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Über Nazis reden? Zum Outing eines Nazi-Aktivisten an der LMU

Am Donnerstag verteilten antifaschistische Aktivist*innen an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Flyer, auf denen sie die Identität des rechtsradikalen Studenten Arndt Novak bekanntmachten. Die kontrovers diskutierte Aktion stellt die Frage: Wie sollte man an der Uni über Nazis reden?

Über Nazis reden? Zum Outing eines Nazi-Aktivisten an der LMU

Arndt Ekke­hard Hugo Novak steckt tief im braunen Sumpf. Der Stu­dent der Sozi­olo­gie und Poli­tik­wis­senschaften ist eine führende Per­son der Iden­titären Bewe­gung und der Burschen­schaft Danu­bia.

Die Fly­er­ak­tion, die seine Per­son als Teil dieser faschis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen bekan­nt­machte, löste unter den Studieren­den kon­tro­verse Diskus­sio­nen aus. Die Fach­schaft Poli­tik­wis­senschaften dis­tanzierte sich auf Face­book von dem Out­ing:

Die Fach­schaft ver­sucht eine Rolle als Schied­srich­terin einzunehmen. In einem bre­it­en Mei­n­ungsspek­trum will sie eine neu­trale Posi­tion bewahren. Für sie ist ein Mit­glied von faschis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen ein­fach nur ein „Ander­s­denk­ender“. Zu ein­er „offe­nen, tol­er­an­ten und bun­ten Studieren­den­schaft“ gehöre es anscheinend auch Nazis zu akzep­tieren. Kein Wort über das recht­sradikale Gedankengut oder die ras­sis­tis­chen und frauen­feindlichen Aktio­nen von Novaks Organ­i­sa­tio­nen.

Notwendigkeit des antifaschistischen Engagements

Den Ver­such zwis­chen „extremen Mei­n­un­gen“ eine neu­trale Hal­tung einzunehmen, unter­nahm auch der Kon­vent der Fach­schaften, als er im Som­mer auf Druck der Hochschulleitung den Hochschul­grup­pen­sta­tus für alle aufhob, um die AfD-Hochschul­gruppe nicht zulassen zu müssen. Das traf auch Grup­pen, die sich gegen den Auf­stieg von Rassist*innen an der Uni und in der Gesellschaft wen­den.

Wie drin­gend notwendig ein antifaschis­tis­ches Engage­ment ist, zeigen die Erfolge der ras­sis­tis­chen und frauen­feindlichen AfD, faschis­tis­che Massen­mo­bil­isierun­gen wie Pegi­da, die alltägliche rechte Gewalt gegen Migrant*innen auf der Straße und die Anschläge gegen Wohn­heime von Geflüchteten. Während­dessen zwingt der deutsche Staat immer mehr Men­schen das Land zu ver­lassen, mit­tler­weile auch mit Massen­ab­schiebun­gen nach Afghanistan. Wie beim Ter­ror des NSU hofiert der Staat faschis­tis­che Gewalt mehr, als sie zu unterbinden.

Rechte Aktivist*innen wie Arndt Novak leis­ten mit ihrem völkischen Nation­al­is­mus immer neuen Angrif­f­en auf Migrant*innen Vorschub. Seine Organ­i­sa­tion, die Iden­titäre Bewe­gung, spricht davon, dass wir „endlich wieder ein gesun­des Ver­hält­nis zu Patri­o­tismus und Heimatliebe“ bräucht­en. Mit auf­se­hen­erre­gen­den Ban­ner- und Flash­mobak­tio­nen sowie ein­er neo­faschis­tis­chen Ästhetik geben sie sich als die Bewahrer „deutsch­er und europäis­ch­er Iden­tität“.

Identitäre und Burschenschafter in München

Die Iden­titären und die Burschen­schaft Danu­bia fie­len auch an der LMU mit Aktio­nen auf: Bei der Kundge­bung gegen die Zulas­sung der AfD-Hochschul­gruppe, ver­sucht­en sie die protestieren­den Studieren­den zu stören und grif­f­en dabei auch Demonstrant*innen kör­per­lich an. Einige Monate später provozierten sie bei ein­er fem­i­nis­tis­chen Ver­anstal­tung mit dem Titel „Frauen und Geschlechter­bilder bei AfD und Pegi­da“ im Audi­max der LMU.

Wie die Süd­deutsche Zeitung berichtete, sind die Iden­titären in München mit der Burschen­schaft Danu­bia per­son­ell eng ver­woben. Der Per­so­n­enkreis der bei­den Grup­pen beste­ht in München aus etwa zehn bis 15 Män­nern, über­wiegend Stu­den­ten. Ähn­lich wie die Iden­titären beschwören die Burschen­schafter die „deutsche Kul­tur- und Volks­ge­mein­schaft“. Bei ihren Aktio­nen treten sie zum Teil mit Aktivist*innen von Pegi­da, NPD, der faschis­tis­chen Kle­in­st­partei „Der III. Weg“, Kam­er­ad­schaften und klas­sis­chen Schläger-Nazis auf. Kon­tak­te beste­hen zudem zum Vor­sitzen­den der bay­erischen AfD Petr Bystron.

Über Nazis reden

Die Fly­er-Aktion, bei der Arndt Novak als Mit­glied der Iden­titären und Danu­bia geout­ed wurde, rückt seine Aktiv­itäten ins Licht der Öffentlichkeit. Seine Posi­tio­nen ein­fach als andere poli­tis­che Mei­n­ung abzu­tun, wie es die Fach­schaft Poli­tik­wis­senschaft tut, legit­imiert nur seine Hal­tung. Let­z­tendlich sagen sie damit, dass es in Ord­nung sei, wenn Iden­titäre ihre völkischen Ideen an die Uni tra­gen. Es sagt migrantis­chen Studieren­den, dass sie damit leben müssen, wenn Arndt Novak ras­sis­tisch gegen sie het­zt.

Der Ver­such der Fach­schaft neu­tral zu bleiben führt lei­der eben nicht zu ein­er „demokratis­chen, offe­nen, tol­er­an­ten und bun­ten Studieren­den­schaft“. Es führt dazu, dass Rassist*innen ungestört ihren Hass ver­bre­it­en kön­nen. Diejeni­gen, die von ihrer Het­ze betrof­fen sind, kön­nen sich eben nicht mehr in ein­er offe­nen Uni bewe­gen. Keine Posi­tion ein­nehmen zu wollen, heißt nur das intol­er­ante Ver­hal­ten der Recht­en zuzu­lassen.

Nazis stärkt es, wenn sie ihre poli­tis­che Aktiv­itäten unerkan­nt betreiben kön­nen. Wenn jemand an unser­er Uni ras­sis­tis­che Het­ze betreibt, haben alle Studieren­den das Recht darauf, davon zu erfahren, um der Per­son in Vor­lesun­gen und Sem­i­naren aus dem Weg gehen oder um sie kon­fron­tieren zu kön­nen. Damit Rassist*innen nicht ungestört han­deln kön­nen, müssen sie isoliert und dele­git­imiert wer­den. Dafür müssen wir wis­sen, mit wem wir es zu tun haben. Nie­mand hat Arndt Novak dazu gezwun­gen Nazi zu sein. Da er sich dazu entsch­ieden hat, muss er mit den Kon­se­quen­zen leben. Welche das sein kön­nten, darüber soll­ten die Studieren­den demokratisch entschei­den. Anstatt mit der Angele­gen­heit nichts zu tun haben zu wollen, kön­nten die Fach­schaften zum neuen Semes­ter Ver­samm­lun­gen ein­berufen, um zu disku­tieren, was gegen den Auf­stieg von Recht­en an der Uni und in der Gesellschaft unter­nom­men wer­den kann.

2 thoughts on “Über Nazis reden? Zum Outing eines Nazi-Aktivisten an der LMU

  1. Thorsten sagt:

    > Zu ein­er „offe­nen, tol­er­an­ten und bun­ten Studieren­den­schaft“
    > gehöre es anscheinend auch Nazis zu akzep­tieren.

    Ja, natür­lich gehört das zu ein­er der­art definierten Studieren­den­schaft bzw. zu unser­er gesamten Gesellschaft. Faschis­ten, Kom­mu­nis­ten, Grüne, Sozialdemokrat­en, Christ­demokrat­en, Anar­chis­ten usw. gehören alle dazu. Eigentlich bräucht­en wir ein viel ‘bun­teres’ Par­la­ment. Einige der genan­nten Parteien vertreten eige­nar­tige oder gar abstruse Ideen? Ja, tun sie. Na und?

  2. Heinz sagt:

    >alltägliche rechte Gewalt gegen Migrant*innen

    Ihnen ist bekan­nt, dass die Gewalt viel häu­figer in die andere Rich­tung geht?

    Damit hängt vielle­icht auch zusam­men, warum Sie so vehe­ment dage­gen sind, dass andere ihre Mei­n­ung artikulieren kön­nen: weil Sie die Wahrheit nicht ver­ste­hen wollen, wenn Sie mit Ihrer Welt­sicht kon­fligiert.

    Weil Sie lieber tausende zusät­zliche Fälle von sex­uellen Über­grif­f­en auf deutsche Frauen hin­nehmen, als den Fakt zur Ken­nt­nis zu nehmen, dass Asyl­be­wer­ber durch­schnit­tlich um ein vielfach­es häu­figer vergewaltigen[1], als durch­schnit­tliche Mit­teleu­ropäer.

    Weil Sie lieber wieder­holen, was Ihnen Lehrer und Medi­en gesagt haben, als selb­st nach der Wahrheit zu suchen.

    [1] https://www.wochenblick.at/schock-asylwerber-begehen-statistisch-20mal-mehr-sex-delikte/

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