Frauen und LGBTI*

Türkei: 7 Frauen vor Gericht, weil sie “Ein Vergewaltiger auf deinem Weg” performt haben

Sieben Frauen wurden in Istanbul verhaftet, nachdem sie die berühmte Performance "Ein Vergewaltiger auf deinem Weg" aufgeführt hatten. Jetzt fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Türkei: 7 Frauen vor Gericht, weil sie

Am Son­ntag, den 8. Dezem­ber, ver­sam­melten sich min­destens 300 Frauen auf dem Kadıköy-Platz im türkischen Istan­bul, um „Ein Verge­watiger auf deinem Weg“, die berühmte Chore­o­gra­phie des chilenis­chen Kollek­tivs Las Tesis, aufzuführen. Aufgerufen hat­te die türkische Plat­tform “Wir wer­den Fem­izide stop­pen”. Die türkische Bere­itschaft­spolizei inter­ve­nierte jedoch gewalt­sam, um die Demon­stran­tinnen zu zer­streuen, was mit der Ver­haf­tung von sieben Aktivistin­nen endete.

Der Grund für eine solche repres­sives Vorge­hen ist laut der Polizei, dass: „Die Gruppe Slo­gans mit den Worten ‚Es ist die Polizei, die Richter, der Präsi­dent, der unter­drück­erische Staat ist ein Verge­waltiger‘ sang“; das Ver­brechen würde daraus beste­hen, „den Präsi­den­ten zu belei­di­gen und die Insti­tu­tio­nen des Staates zu erniedri­gen,“ erk­lärte die Regierung von Istan­bul. Darüber hin­aus wur­den min­destens zwei der Gefan­genen während ihrer Ver­haf­tung schw­er geschla­gen.

„In ein­er Zeit, in der Frauen­morde in unserem Land auf dem Vor­marsch sind“, sagte die Türkische Anwalt­skam­mer am ver­gan­genen Mon­tag, „verurteilen wir die Inter­ven­tion der Sicher­heit­skräfte gegen einen friedlichen Protest. Es ist inakzept­abel, dass ein Tanz, der zu einem Sym­bol für Gewalt gegen Frauen auf der ganzen Welt gewor­den ist, mit Gewalt gegen Frauen ver­trieben wird.“

„Wir haben so etwas nicht erwartet. Es war ein Akt des Protestes gegen die Morde an Frauen auf der ganzen Welt. Der Text bezieht sich nicht auf einen bes­timmten Präsi­den­ten oder eine bes­timmte Insti­tu­tion“, sagte Esim Yesilir­mak, ein­er der Anwälte der Plat­tform, gegenüber der BBC Türkei. „Die Polizei han­delte auch ohne die Ein­hal­tung der fest­gelegten Ver­fahren zur Auflö­sung von Demon­stra­tio­nen. Sie haben den Anruf nicht dreimal gemacht, nicht 15 Minuten gewartet und die Demon­stran­tinnen auf die Straße geschoben“, sagte Tuba Torum, eine weit­ere der Anwält*innen, dem­sel­ben Medi­um.

Das Büro des Gou­verneurs von Istan­bul, der vom Innen­min­is­teri­um abhängig ist, bestätigte in ein­er Erk­lärung, dass die Aktivistin­nen nach Artikel 301 des türkischen Strafge­set­zbuch­es vor Gericht gestellt wer­den, wonach die öffentliche Degradierung der türkischen Nation und ihrer Insti­tu­tio­nen zu ein­er Frei­heitsstrafe von sechs Monat­en bis zwei Jahren führen kann. Aber türkische Frauenkollek­tive rufen bere­its zu Ver­samm­lun­gen vor dem Gerichts­ge­bäude auf, bei dem gefan­gen genomme­nen Demon­stran­tinnen weit­er­hin einges­per­rt sind.

Eine der Koor­di­na­torin­nen der Gruppe, die Fem­i­nistin Ipek Bozkurt, sagte auf Twit­ter, dass die Gefan­genen auf der Polizeis­ta­tion klarstellen mussten, dass es sich nicht um Slo­gans han­delte, son­dern um den Text eines Liedes, das die Beamt*innen selb­st zugegeben haben, nicht zu ken­nen.

Die Türkei ist auch ein Beispiel für Gewalt gegen Frauen

In der Türkei existiert derzeit ein Kli­ma beson­der­er Span­nun­gen, da es eine Vielzahl von Fällen von geschlechtsspez­i­fis­ch­er Gewalt und Frauen­mor­den durch die Part­ner und ehe­ma­li­gen Part­ner der Ermorde­ten gibt. Laut einem UN-Bericht von 2014 ist jede vierte Frau in der Türkei sex­ueller oder kör­per­lich­er Gewalt aus­ge­set­zt, aber nur jede zehnte von ihnen sucht Hil­fe auf. Der Staat gibt keine Zahlen an, aber nach mehreren Ver­bän­den star­ben im Jahr 2018 440 Frauen an diesen Fol­gen.

Erin­nern wir uns auch an das Ereig­nis vom 8. März dieses Jahres in dem von Präsi­dent Recep Tayyip Erdoğan geführten Land, als die türkische Polizei mit Trä­nen­gas und Gum­migeschossen eine vielfältige Mobil­isierung zum Frauen­tag in Istan­bul unter­drück­te.

Die Vere­ini­gung der türkisch­er Anwälte hat die Inhaftierung der Aktivistin­nen verurteilt und die Behör­den aufge­fordert, „gegen sex­is­tis­che Ver­brechen und nicht gegen Frauen“ vorzuge­hen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 11. Dezem­ber auf La Izquier­da Diario.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.