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Solidarität mit den Saisonkräften am Botanischen Garten!

Nach einem erfolgreichen Arbeitskampf müssen manche Kollegen am Botanischen Garten in Berlin um ihre Weiterbeschäftigung bangen. Die "Harten vom Garten" halten aber wie eh und je zusammen.

Solidarität mit den Saisonkräften am Botanischen Garten!

„Anna soll bleiben!“, steht auf den gelben Protestschildern – die gleiche Losung auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Spanisch. Außerdem: „Solidarität mit Saisonbeschäftigten!“
Rund 50 Kolleg*innen vom Botanischen Garten in Berlin versammelten sich am Donnerstag in ihrer Mittagspause vor dem großen Tropenhaus. Sie protestieren für ihre Kollegin Anna, die seit sechs Jahren am Einlass im Besucherservice arbeitet.

Zu Jahresbeginn wurden etwa 70 Beschäftigte einer Tochterfirma in den Botanischen Garten und in die Freie Universität wieder eingegliedert. Das war Ergebnis eines jahrelangen Arbeitskampfes für gleiches Geld für gleiche Arbeit. Außen vor blieben jedoch rund 20 Kolleg*innen, die als Saisonkräfte für nur acht Monate im Jahr angestellt sind. Im Winter müssen sie immer wieder bangen, ob sie ab März an ihre Arbeitsplätze zurückkehren dürfen.

Anna hatte sich auf drei neu ausgeschriebene und unbefristete Stellen im Besucher*innenservice beworben. Genommen wurden jedoch externe Bewerber*innen. Der Grund? Angeblich lag es an den mangelnden Sprachkenntnisse der gebürtigen Italienerin. Dabei kann Anna den Besucher*innen auf Deutsch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch Auskunft geben. „Unter prekären Bedingungen war sie jahrelang gut genug“, sagt eine Kollegin. „Aber für eine Festanstellung reichen ihre Sprachkenntnisse nicht?“ Ein anderer Kollege meint: „Es muss Konsequenzen haben, dass es in einer internationalen Einrichtung zu diesem klar diskriminierenden Vorfall gekommen ist. Anna spricht lediglich mit Akzent und wir verstehen sie sehr gut.“

Erst durch Druck des Personalrats des Botanischen Gartens bekam sie dieses Jahr wieder eine Einstellung als Saisonkraft. Ob sie im kommenden Jahr wieder arbeiten darf, weiß nur das Präsidium der Freien Universität. Die ver.di-Betriebsgruppe der FU hat eine Petition für die Weiterbeschäftigung aller Saisonkräfte gestartet. In anderen botanischen Gärten in Deutschland gibt es bereits das Modell, dass Saisonkräfte feste und unbefristete Verträge bekommen.

Das ist nicht die einzige Schikane, die zur Zeit gegen die Belegschaft des Gartens läuft. So berichtete der Personalrat des Botanischen Gartens, dass das Präsidium dabei ist, die Dienstelle zu demontieren, indem Tätigkeiten ohne Absprache mit dem Personalrat aus dem Verantwortungsbereichs des Botanischen Gartens herausgelöst werden. Das Ziel sei die Demontage des Personalratsgremiums. Die „Harten vom Garten“ haben es als bisher einzige Belegschaft eines Berliner Landesunternehmens geschafft, die Wiedereingliederung einer Tochterfirma in den Mutterkonzern zu erkämpfen. Ähnliche Arbeitskämpfe bei den Krankenhäusern Charité und Vivantes konnten dieses Ziel hingegen noch nicht durchsetzen. Einige befürchten, es gehe darum, an den Kolleg*innen vom Garten ein Exempel zu statuieren: Selbst wenn sie ein Zugeständnis gewinnen können, wird das Land Berlin an ihnen Rache nehmen. Andere hoffen, dass der Senat regulierend eingreift.

Der Berliner Senat – aus SPD, Linkspartei und Grünen – hat im Wahlkampf und im eigenen Koalitionsvertrag versprochen, dass in landeseigenen Tochterunternehmen Tariflöhne bezahlt werden sollen. Nach zwei Jahren ist jedoch nichts passiert – Niedriglöhne gibt es weiterhin bei der BVG, der Charité, Vivantes usw. Wenn die Senatsparteien ihre Glaubwürdigkeit bei den Beschäftigten nicht verlieren wollen, müssen sie sich auch für die Kolleg*innen am Garten einsetzen.

Die „Harten vom Garten“ bleiben bei der Haltung, die ihnen schon mal Erfolg gebracht hat: Solidarität. Öffentlichkeit. Politischer Druck.

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