Geschichte und Kultur

Sonntagmittag gehört den Amateurclubs

Ab der neuen Fußballsaison 2017/18 sollen jeweils fünf Bundesligaspiele in der Saison sonntags um 13:30 Uhr und montagabends ausgetragen werden. Wie Ben Zimmer in „Nein zur Mammut-WM und Montagsspielen“ dargelegt hat, kollidieren diese Pläne mit den Wünschen nach fangerechten Anstoßzeiten und bedrohen damit auch die Jugendkultur „Ultras“. Doch vielmehr werden die geplanten Sonntagsspiele auch zum Problem für die unteren Spielklassen. Ein Gastbeitrag von Benjamin S.

Sonntagmittag gehört den Amateurclubs

Das Schöne am Fußball war stets, dass der Teamsport verbindet. Auf dem Bolzplatz ist es egal, wie du aussiehst oder woher du kommst. Fußball wirkt integrativ. Zahlreiche Refugee-Teams zeigen, dass der Sport als Ausgleich, Beschäftigung oder Ablenkung vom ansonsten monoton-tristen Alltag in Deutschland funktioniert. Ihre Vernetzung untereinander ist sogleich auch antirassistische Arbeit. Über den Fußball drängen Geflüchtete in die Öffentlichkeit, werden sichtbar und schaffen einen Raum, um über Probleme von Bleiberecht und drohender Abschiebung aufmerksam zu machen.

Linke Vereinsprojekte

In den letzten Jahren kam es vermehrt zu Vereinsgründungen explizit linker, antirassistischer und antifaschistischer Fußballereine. Ihr Ziel ist es, den Sport in einem diskriminierungsfreien Raum ausleben zu können. Dies gilt sowohl für Spieler*innen als auch für Fans. Bundesweit etablierten sich eine Vielzahl an „Roter Stern“-Vereinen und anderen Projekten durch alle Ligen, vermehrt aber im Amateurbereich. Sie sind Schauplatz politischer Konflikte und linker Kämpfe.

Klasse gegen Klasse

Durch den Vorstoß von DFL und DFB, fünf Bundesligaspiele pro Saison sonntags um 13:30 Uhr stattfinden zu lassen, zeichnet sich ein Klassenkampf ab. Der Sonntagmittag gehört traditionell den Amateurvereinen. Die meist ohnehin klammen Vereine in den unteren Spielklassen sind auf Zuschauer*innen angewiesen, bedeuten sie zum einen eine – wenn auch geringe – Einnahmequelle, zum anderen aber Werbung für den Sport als auch für den Verein. Nicht selten werden bei einem Getränk an der Seitenlinie neue Mitgliedschaften abgeschlossen oder Begeisterungen für die aktive Partizipation im Verein über Generationen weitergereicht.

Wenn Spiele der 1. Bundesliga fortan zeitgleich mit Spielen der Amateurmannschaften stattfinden, könnte das zu einem Schwund der Zuschauer*innen in den unteren Ligen führen. Kampagnen vom DFB à la „Unsere Amateure. Echte Profis.“ werden damit ihrer Scheinheiligkeit überführt. Mit dem Plan, Spieltage zu entzerren, sollen mehr Menschen vor den Fernseher gelockt und dadurch mehr Fernsehgelder generiert werden – zu Gunsten der ohnehin reichen Clubs der oberen Ligen.

Eine linksradikale Szene muss sich daher mit den Fans und Vereinen der unteren Ligen gegen DFL und DFB solidarisieren. Im Gegensatz zu DFL und DFB sind sie es nämlich, die statt heuchlerischer „Not to racism“-Kampagnen aktiv einen diskriminierungsfreien Raum schaffen wollen und damit auf Widerstände in den Verbänden stoßen. Das Anliegen linker Vereinsprojekte und Refugee-Teams ist durch die Pläne in Gefahr, aus der Öffentlichkeit gedrängt zu werden. Sie drohen ebenso wie andere Amateurclubs und damit auch die Jugendarbeit Zuschauer*innen und damit auch an Beachtung zu verlieren.

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