Unsere Klasse

“Tochtergesellschaften sind Diebstahl!” Rede eines Vivantes-Arbeiters

Beschäftigte bei Vivantes und Charité kämpfen gegen Niedriglöhne und Outsourcing. Wir dokumentieren hier die Rede von Mario Kunze, Arbeiter bei Vivantes und Mitglied der Gewerkschaft ver.di. (Etwas gekürzt, weil die rechtliche Situation der Kolleg*innen sehr komplex ist.)

Hal­lo Vivantes! Hal­lo Char­ité!

Nach gefühlt hun­dert Jahren sind wir wieder zusam­men gekom­men, trotz der Hür­den, die immer wieder hastig vor uns aufge­baut wer­den.

Eines muss man unseren Geg­n­ern lassen: Sie sind kreativ! Aber sie alle kön­nen es nun nicht mehr ver­ber­gen. Ihre Schein­heiligkeit, ihre Heucheleien, ihre Lügen wer­den durch ihre undemokratis­chen, juris­tisch ille­galen und ihre kor­rupten Entschei­dun­gen sicht­bar. Egal welche Maske sie ger­ade tra­gen, wir haben sie ihnen von den Vis­agen geris­sen.

Die Onkel- und Tan­ten­tour der Geschäfts­führung hat­te keinen Erfolg! Durch ille­gale Hausver­bote, Scheinzugeständ­nisse […] und lächer­liche Ent­gelte […] haben sie euren Willen nicht brechen kön­nen. Ihr seid hier und zeigt ihnen den Stinkefin­ger! Ihr seid nicht bil­lig zu haben und lasst euch nicht ver­arschen! Wir wollen, was uns zuste­ht – nicht mehr aber auch nicht weniger!

Warum reichen die [bish­eri­gen Zugeständ­nisse bei] der VSG nicht aus, um euch zufrieden zu stellen? Weil schon jet­zt die Ungerechtigkeit zu Tage tritt. Einige von euch bekom­men [die Lohn­er­höhung] gar nicht, andere weniger und andere mehr. Die Geschäfts­führung bezahlt sie nach Nase! Das wer­den wir nicht hin­nehmen!

TVÖD für Alle!

[Das] ist nur mit der Auflö­sung der ver­flucht­en Töchter zu erre­ichen!

Auflö­sung und Rück­ab­wick­lung der Töchter!

Die Geschäfts­führung der VSG stellte in der let­zten Ver­hand­lung klar: Wenn es um die Bezahlung nach TVÖD in der gesamten VSG gin­ge, müsse man sie von Seit­en der Poli­tik dazu zwin­gen.

Und damit zu euch, werte Damen und Her­ren aus der Poli­tik:

Liebe SPD:

Es reicht nicht, dicke Back­en zu machen. Ihr müsst auch kon­se­quenter­weise diesen zick­i­gen Kap­i­tal­is­ten den Marsch blasen. Was ist euer Koali­tionsver­trag wert, wenn sich der Finanzse­n­a­tor auf ein­er DGB-Ver­anstal­tung wortwörtlich gelang­weilt rum lüm­meln und verkün­den darf: Tochterge­sellschaften muss es in kom­mu­nalen Kranken­häusern weit­er­hin geben und der Koali­tionsver­trag spielt keine Rolle?

Das ist ein Bruch eur­er Ver­sprechen an uns. Fangt den Mann wieder ein! Der ist gefährlich und ver­wal­tet auch noch unsere Stadtkasse!

Der infiziert wom­öglich noch den Michi Müller – oder war der vorher schon krank? Beim 1. Mai wirk­te er noch gesund.

Noch ver­trauen wir euch und eur­er Ankündi­gung, den Pfef­fer­säck­en eine Gesellschafter­an­weisung für die Auflö­sung der VSG und VTD um die Ohren zu hauen. Aber wir kön­nen nicht bis nach der Wahl Däum­chen drehen. Wir wer­den euch beim Wahlkampf begleit­en, euch erin­nern und auch auf die Nüsse gehen. Auch eine tausend­prozentige Tochter CFM kommt für uns nicht in Frage!

Töchterge­sellschaften sind Dieb­stahl an den darin Beschäftigten!

Liebe Linke:

Ihr tut euch ger­ade in den ver­ant­wortlichen Posi­tio­nen sehr schw­er, euer Pro­fil klar her­vor zu heben. Wieso haben wir das Gefühl, dass uns ein neuer Vere­ini­gungsparteitag mit der SPD bevor ste­ht?

Ihr wollt linke, sozial gerechte Poli­tik machen. Wisst ihr über­haupt noch, was sich hin­ter diesen Worten ver­birgt? Schö­nen Gruß an Her­rn Led­er­er und Her­rn Fis­ch­er – sie treten eure Vorstel­lun­gen ger­ade mit Unter­wür­figkeit gegenüber Kol­laps-Ahnen und mit Aus­sagen wie “Out­sourc­ing ist kein The­ma, solange es keine Kern­bere­iche bet­rifft” in den Arsch. Einen linken Flügel der SPD gibt es schon, die brauchen euch nicht.

Auch euch wer­den wir mit Freude besuchen kom­men, denn wir erwarten von euch mehr!

Liebe Grüne:

schlaft weit­er und raucht noch eine! Wir sehen uns auf euren Wahlpar­tys! Dort wer­den wir euch das Häkeln beib­rin­gen.

Wie geht es in Zukunft weiter?

Wir geben nicht auf – ihr bekommt uns nicht klein!

No going back! Denn wenn wir nach­lassen, haben sie gewon­nen, getreu dem alten Spruch:

Dem Bösen reicht zum Sieg, wenn das Gute nichts tut!

Zusam­men mit unser­er Gew­erkschaft und jedem*jeder, der*die uns unter­stützt, wer­den wir Schul­ter an Schul­ter allen zeigen, wie entschlossen wir sind. Das schließt die hier anwe­senden Vertreter der Poli­tik und Medi­en genau so ein, wie die Vertreter aus den anderen prekär beschäftigten Bere­ichen in der Ver­ant­wor­tung des Lan­des Berlin.

Dieser Arbeit­skampf muss mit Protest­demos und gemein­samen Streiks geführt wer­den. Streik ist unsere schärf­ste und demokratis­chste Waffe im Kampf gegen Ungerechtigkeit und  Kap­i­tal­bürokratie.

Streik ist das Mit­tel, um unsere Gew­erkschaft zu neuen Mit­gliedern zu ver­helfen, denn sie sind ein deut­lich­es Zeichen für alle Wank­enden, dass hier bei unser­er Gew­erkschaft nicht rumgeeiert wird.

Ein erfol­gre­ich­er Streik, liegt in unser aller Inter­esse.

Vencer­e­mos!

One thought on ““Tochtergesellschaften sind Diebstahl!” Rede eines Vivantes-Arbeiters

  1. Daniel sagt:

    Tolle Rede. Unser Mario hat’s ein­fach drauf :-)

    Mit sozial­is­tis­chem Gruß

    Daniel

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