weber im Fleischtorvorstadt-Blog aus Greifwald heißt es:

So lud er am 22. Januar 2016 den „Botschafter des Freistaats Preußen“ Thomas Mann nach Greifswald ein. Als Zusatzveranstaltung zur Vorlesung „Historische Grundlagen des Rechts“ (Zielgruppe 1. Semester) geplant, verbreitete der Reichsbürger im Audimax der Hochschule sein verschwörungstheoretisches und antisemitisches Weltbild.

Neben Ralph Weber prägen auch reaktionäre Burschenschaften das politische Leben an der Uni Greifwald. Zu der bekanntesten zählt die Greifswalder Burschenschaft Rugia. Der bekannte Holocaust-Leugner und NPD-Mitglied Rigolf Henning ist dort ebenfalls Mitglied. Laut dem, bei der Hans-Böckler-Stiftung tätigen, Sozialwissenschaftler Martin Behrens verstärke sich bei der Burschenschaft der Eindruck dass sie als Kaderschmiede für die NPD und andere rechtsextreme Gruppen diene. So waren Mitglieder der als rechtsextrem geltenden Burschenschaft 2009 bei einem Angriff auf das alternative Wohnprojekt IKUWO in Greifswald beteiligt. Mit zahlreichen Nazis auf dem Campus geht Rechtsruck der Uni Greifswald damit unvermindert weiter, ignoriert und gar hofiert von der Univerwaltung.

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