Frauen und LGBTI*

Umweltschutz und Kapitalismus: eine unglückliche Ehe

Feminists für Future: Eine marxistische Antwort auf Umweltzerstörung und Frauenunterdrückung

Umweltschutz und Kapitalismus: eine unglückliche Ehe

Das Erdsystem als Ganzes befindet sich durch die Verheerungen des kapitalistischen System in Existenzgefahr. Hunderttausende Schüler*innen weltweit wollen dies nicht länger hinnehmen und bestreiken jeden Freitag ihre Schulen. Sie nehmen dafür die Repression durch Eltern und Schulleitungen in Kauf. Indem sie als Schüler*innen streiken, durchbrechen sie tendenziell zwei Sackgassen, in der sich die Umweltbewegung bisher befand, gleichzeitig: Erstens benennen sie die politischen Verantwortlichen in Staat und Unternehmen, die letztlich heute für den Klimawandel die Verantwortung tragen, anstatt nur über die Verantwortung der „Konsument*innen“ zu reden. Damit machen sie ihren Kampf auch wieder zu einer kollektiven Sache – auch wenn innerhalb der Bewegung natürlich trotzdem noch oft individualistische Ansätze vorherrschen. Zweitens verweisen sie mit dem Begriff Streik auf diejenigen, die in der Lage sind, diese Frage tatsächlich zu lösen: die Arbeiter*innen. So wie eine der ersten Bewegungen gegen die Umweltzerstörung die von Beschäftigten war, die sich gegen die Zerstörung ihrer Gesundheit durch umweltschädliche Technologien wehrten, haben auch heute noch diejenigen, die gezwungen sind, dieses zerstörerische Wirtschaftssystem mit ihrer Arbeitskraft aufrechtzuerhalten, zugleich die Kraft, dieses System auch aus den Angeln zu heben. Indem sie ihre Arbeit niederlegen können, sie den Slogan der Schüler*innen tatsächlich wahrmachen: „System Change, not Climate Change“.

Wer ist es, der dort heute protestiert? Im Vergleich mit den Umweltbewegungen in den 70er und 80er Jahren ist die Bewegung heute überwiegend weiblich, und zwar nicht nur die öffentlichen Figuren wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer. In Deutschland zum Beispiel sollen 57 Prozent der Teilnehmer*innen Frauen und Mädchen sein. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich einige von ihnen wie selbstverständlich dem Frauen*streik am 8. März anschlossen – denn die in Deutschland neu entstehende Frauenbewegung und die Fridays for Future verbindet mehr als nur die Hinwendung zu der Aktionsform Streik. Wie Greta Thunberg es am 8. März formulierte: „Wir können nur dann in einer nachhaltigen Welt leben, wenn alle Geschlechter und Menschen gleichbehandelt werden. Punkt.“

Aber nicht nur die Zusammensetzung der Bewegung zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Umwelt- und der Frauenfrage gibt. Für uns als marxistische Feministinnen bestehen zwischen diesen beiden Fragen sowohl wichtige Verknüpfungen als auch gemeinsame Ursachen – und vor allem denken wir, dass sie beide nur auf dem gleichen Weg zu lösen sind.

Frauen und Klimawandel

Die tiefgreifende Ungleichheit, denen Frauen im Patriarchat unterworfen sind, ergreift so gut wie alle Lebensbereiche. Von den mehr als eine Milliarde Menschen, die heute in extremer Armut leben, sind 70 Prozent Frauen und Mädchen. Diese sind zusätzlich innerhalb des patriarchalen Kapitalismus für bestimmte Aufgaben zuständig, die meist besonders schlecht oder gar nicht entlohnt werden. Und so ist es kein Wunder, dass auch die Folgen des Klimawandels und der Umweltzerstörung Frauen besonders treffen – und zwar vor allem die Frauen in den vom Imperialismus verwüsteten Regionen der Welt.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine der wichtigsten Konsequenzen des Klimawandels ist die Wasserknappheit. Die westasiatischen und nordafrikanischen Länder sind am meisten von Wasserknappheit betroffen. Aufgrund der patriarchalen, geschlechtsspezifisch vorgeschriebenen Rollen sind meist die Frauen für die Wasserversorgung ihrer Familie verantwortlich. Laut UNICEF verbringen Mädchen und Frauen weltweit rund 200 Millionen Stunden am Tag mit dem Wasserholen für ihre Familien. Diese Zustände haben dramatische Auswirkungen auf das Leben von Millionen Frauen und Mädchen. Sie werden dadurch gesundheitlich benachteiligt und ihre Zugänge zur Bildung werden beschränkt. Für die Mädchen bleibt keine Zeit, die Schule zu besuchen, denn sie müssen zum Teil bis zu acht Stunden laufen, um das Wasser für ihre Familie zu besorgen. Auf dem Weg können sie verletzt, vergewaltigt oder überfallen werden, oder das Wasser kann in der Hitze Bakterien entwickeln und zu Krankheiten wie Durchfall führen. Wegen überlasteter Becken- und Hüftmuskulatur bekommen vor allem diese Frauen bei der Geburt Probleme.

Maude Barlow, Feministin, Mitbegründerin der Umweltschutzbewegung Blue Planet Project, die gegen Privatisierung und den Handel mit Trinkwasser kämpft, und Autorin des Buches „Blaues Gold“, sagte in einem Interview: „Die Mehrheit der Menschen, die unter Wassermangel leiden, leben in den armen Teilen der Welt – Indien, China, Lateinamerika, Afrika. Und die Mehrheit der Menschen, die sich um das Wasser kümmern müssen und die Hauptlast tragen, sind Frauen. Frauen sind verantwortlich dafür, Wasser zu holen, damit zu kochen, sich um die Familie und deren Gesundheit zu kümmern. Wir beobachten zunehmend Fälle, bei denen der Mann nach Hause kommt, die Frau aber kein Wasser auftreiben konnte und es deshalb kein Essen gibt und die Klamotten nicht gewaschen werden können und der Mann seine Frau deshalb verprügelt.“ Die Klassenzugehörigkeit ist dabei entscheidend, denn diese Verhältnisse betreffen nicht alle Frauen gleichermaßen. Einige Familien können sich privat von diesen Aufgaben freikaufen – während diese Belastungen gleichzeitig den Alltag von Millionen armen Frauen, Arbeiterinnen und Bäuerinnen bestimmen. Und dies in einem Zeitalter, in dem es technisch ohne Frage möglich wäre, Infrastruktur und Bildung für alle bereitzustellen. Nur liegt dies nicht im Interesse derer, die über die Mittel verfügen, dies umzusetzen – weder der imperialistischen Staaten, noch der großen Unternehmen.

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass in vielen Regionen der Erde Frauen für die Bebauung des Bodens zur Versorgung der Familie mit Lebensmitteln verantwortlich sind – und durch den Klimawandel vermehrt Dürre und schlechten Ernten ausgesetzt sind. Auch der Zugang zu Brennstoffen, der ihnen die Versorgung der Familie durch Kochen ermöglicht, wird immer mühsamer und teurer – eine weitere Aufgabe, die im Patriarchat den Frauen zukommt. Hier zeigt sich auch eine der krassesten Absurditäten, die dieses Wirtschaftssystem verursacht: Da die kapitalistische Produktion nicht zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse, sondern zur Akkumulation des Profits dient, werden laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zurzeit weltweit 1,6 Milliarden Tonnen essbarer Lebensmittel pro Jahr weggeworfen – eine ungeheure Ressourcenverschwendung. Aufgrund der anarchischen Überproduktion des kapitalistischen Systems werden allein in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen, also ein Drittel der Lebensmittelproduktion, vernichtet. Gleichzeitig hungern Millionen von Menschen weltweit – darunter wiederum meist Frauen und Kinder. Selbst in einem reichen Land wie Deutschland wird es für die Ärmsten zunehmend schwer, ausreichend gesunde Lebensmittel zu essen, besonders für Kinder, die von Hartz IV leben und Alleinerziehende.

Darüber hinaus treten durch den Klimawandel immer mehr Extremwetterereignisse und andere Naturkatastrophen auf. Aufgrund geringer präventiver Maßnahmen sind arbeitende und ärmere Frauen davor oft sehr schlecht geschützt. Die geschlechtliche Arbeitsteilung im patriarchalen Kapitalismus führt dazu, dass die arbeitenden und ärmeren Frauen in ländlichen Regionen der Peripherie von bestimmten Lernprozessen wie Schwimmen oder Klettern systematisch ausgeschlossen werden. Häufig werden sie in Folge solcher Situationen Opfer sexueller und sexualisierter Gewalt. Da gerade Frauen oft arm sind, sind sie vom geschützten Wohnraum gegen Umweltkatastrophen ausgeschlossen. Viele von ihnen sind Slum-Bewohner*innen. Dazu kommt die ihnen zugeschriebene „Pflicht“ zum Schutz ihrer Kinder sowie kranken und älteren Familienmitgliedern, was ihre Chance zum Überleben verringert. Dies sehen wir zum Beispiel im Falle des Tsunami in Südostasien im Jahr 2004, bei dem laut der internationalen Hilfsorganisation Oxfam in den am schwersten getroffenen Gebieten in Indien, Indonesien und Sri Lanka bis zu viermal mehr Frauen als Männer ums Leben kamen.

All diese Prozesse, die Frauen empfindlicher für die Auswirkungen des Klimawandels machen, werden gestützt durch die Politik des Imperialismus, der einerseits diese Situation durch Kriege und militärische Interventionen noch verschärft. Andererseits beutet er mit seinen Unternehmen gerade die Frauen unter unmenschlichen Bedingungen aus, vergrößert damit ihre doppelte und dreifache Last nur noch und macht sie so immer weiter für die Folgen des Klimawandels und der Umweltzerstörung anfällig. Außerdem drängen die imperialistischen Länder mithilfe von Institutionen wie dem IWF oder der Weltbank Regierungen in der Peripherie dazu, mit neoliberalen Anpassungsprogrammen, Privatisierungsprogrammen und sogenannten Entwicklungsprojekten, Frauen in den Weltmarkt zu integrieren, während die Last der Hausarbeit und die wachsende Belastung durch die Folgen des Klimawandels immer weiter wachsen und der Staat sich hier sogar immer weiter aus der Verantwortung zieht. Dies ist auch oft der Fall mit Entwicklungsprojekten, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, aber letztlich nur den Druck auf Frauen erhöhen und an den Bedürfnissen der Menschen vorbei agieren – im Interesse der Agenda der imperialistischen Staaten und der Versuche der imperialistischen Konzerne, sich der Verantwortung für die Umweltzerstörung zu entziehen. Und gerade diejenigen, die sich gegen diese Verhältnisse wehren – wie beispielsweise indigene Aktivist*innen und Bäuerinnen in vielen Teilen der Welt – sind oft heftiger Repression durch die jeweiligen Staaten ausgesetzt.

Wie analysieren wir als marxistische Feministinnen die Frage der Ökologie?

Klimawandel und Umweltzerstörung haben, wie wir gesehen haben, besonders für Frauen fatale Folgen, die in den kommenden Jahren nur noch größer werden. Die ökologische Frage sollte für uns deshalb – genauso wie die Frage der Frauenunterdrückung – ein zentrales Thema sein. Die Lösung dieser Themen dürfen wir nicht einfach auf die Zeit nach der Revolution verschieben. Im Gegenteil müssen gerade diese Fragen für uns fundamental sein, denn es geht um unser Leid, die Unterdrückung und Ermordung von uns Frauen, einerseits und die Existenz unseres Planeten andererseits.

Als marxistische Feministinnen basiert unsere Methode auf der Analyse der sich permanent bewegenden materiellen Realität. Das heißt, dass wir die Zusammenhänge zwischen Menschen, Arbeit und Natur, genauso wie die Frauenunterdrückung und alle anderen Unterdrückungsmechanismen in der Verbindung mit der Art und Weise der Produktion und den Produktionsverhältnissen verstehen. Wir verstehen den historischen Prozess der Umweltzerstörung und der Frauenunterdrückung nicht linear oder ahistorisch, sondern als eng mit der Produktionsweise verbunden. Dies ermöglicht uns auch, eine Perspektive zu entwickeln, die die tatsächliche Grundlage der Umweltzerstörung und der Frauenunterdrückung beseitigen kann, anstatt permanent nur gegen die schlimmsten Auswüchse zu kämpfen. Die Rettung der Existenz auf der Erde und die Frauenbefreiung sind für uns letztlich deshalb nur möglich, wenn wir die Mechanismen stoppen, die sie permanent erzeugen.

Das Patriarchat und auch die Umweltzerstörung (wenn auch diese auf einem sehr viel niedrigerem Niveau) waren schon vor dem Kapitalismus vorhanden. Schon in den Klassengesellschaften vor dem Kapitalismus wurden Frauen bestimmten Tätigkeiten zugeordnet und ideologisch abgewertet. Und auch in die Natur wurde schon davor eingegriffen, was teilweise zur Zerstörung von Ökosystemen führte. Allerdings bleib diese Zerstörung nur auf bestimmte Regionen beschränkt. Der entstehende Kapitalismus machte sich den Mechanismus der Frauenunterdrückung zunutze, verschärfte die Tendenz zur Zerstörung der Umwelt und integrierte beides in ein System, das den gesamten Erdball umspannte, im Prozess der sogenannten ursprünglichen Akkumulation: Dieses globale kapitalistische System entstand unter anderem durch die Akkumulation von Kapital, das auf der massiven Zerstörung der Umwelt in den Minen Lateinamerikas und in anderen kolonialisierten Gegenden der Welt beruhte und in Privateigentum an Produktionsmitteln überging. Ebenso liegt seine Grundlage in der Ausbeutung der Arbeitskraft der Kolonialisierten, beispielsweise durch das Versklavungssystem und damit durch die brutale Verschärfung rassistischer Spaltungen, die Millionen in den Tod führten. Dazu gesellte sich die Enteignung der europäischen Bauern und Bäuerinnen, die dadurch zu Lohnarbeiter*innen gemacht wurden, deren Arbeitskraft zur Erzeugung von Profit genutzt werden konnte. Dies traf ganz besonders die Frauen, weil sie in diesem Prozess zu denjenigen wurden, die neben der schlechter bezahlten Lohnarbeit für die unbezahlte Hausarbeit zuständig waren. Der Kapitalismus passte also in diesem Prozess die Verhältnisse der Menschen zur Natur und die patriarchale Unterdrückung an seine Logik an und unterwarf sie ihr. Er organisierte sie auf eine Art neu, die ihm die größtmöglichen Profite versprach und erschuf damit ein System, in dem alles der Erzeugung von Profiten untergeordnet ist. Dies beinhaltet auch die Drohung an jeden einzelnen Kapitalisten, unterzugehen, wenn er nicht immer weiter Profite erzeugt – dem Kapitalismus liegt damit seit seinem Beginn auch ein Wachstumszwang zugrunde.

Es ist Teil der menschlichen Existenz, in Interaktion mit der Natur zu treten und sie durch menschliche Arbeit zu verändern. Marx schreibt dazu: „Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen.“ (Kapital, Bd. 1).

Die Herrschaft des Privateigentums an Produktionsmitteln – d.h. der Kapitalismus – schließt allerdings den direkten Zugang der großen Mehrheit der Menschen auf die Naturstoffe aus, um die Naturstoffe in einer für ihr eigenes Leben brauchbaren Form und nach ihren Bedürfnissen anzueignen. Dieses Wirtschaftssystem basiert auf der Maximierung der Profite der Kapitalist*innen durch die Ausbeutung der zwei Quellen seines Reichtums: die Arbeit (sowohl die unbezahlte Reproduktionsarbeit als auch die Lohnarbeit) und die Natur. Die einzelnen Kapitale, die miteinander in Konkurrenz stehen, sind durch diese Konkurrenz einem ständigen Drang nach Wachstum und der Erschließung neuer Profitquellen ausgesetzt. Dadurch streben sie danach, diese Quellen des Reichtums immer mehr auszupressen, ohne jegliche Rücksicht auf die Existenzbedingungen des Menschen. Dadurch greifen sie tendenziell die Grundlagen menschlichen Lebens selbst an – und damit auch ihre eigenen Existenzbedingungen: „Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (Kapital, Bd. 1)

In einer Epoche, in der alle Teile der Erde vom Kapitalismus erobert wurden und das Kapital es immer schwerer hat, seinen Profitdurst zu stillen, verstärkt sich dieser Druck noch mehr. Und so sind sowohl die Klimakatastrophe und die Umweltzerstörung, als auch die Pflegekrise und die Krise der sozialen Reproduktion (also das Fehlen an staatlicher Infrastruktur, Geld und Zeit für Sorge um Kinder, Kranke, Alte und letztlich alle Arbeiter*innen innerhalb der Arbeiter*innenklasse) ein immer schärfer werdender Ausdruck dieses Angriffs auf unsere Lebensbedingungen. Hier sehen wir also eine Parallele zwischen Frauenunterdrückung und der Frage der Ökologie – denn beides entspringt den gleichen Verhältnissen.

Wie kämpfen wir?

Das heißt, dass wir genau diese Verhältnisse umwerfen müssen, sowohl um uns als Frauen zu befreien, als auch um ein menschliches Verhältnis zur Natur zu entwickeln, welches die natürlichen Grenzen respektiert und die ungleiche Verteilung des Zugangs zur Nutzung der Natur beseitigt. Nur so kann letztlich das menschliche Leben auf diesem Planeten gerettet werden.

Diejenigen, die diese Perspektive tatsächlich umsetzen können, sind die Arbeiter*innen, auf deren Arbeitskraft letztlich der Profit beruht und die damit die Macht haben, den Kapitalismus an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen. Deshalb ist das Wort vom „Streik“, das die Schüler*innen und die Frauenbewegung heute verwenden, so wichtig.

Wie wir oben geschrieben haben, heißt das aber nicht, dass wir heute einfach zusehen, wie unsere Erde immer unbewohnbarer wird und immer mehr Frauen unter Gewalt und Armut leiden. Im Gegenteil: Um irgendwann dieses System stürzen zu können, müssen wir heute beginnen, für Verbesserungen zu kämpfen – und jeden noch so kleinen Sieg zur Vorbereitung des weiteren Kampfes nutzen.

Um einige Beispiele für notwendige Sofortmaßnahmen aufzuzählen: Wir müssen heute schon für einen sofortigen Ausstieg aus der Kohle- und Atomenergie kämpfen und ihren Umbau zu erneuerbaren Energien bei Arbeitsplatzgarantien für die Beschäftigten einfordern. Darüber hinaus wollen wir die Verstaatlichung der Energiekonzerne unter unserer Kontrolle, denn nur so kann ein Ausstieg tatsächlich gesichert werden. Wir brauchen einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr statt Subventionen für die Autoindustrie.

Wir wollen kostenlose 24-Stunden-Kitas und Pflegeeinrichtungen für alle, unter guten Bedingungen für die Beschäftigten und die Betreuten, finanziert vom Staat und von den Bossen. Wir brauchen kostenlose öffentliche Kantinen, die sowohl die Last der unbezahlten Hausarbeit der Frauen erleichtern, als auch gegen die Lebensmittelverschwendung kämpfen.

Wir brauchen eine drastische Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich – einerseits, weil wir dann mehr Zeit haben, die unbezahlte Hausarbeit gerechter unter uns zu verteilen, sie mit weniger Stress zu erledigen und auch Zeit für anderes zu haben, andererseits, weil wir so dem Drang nach Wachstum und Profit – der die Umwelt zerstört – einen Schlag versetzen können.

Um diese und viele weitere dringende Maßnahmen durchzusetzen, müssen wir in der Frauenbewegung und in der Umweltbewegung dafür kämpfen, dass sie sich mit der Arbeiter*innenbewegung verbinden, die als einzige die dafür notwendige materielle Kraft entfalten kann. Und zugleich müssen wir in der Arbeiter*innenbewegung dafür kämpfen, dass sie diese Kämpfe auch als ihre Kämpfe begreift – und das bedeutet auch die Konfrontation der Gewerkschaftsbürokratie, die ihre Interessen besonders in der Energieindustrie an die Interessen der Kapitalist*innen gebunden hat.

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