Deutschland

Surreale Nacht in Hamburg

Am Morgen stehen Bilder in der Zeitung, die aus dem irakischen Mossul stammen könnten: Die Polizei läuft mit Sturmgewehren durch Ruinen. Am Freitag Abend spielten sich surreale Szenen im Hamburger Schanzenviertel ab. Neben den brennenden Barrikaden wurde über die Gewaltfrage diskutiert.

Surreale Nacht in Hamburg

Als ich gegen Mitternacht vor einer U-Bahn-Station stand, fuhr eine endlose Kolonne von Fahrrädern an mir vorbei. „Wiiihüüü, wiiihüüü“ – hunderte Radler*innen machten Sirenengeräusche. Nach einer Minute rasten echte Polizeiwannen mit Blaulicht auf einer anderen Straße vorbei. Daraufhin haben die Menschen ihr Sirenengeheul noch lauter gemacht.

Das war eine Szene aus einer surrealen Nacht in Hamburg. Gegen Mitternacht musste ich einfach nach Hause – seit siebzehn Stunden war ich auf den Beinen. Ich lief an S-Bahn-Unterführungen vorbei: Auf der einen Seite brannte eine Barrikade – auf der anderen hatten sich hunderte Bullen in schwarzen Uniformen neben ihren Wasserwerfern aufgestellt. Oben kreiste ein Hubschrauber mit Scheinwerfern.

Eine Gruppe Sanitäter*innen rauchten zusammen. „Warst du schon drin?“ fragt einer. Sein Kollege schüttelt schnell den Kopf.

Auf dem Neuen Pferdemarkt zielen zwei Riesenwasserwerfer gleichzeitig auf zwei Menschen. Warum nicht? Schließlich sind so viele Bullen hier, dass sie sich sicherlich langweilen.

Auf einer Straße etwas außerhalb des Schanzenviertels haut eine Gruppe Jugendlicher Fensterscheiben ein. „Yeah!“ grölen sie vor Freude. „Buh!“ heißt es von etwas bunter angezogenen Jugendlichen auf der anderen Straßenseite. „Verpisst euch! Hier wohnen Menschen!“

Mitten in der Nacht wird die Gewaltfrage lebhaft diskutiert. Sicher ist, dass die Polizei und die Regierung genau solche Bilder von Chaos und Zerstörung wollten. Dafür mussten sie nur haufenweise Bullen an einem Freitag Abend im Partyviertel aufstellen. Zu jedem*r Demonstrant*in, den*die man mit dem „schwarzen Block“ in Verbindung bringen könnte, gesellen sich 20 Feiernde, die Flaschen auf die Polizei werfen.

Kleine Geschäfte zu plündern und Autos anzuzünden – das ist sicherlich nicht hilfreich, wenn wir arbeitende Menschen für eine große Bewegung gegen den Kapitalismus gewinnen wollen. Aber klar ist trotzdem, dass die Herrschenden in Deutschland für diese Szenen verantwortlich sind. Sie haben sich dafür entschieden, den größten Verbrechner*innen der Welt den roten Teppich auszurollen – und zwar mitten in der Hamburger Innenstadt.

Surreale Bilder waren dabei zu erwarten.

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