Jugend

Spanischer Staat: Hunderttausende Schüler*innen und Studierende auf den Straßen

Von Galizien im Norden bis Andalusien im Süden, sogar auf den kanarischen Inseln: Am Mittwoch sind 200.000 Jugendliche in den Streik getreten, um gegen ein neues Bildungsgesetz zu protestieren.

Spanischer Staat: Hunderttausende Schüler*innen und Studierende auf den Straßen

“Wie ein Tsuna­mi” war die Mobil­isierung am Mittwoch. So hieß es in ein­er ersten Ein­schätzung der Schüler*innen und Studieren­dengew­erkschaft (Sindi­ca­to de Estu­di­antes) im Spanis­chen Staat. Im ganzen Land haben laut Gew­erkschaft­sangaben mehr als 200.000 Jugendliche die Klassen­z­im­mer und Hörsäle ver­lassen, um auf die Straße zu gehen.

In der spanis­chen Haupt­stadt Madrid waren 60.000 auf den Straßen, in der kata­lanis­chen Haupt­stadt Barcelona 50.000. Auch in den Städten des Basken­lan­des war die Beteili­gung hoch: 10.000 in Bil­bo / Bil­bao und 5.000 in Donos­tia / San Sebastián. Der Streik reichte vom Nor­dosten des Lan­des – mit 5.000 in A Coruña in Gal­izien – bis zum tiefen Süden – mit 15.000 in Mála­ga in Andalusien. In unzäh­li­gen weit­eren Städten und Dör­fern gin­gen Tausende auf die Straße.

Sog­ar auf den kanarischen Inseln fan­den Proteste statt. In Saragos­sa in Aragon waren 5.000 dabei – in dieser Region wurde der Streik von ein­er linken Schüler*innen- und Studieren­dengew­erkschaft (Sindi­ca­to de Estu­di­antes de Izquier­das) organ­isiert. Am frühen Abend gab es eine weit­ere Demon­stra­tion durch Madrid.

Die Zahlen der Gew­erkschaft mögen sicher­lich etwas über­trieben sein – vielle­icht waren es nur 30.000 in Madrid. Aber auch so war es ein his­torisch­er Kampf­tag: Die kon­ser­v­a­tive Regierung der Volkspartei (PP), die seit einem Wahlde­bakel im let­zten Dezem­ber noch geschäfts­führend im Amt ist, ver­sucht ein neues Bil­dungs­ge­setz durchzu­drück­en. Neben ein­er Erhöhung der Stu­di­enge­bühren und weit­eren Kürzun­gen im Bil­dungssys­tem geht es hier vor allem um die “Revál­i­das” – restrik­tive Schul­prü­fun­gen aus der Zeit der Fran­co-Dik­tatur.

Die Gew­erkschaft fordert den Rück­tritt des (geschäfts­führen­den) Bil­dungsmin­is­ters und die Rück­nahme des Geset­zes. Der Streik wird nicht ver­längert – aber wenn die Regierung bis Mon­tag, den 31. Okto­ber, nicht auf die Forderun­gen einge­ht, wird es weit­ere Streiks geben.

Bish­er haben die Führun­gen der großen Gew­erkschaften noch nicht die Lehrer*innen zum Streik aufgerufen. Aber wenn die Regierung stur bleibt, ist eine Verbindung der Schüler*innen mit den Arbeiter*innen an der Tage­sor­d­nung. Schließlich sind alle Schicht­en im spanis­chen Staat von bru­tal­en Kürzun­gen betrof­fen – hier schlägt sich die kap­i­tal­is­tis­che Krise mit beson­der­er Wucht nieder.

Aus vie­len Teilen der Welt gab es am Mittwoch aus Sol­i­dar­ität­sak­tio­nen mit den Protesten im Spanis­chen Staat.

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