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Trotzkistin erobert wichtigsten Studierendenverband in Chile

Nicht nur in den USA können Wahlen ein überraschendes Ende haben: Bei den Wahlen zum Studierendenverband der Universidad de Chile in Santiago konnte eine feministische und antikapitalistische Liste den zweiten Platz erringen. Damit hat der wichtigste Studierendenverband des Landes erstmals eine trotzkistische Vizepräsidentin.

Trotzkistin erobert wichtigsten Studierendenverband in Chile

Für den Großteil der Welt bedeutete der gestrige Mittwoch ein bit­teres Erwachen – der Sieg von Don­ald Trump bei den US-Wahlen erschüt­terte und über­raschte alle. Doch auch auf der anderen Hal­bkugel fan­den Wahlen statt: Die Studieren­den der Unver­si­dad de Chile, der größten und bedeu­tend­sten Uni­ver­sität des Anden­lan­des, wählten den Vor­sitz für ihren Ver­band, der abgekürzt Fech genan­nt wird. Auch hier hiel­ten die Wahlur­nen erstaunlich­es bere­it.

Bár­bara Brito und die Liste “Unidas para Vencer” (Gemein­sam zum Sieg) hat­ten die Über­raschung auf ihrer Seite. Ver­schiedene Organ­i­sa­tio­nen wie die „Partei Rev­o­lu­tionär­er Arbeiter*innen“ (PTR), „Kom­mu­nis­tis­che Linke“, „Lib­ertäre Aktion“ und „Brot und Rosen“ hat­ten diese Liste zusam­mengestellt, die nur aus Frauen bestand.

Damit woll­ten sie den bedeu­ten­den Kämpfen gegen sex­u­al­isierte Gewalt und Frauen­morde einen Aus­druck ver­lei­hen. Gle­ichzeit­ig richtete sich ihr Pro­gramm gegen die Koop­er­a­tion zwis­chen Studieren­den­bürokratie und der Regierung sowie für die Vere­ini­gung der Kämpfe für kosten­lose Bil­dung, gegen Gewalt an Frauen* und das pri­vate Renten­sys­tem (AFP).

Mit dieser kämpferischen, fem­i­nis­tis­chen und antikap­i­tal­is­tis­chen Aus­rich­tung ver­drängte Brito die Liste der Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen der Regierung – Kom­mu­nis­tis­che Jugend (JJCC) und die Sozial­is­tis­che Jugend (JS) – auch wenn diese mit bürokratis­chen Mit­teln diesen Aus­gang ver­hin­dern woll­ten. Damit ist beson­ders die Jugend der KPCh angeschla­gen, die noch 2011 mit Cami­la Valle­jo als Vor­sitzen­der der Fech die großten Studieren­den­proteste anführte. Doch von ihrer Beteili­gung an der Mitte-Links-Regierung von Michelle Bachelet kon­nten sie sich nicht erholen.

Der erste Platz ging an eine Liste „Am Puls“, die mit den linksre­formistis­chen Abge­ord­neten Gabriel Boric ver­bun­den ist. Sie will die Strate­gie der „Ein­flussnahme“ und des „Drucks auf die Regierung“ weit­er­führen, die die Studieren­den­be­we­gung in die aktuelle Sack­gasse geführt hat. Anstatt auf die eigene Kraft der Mobil­isierung zu set­zen und sich mit den großen sozialen Bewe­gun­gen gegen Frauen­morde und sex­u­al­isierte Gewalt oder die AFP, die für sich jew­eils hun­dert­tausende Men­schen im ganzen Land auf die Straße brin­gen, ver­trauen sie auf Ver­hand­lun­gen mit der Regierung und dem Bil­dungsmin­is­teri­um.

Doch die Über­raschung lag auf Seit­en von „Unidas para Vencer“, was sog­ar von den wichtig­sten Zeitun­gen des Lan­des aufge­grif­f­en wurde. Mit Bár­bara Brito erlangt zum ersten Mal eine trotzk­istis­che Fem­i­nistin die Vizepräsi­dentschaft des wichtig­sten Studieren­den­ver­ban­des in Chile. Bei der Siegeskundge­bung bedank­te sie sich bei den fast 2.000 Studieren­den, die sie gewählt haben uns sagte:

„Große Auf­gaben und Her­aus­forderun­gen ste­hen vor uns. Nur durch die unab­hängige Mobil­isierung und die Organ­isierung kön­nen wir unsere Forderun­gen erkämpfen. Wir kämpfen für das Ende aller Erben aus der Dik­tatur, was wir nur mit der Kraft der Arbeiter*innen, Frauen* und Studieren­den erkämpfen kön­nen.“

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