Frauen und LGBTI*

Umweltschutz und Kapitalismus: eine unglückliche Ehe

Feminists für Future: Eine marxistische Antwort auf Umweltzerstörung und Frauenunterdrückung

Umweltschutz und Kapitalismus: eine unglückliche Ehe

Das Erdsys­tem als Ganzes befind­et sich durch die Ver­heerun­gen des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem in Exis­ten­zge­fahr. Hun­dert­tausende Schüler*innen weltweit wollen dies nicht länger hin­nehmen und bestreiken jeden Fre­itag ihre Schulen. Sie nehmen dafür die Repres­sion durch Eltern und Schulleitun­gen in Kauf. Indem sie als Schüler*innen streiken, durch­brechen sie ten­den­ziell zwei Sack­gassen, in der sich die Umwelt­be­we­gung bish­er befand, gle­ichzeit­ig: Erstens benen­nen sie die poli­tis­chen Ver­ant­wortlichen in Staat und Unternehmen, die let­ztlich heute für den Kli­mawan­del die Ver­ant­wor­tung tra­gen, anstatt nur über die Ver­ant­wor­tung der “Konsument*innen” zu reden. Damit machen sie ihren Kampf auch wieder zu ein­er kollek­tiv­en Sache – auch wenn inner­halb der Bewe­gung natür­lich trotz­dem noch oft indi­vid­u­al­is­tis­che Ansätze vorherrschen. Zweit­ens ver­weisen sie mit dem Begriff Streik auf diejeni­gen, die in der Lage sind, diese Frage tat­säch­lich zu lösen: die Arbeiter*innen. So wie eine der ersten Bewe­gun­gen gegen die Umweltzer­störung die von Beschäftigten war, die sich gegen die Zer­störung ihrer Gesund­heit durch umweltschädliche Tech­nolo­gien wehrten, haben auch heute noch diejeni­gen, die gezwun­gen sind, dieses zer­störerische Wirtschaftssys­tem mit ihrer Arbeit­skraft aufrechtzuer­hal­ten, zugle­ich die Kraft, dieses Sys­tem auch aus den Angeln zu heben. Indem sie ihre Arbeit nieder­legen kön­nen, sie den Slo­gan der Schüler*innen tat­säch­lich wahrma­chen: “Sys­tem Change, not Cli­mate Change”.

Wer ist es, der dort heute protestiert? Im Ver­gle­ich mit den Umwelt­be­we­gun­gen in den 70er und 80er Jahren ist die Bewe­gung heute über­wiegend weib­lich, und zwar nicht nur die öffentlichen Fig­uren wie Gre­ta Thun­berg oder Luisa Neubauer. In Deutsch­land zum Beispiel sollen 57 Prozent der Teilnehmer*innen Frauen und Mäd­chen sein. Und so ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass sich einige von ihnen wie selb­stver­ständlich dem Frauen*streik am 8. März anschlossen – denn die in Deutsch­land neu entste­hende Frauen­be­we­gung und die Fri­days for Future verbindet mehr als nur die Hin­wen­dung zu der Aktions­form Streik. Wie Gre­ta Thun­berg es am 8. März for­mulierte: “Wir kön­nen nur dann in ein­er nach­halti­gen Welt leben, wenn alle Geschlechter und Men­schen gle­ich­be­han­delt wer­den. Punkt.”

Aber nicht nur die Zusam­menset­zung der Bewe­gung zeigt, dass es einen Zusam­men­hang zwis­chen der Umwelt- und der Frauen­frage gibt. Für uns als marx­is­tis­che Fem­i­nistin­nen beste­hen zwis­chen diesen bei­den Fra­gen sowohl wichtige Verknüp­fun­gen als auch gemein­same Ursachen – und vor allem denken wir, dass sie bei­de nur auf dem gle­ichen Weg zu lösen sind.

Frauen und Klimawandel

Die tief­greifende Ungle­ich­heit, denen Frauen im Patri­ar­chat unter­wor­fen sind, ergreift so gut wie alle Lebens­bere­iche. Von den mehr als eine Mil­liarde Men­schen, die heute in extremer Armut leben, sind 70 Prozent Frauen und Mäd­chen. Diese sind zusät­zlich inner­halb des patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus für bes­timmte Auf­gaben zuständig, die meist beson­ders schlecht oder gar nicht ent­lohnt wer­den. Und so ist es kein Wun­der, dass auch die Fol­gen des Kli­mawan­dels und der Umweltzer­störung Frauen beson­ders tre­f­fen – und zwar vor allem die Frauen in den vom Impe­ri­al­is­mus ver­wüsteten Regio­nen der Welt.

Um nur ein Beispiel zu nen­nen: Eine der wichtig­sten Kon­se­quen­zen des Kli­mawan­dels ist die Wasserk­nap­pheit. Die wes­t­asi­atis­chen und nordafrikanis­chen Län­der sind am meis­ten von Wasserk­nap­pheit betrof­fen. Auf­grund der patri­ar­chalen, geschlechtsspez­i­fisch vorgeschriebe­nen Rollen sind meist die Frauen für die Wasserver­sorgung ihrer Fam­i­lie ver­ant­wortlich. Laut UNICEF ver­brin­gen Mäd­chen und Frauen weltweit rund 200 Mil­lio­nen Stun­den am Tag mit dem Wasser­holen für ihre Fam­i­lien. Diese Zustände haben drama­tis­che Auswirkun­gen auf das Leben von Mil­lio­nen Frauen und Mäd­chen. Sie wer­den dadurch gesund­heitlich benachteiligt und ihre Zugänge zur Bil­dung wer­den beschränkt. Für die Mäd­chen bleibt keine Zeit, die Schule zu besuchen, denn sie müssen zum Teil bis zu acht Stun­den laufen, um das Wass­er für ihre Fam­i­lie zu besor­gen. Auf dem Weg kön­nen sie ver­let­zt, verge­waltigt oder über­fall­en wer­den, oder das Wass­er kann in der Hitze Bak­te­rien entwick­eln und zu Krankheit­en wie Durch­fall führen. Wegen über­lasteter Beck­en- und Hüft­musku­latur bekom­men vor allem diese Frauen bei der Geburt Prob­leme.

Maude Bar­low, Fem­i­nistin, Mit­be­grün­derin der Umweltschutzbe­we­gung Blue Plan­et Project, die gegen Pri­vatisierung und den Han­del mit Trinkwass­er kämpft, und Autorin des Buch­es „Blaues Gold“, sagte in einem Inter­view: „Die Mehrheit der Men­schen, die unter Wasser­man­gel lei­den, leben in den armen Teilen der Welt – Indi­en, Chi­na, Lateinameri­ka, Afri­ka. Und die Mehrheit der Men­schen, die sich um das Wass­er küm­mern müssen und die Haupt­last tra­gen, sind Frauen. Frauen sind ver­ant­wortlich dafür, Wass­er zu holen, damit zu kochen, sich um die Fam­i­lie und deren Gesund­heit zu küm­mern. Wir beobacht­en zunehmend Fälle, bei denen der Mann nach Hause kommt, die Frau aber kein Wass­er auftreiben kon­nte und es deshalb kein Essen gibt und die Klam­ot­ten nicht gewaschen wer­den kön­nen und der Mann seine Frau deshalb ver­prügelt.“ Die Klassen­zuge­hörigkeit ist dabei entschei­dend, denn diese Ver­hält­nisse betr­e­f­fen nicht alle Frauen gle­icher­maßen. Einige Fam­i­lien kön­nen sich pri­vat von diesen Auf­gaben freikaufen – während diese Belas­tun­gen gle­ichzeit­ig den All­t­ag von Mil­lio­nen armen Frauen, Arbei­t­erin­nen und Bäuerin­nen bes­tim­men. Und dies in einem Zeital­ter, in dem es tech­nisch ohne Frage möglich wäre, Infra­struk­tur und Bil­dung für alle bere­itzustellen. Nur liegt dies nicht im Inter­esse der­er, die über die Mit­tel ver­fü­gen, dies umzuset­zen – wed­er der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en, noch der großen Unternehmen.

Hinzu kommt noch die Tat­sache, dass in vie­len Regio­nen der Erde Frauen für die Bebau­ung des Bodens zur Ver­sorgung der Fam­i­lie mit Lebens­mit­teln ver­ant­wortlich sind – und durch den Kli­mawan­del ver­mehrt Dürre und schlecht­en Ern­ten aus­ge­set­zt sind. Auch der Zugang zu Brennstof­fen, der ihnen die Ver­sorgung der Fam­i­lie durch Kochen ermöglicht, wird immer müh­samer und teur­er – eine weit­ere Auf­gabe, die im Patri­ar­chat den Frauen zukommt. Hier zeigt sich auch eine der krass­es­ten Absur­ditäten, die dieses Wirtschaftssys­tem verur­sacht: Da die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion nicht zur Befriedi­gung der men­schlichen Bedürfnisse, son­dern zur Akku­mu­la­tion des Prof­its dient, wer­den laut der UN-Organ­i­sa­tion für Ernährung und Land­wirtschaft (FAO) zurzeit weltweit 1,6 Mil­liar­den Ton­nen ess­bar­er Lebens­mit­tel pro Jahr wegge­wor­fen – eine unge­heure Ressourcenver­schwen­dung. Auf­grund der anar­chis­chen Über­pro­duk­tion des kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems wer­den allein in Deutsch­land jährlich 18 Mil­lio­nen Ton­nen, also ein Drit­tel der Lebens­mit­tel­pro­duk­tion, ver­nichtet. Gle­ichzeit­ig hungern Mil­lio­nen von Men­schen weltweit – darunter wiederum meist Frauen und Kinder. Selb­st in einem reichen Land wie Deutsch­land wird es für die Ärm­sten zunehmend schw­er, aus­re­ichend gesunde Lebens­mit­tel zu essen, beson­ders für Kinder, die von Hartz IV leben und Allein­erziehende.

Darüber hin­aus treten durch den Kli­mawan­del immer mehr Extremwet­ter­ereignisse und andere Naturkatas­tro­phen auf. Auf­grund geringer präven­tiv­er Maß­nah­men sind arbei­t­ende und ärmere Frauen davor oft sehr schlecht geschützt. Die geschlechtliche Arbeit­steilung im patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus führt dazu, dass die arbei­t­en­den und ärmeren Frauen in ländlichen Regio­nen der Periph­erie von bes­timmten Lern­prozessen wie Schwim­men oder Klet­tern sys­tem­a­tisch aus­geschlossen wer­den. Häu­fig wer­den sie in Folge solch­er Sit­u­a­tio­nen Opfer sex­ueller und sex­u­al­isiert­er Gewalt. Da ger­ade Frauen oft arm sind, sind sie vom geschützten Wohn­raum gegen Umweltkatas­tro­phen aus­geschlossen. Viele von ihnen sind Slum-Bewohner*innen. Dazu kommt die ihnen zugeschriebene „Pflicht“ zum Schutz ihrer Kinder sowie kranken und älteren Fam­i­lien­mit­gliedern, was ihre Chance zum Über­leben ver­ringert. Dies sehen wir zum Beispiel im Falle des Tsuna­mi in Südostasien im Jahr 2004, bei dem laut der inter­na­tionalen Hil­f­sor­gan­i­sa­tion Oxfam in den am schw­er­sten getrof­fe­nen Gebi­eten in Indi­en, Indone­sien und Sri Lan­ka bis zu vier­mal mehr Frauen als Män­ner ums Leben kamen.

All diese Prozesse, die Frauen empfind­lich­er für die Auswirkun­gen des Kli­mawan­dels machen, wer­den gestützt durch die Poli­tik des Impe­ri­al­is­mus, der ein­er­seits diese Sit­u­a­tion durch Kriege und mil­itärische Inter­ven­tio­nen noch ver­schärft. Ander­er­seits beutet er mit seinen Unternehmen ger­ade die Frauen unter unmen­schlichen Bedin­gun­gen aus, ver­größert damit ihre dop­pelte und dreifache Last nur noch und macht sie so immer weit­er für die Fol­gen des Kli­mawan­dels und der Umweltzer­störung anfäl­lig. Außer­dem drän­gen die impe­ri­al­is­tis­chen Län­der mith­il­fe von Insti­tu­tio­nen wie dem IWF oder der Welt­bank Regierun­gen in der Periph­erie dazu, mit neolib­eralen Anpas­sung­spro­gram­men, Pri­vatisierung­spro­gram­men und soge­nan­nten Entwick­lung­spro­jek­ten, Frauen in den Welt­markt zu inte­gri­eren, während die Last der Hausar­beit und die wach­sende Belas­tung durch die Fol­gen des Kli­mawan­dels immer weit­er wach­sen und der Staat sich hier sog­ar immer weit­er aus der Ver­ant­wor­tung zieht. Dies ist auch oft der Fall mit Entwick­lung­spro­jek­ten, die sich den Umweltschutz auf die Fah­nen geschrieben haben, aber let­ztlich nur den Druck auf Frauen erhöhen und an den Bedürfnis­sen der Men­schen vor­bei agieren – im Inter­esse der Agen­da der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en und der Ver­suche der impe­ri­al­is­tis­chen Konz­erne, sich der Ver­ant­wor­tung für die Umweltzer­störung zu entziehen. Und ger­ade diejeni­gen, die sich gegen diese Ver­hält­nisse wehren – wie beispiel­sweise indi­gene Aktivist*innen und Bäuerin­nen in vie­len Teilen der Welt – sind oft heftiger Repres­sion durch die jew­eili­gen Staat­en aus­ge­set­zt.

Wie analysieren wir als marxistische Feministinnen die Frage der Ökologie?

Kli­mawan­del und Umweltzer­störung haben, wie wir gese­hen haben, beson­ders für Frauen fatale Fol­gen, die in den kom­menden Jahren nur noch größer wer­den. Die ökol­o­gis­che Frage sollte für uns deshalb – genau­so wie die Frage der Fraue­nun­ter­drück­ung – ein zen­trales The­ma sein. Die Lösung dieser The­men dür­fen wir nicht ein­fach auf die Zeit nach der Rev­o­lu­tion ver­schieben. Im Gegen­teil müssen ger­ade diese Fra­gen für uns fun­da­men­tal sein, denn es geht um unser Leid, die Unter­drück­ung und Ermor­dung von uns Frauen, ein­er­seits und die Exis­tenz unseres Plan­eten ander­er­seits.

Als marx­is­tis­che Fem­i­nistin­nen basiert unsere Meth­ode auf der Analyse der sich per­ma­nent bewe­gen­den materiellen Real­ität. Das heißt, dass wir die Zusam­men­hänge zwis­chen Men­schen, Arbeit und Natur, genau­so wie die Fraue­nun­ter­drück­ung und alle anderen Unter­drück­ungsmech­a­nis­men in der Verbindung mit der Art und Weise der Pro­duk­tion und den Pro­duk­tionsver­hält­nis­sen ver­ste­hen. Wir ver­ste­hen den his­torischen Prozess der Umweltzer­störung und der Fraue­nun­ter­drück­ung nicht lin­ear oder ahis­torisch, son­dern als eng mit der Pro­duk­tion­sweise ver­bun­den. Dies ermöglicht uns auch, eine Per­spek­tive zu entwick­eln, die die tat­säch­liche Grund­lage der Umweltzer­störung und der Fraue­nun­ter­drück­ung beseit­i­gen kann, anstatt per­ma­nent nur gegen die schlimm­sten Auswüchse zu kämpfen. Die Ret­tung der Exis­tenz auf der Erde und die Frauen­be­freiung sind für uns let­ztlich deshalb nur möglich, wenn wir die Mech­a­nis­men stop­pen, die sie per­ma­nent erzeu­gen.

Das Patri­ar­chat und auch die Umweltzer­störung (wenn auch diese auf einem sehr viel niedrigerem Niveau) waren schon vor dem Kap­i­tal­is­mus vorhan­den. Schon in den Klas­sen­ge­sellschaften vor dem Kap­i­tal­is­mus wur­den Frauen bes­timmten Tätigkeit­en zuge­ord­net und ide­ol­o­gisch abgew­ertet. Und auch in die Natur wurde schon davor einge­grif­f­en, was teil­weise zur Zer­störung von Ökosys­te­men führte. Allerd­ings bleib diese Zer­störung nur auf bes­timmte Regio­nen beschränkt. Der entste­hende Kap­i­tal­is­mus machte sich den Mech­a­nis­mus der Fraue­nun­ter­drück­ung zunutze, ver­schärfte die Ten­denz zur Zer­störung der Umwelt und inte­gri­erte bei­des in ein Sys­tem, das den gesamten Erd­ball umspan­nte, im Prozess der soge­nan­nten ursprünglichen Akku­mu­la­tion: Dieses glob­ale kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem ent­stand unter anderem durch die Akku­mu­la­tion von Kap­i­tal, das auf der mas­siv­en Zer­störung der Umwelt in den Minen Lateinamerikas und in anderen kolo­nial­isierten Gegen­den der Welt beruhte und in Pri­vateigen­tum an Pro­duk­tion­s­mit­teln überg­ing. Eben­so liegt seine Grund­lage in der Aus­beu­tung der Arbeit­skraft der Kolo­nial­isierten, beispiel­sweise durch das Ver­sklavungssys­tem und damit durch die bru­tale Ver­schär­fung ras­sis­tis­ch­er Spal­tun­gen, die Mil­lio­nen in den Tod führten. Dazu gesellte sich die Enteig­nung der europäis­chen Bauern und Bäuerin­nen, die dadurch zu Lohnarbeiter*innen gemacht wur­den, deren Arbeit­skraft zur Erzeu­gung von Prof­it genutzt wer­den kon­nte. Dies traf ganz beson­ders die Frauen, weil sie in diesem Prozess zu den­jeni­gen wur­den, die neben der schlechter bezahlten Lohnar­beit für die unbezahlte Hausar­beit zuständig waren. Der Kap­i­tal­is­mus passte also in diesem Prozess die Ver­hält­nisse der Men­schen zur Natur und die patri­ar­chale Unter­drück­ung an seine Logik an und unter­warf sie ihr. Er organ­isierte sie auf eine Art neu, die ihm die größt­möglichen Prof­ite ver­sprach und erschuf damit ein Sys­tem, in dem alles der Erzeu­gung von Prof­iten unter­ge­ord­net ist. Dies bein­hal­tet auch die Dro­hung an jeden einzel­nen Kap­i­tal­is­ten, unterzuge­hen, wenn er nicht immer weit­er Prof­ite erzeugt – dem Kap­i­tal­is­mus liegt damit seit seinem Beginn auch ein Wach­s­tum­szwang zugrunde.

Es ist Teil der men­schlichen Exis­tenz, in Inter­ak­tion mit der Natur zu treten und sie durch men­schliche Arbeit zu verän­dern. Marx schreibt dazu: „Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwis­chen Men­sch und Natur, ein Prozess, worin der Men­sch seinen Stof­fwech­sel mit der Natur durch seine eigene Tat ver­mit­telt, regelt und kon­trol­liert. Er tritt dem Naturstoff selb­st als eine Natur­ma­cht gegenüber. Die sein­er Leib­lichkeit ange­höri­gen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, set­zt er in Bewe­gung, um sich den Naturstoff in ein­er für sein eigenes Leben brauch­baren Form anzueignen.“ (Kap­i­tal, Bd. 1).

Die Herrschaft des Pri­vateigen­tums an Pro­duk­tion­s­mit­teln – d.h. der Kap­i­tal­is­mus – schließt allerd­ings den direk­ten Zugang der großen Mehrheit der Men­schen auf die Naturstoffe aus, um die Naturstoffe in ein­er für ihr eigenes Leben brauch­baren Form und nach ihren Bedürfnis­sen anzueignen. Dieses Wirtschaftssys­tem basiert auf der Max­imierung der Prof­ite der Kapitalist*innen durch die Aus­beu­tung der zwei Quellen seines Reich­tums: die Arbeit (sowohl die unbezahlte Repro­duk­tion­sar­beit als auch die Lohnar­beit) und die Natur. Die einzel­nen Kap­i­tale, die miteinan­der in Konkur­renz ste­hen, sind durch diese Konkur­renz einem ständi­gen Drang nach Wach­s­tum und der Erschließung neuer Prof­itquellen aus­ge­set­zt. Dadurch streben sie danach, diese Quellen des Reich­tums immer mehr auszu­pressen, ohne jegliche Rück­sicht auf die Exis­tenzbe­din­gun­gen des Men­schen. Dadurch greifen sie ten­den­ziell die Grund­la­gen men­schlichen Lebens selb­st an – und damit auch ihre eige­nen Exis­tenzbe­din­gun­gen: „Die kap­i­tal­is­tis­che Pro­duk­tion entwick­elt daher nur die Tech­nik und Kom­bi­na­tion des gesellschaftlichen Pro­duk­tion­sprozess­es, indem sie zugle­ich die Springquellen alles Reich­tums unter­gräbt: die Erde und den Arbeit­er.“ (Kap­i­tal, Bd. 1)

In ein­er Epoche, in der alle Teile der Erde vom Kap­i­tal­is­mus erobert wur­den und das Kap­i­tal es immer schw­er­er hat, seinen Prof­it­durst zu stillen, ver­stärkt sich dieser Druck noch mehr. Und so sind sowohl die Kli­makatas­tro­phe und die Umweltzer­störung, als auch die Pflegekrise und die Krise der sozialen Repro­duk­tion (also das Fehlen an staatlich­er Infra­struk­tur, Geld und Zeit für Sorge um Kinder, Kranke, Alte und let­ztlich alle Arbeiter*innen inner­halb der Arbeiter*innenklasse) ein immer schär­fer wer­den­der Aus­druck dieses Angriffs auf unsere Lebens­be­din­gun­gen. Hier sehen wir also eine Par­al­lele zwis­chen Fraue­nun­ter­drück­ung und der Frage der Ökolo­gie – denn bei­des entspringt den gle­ichen Ver­hält­nis­sen.

Wie kämpfen wir?

Das heißt, dass wir genau diese Ver­hält­nisse umw­er­fen müssen, sowohl um uns als Frauen zu befreien, als auch um ein men­schlich­es Ver­hält­nis zur Natur zu entwick­eln, welch­es die natür­lichen Gren­zen respek­tiert und die ungle­iche Verteilung des Zugangs zur Nutzung der Natur beseit­igt. Nur so kann let­ztlich das men­schliche Leben auf diesem Plan­eten gerettet wer­den.

Diejeni­gen, die diese Per­spek­tive tat­säch­lich umset­zen kön­nen, sind die Arbeiter*innen, auf deren Arbeit­skraft let­ztlich der Prof­it beruht und die damit die Macht haben, den Kap­i­tal­is­mus an sein­er empfind­lich­sten Stelle zu tre­f­fen. Deshalb ist das Wort vom „Streik“, das die Schüler*innen und die Frauen­be­we­gung heute ver­wen­den, so wichtig.

Wie wir oben geschrieben haben, heißt das aber nicht, dass wir heute ein­fach zuse­hen, wie unsere Erde immer unbe­wohn­bar­er wird und immer mehr Frauen unter Gewalt und Armut lei­den. Im Gegen­teil: Um irgend­wann dieses Sys­tem stürzen zu kön­nen, müssen wir heute begin­nen, für Verbesserun­gen zu kämpfen – und jeden noch so kleinen Sieg zur Vor­bere­itung des weit­eren Kampfes nutzen.

Um einige Beispiele für notwendi­ge Sofort­maß­nah­men aufzuzählen: Wir müssen heute schon für einen sofor­ti­gen Ausstieg aus der Kohle- und Atom­en­ergie kämpfen und ihren Umbau zu erneuer­baren Energien bei Arbeit­splatz­garantien für die Beschäftigten ein­fordern. Darüber hin­aus wollen wir die Ver­staatlichung der Energiekonz­erne unter unser­er Kon­trolle, denn nur so kann ein Ausstieg tat­säch­lich gesichert wer­den. Wir brauchen einen kosten­losen öffentlichen Nahverkehr statt Sub­ven­tio­nen für die Autoin­dus­trie.

Wir wollen kosten­lose 24-Stun­den-Kitas und Pflegeein­rich­tun­gen für alle, unter guten Bedin­gun­gen für die Beschäftigten und die Betreuten, finanziert vom Staat und von den Bossen. Wir brauchen kosten­lose öffentliche Kan­ti­nen, die sowohl die Last der unbezahlten Hausar­beit der Frauen erle­ichtern, als auch gegen die Lebens­mit­telver­schwen­dung kämpfen.

Wir brauchen eine drastis­che Verkürzung der Arbeit­szeit bei vollem Lohnaus­gle­ich – ein­er­seits, weil wir dann mehr Zeit haben, die unbezahlte Hausar­beit gerechter unter uns zu verteilen, sie mit weniger Stress zu erledi­gen und auch Zeit für anderes zu haben, ander­er­seits, weil wir so dem Drang nach Wach­s­tum und Prof­it – der die Umwelt zer­stört – einen Schlag ver­set­zen kön­nen.

Um diese und viele weit­ere drin­gende Maß­nah­men durchzuset­zen, müssen wir in der Frauen­be­we­gung und in der Umwelt­be­we­gung dafür kämpfen, dass sie sich mit der Arbeiter*innenbewegung verbinden, die als einzige die dafür notwendi­ge materielle Kraft ent­fal­ten kann. Und zugle­ich müssen wir in der Arbeiter*innenbewegung dafür kämpfen, dass sie diese Kämpfe auch als ihre Kämpfe begreift – und das bedeutet auch die Kon­fronta­tion der Gew­erkschafts­bürokratie, die ihre Inter­essen beson­ders in der Energiein­dus­trie an die Inter­essen der Kapitalist*innen gebun­den hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.