Jugend

“Silvester zum Knast” in Berlin: Mehr denn je nötig

Die „Silvester-zum-Knast”-Demo ist mehr als eine gute linke Tradition. Sie zeigt, dass wir auch an Momenten kollektiven Feierns an die unsere Genoss*innen denken müssen, die hinter Gittern sitzen.

Sie ist die let­zte Demo des Jahres und zu einem Zeit­punkt, wo der Rest der Gesellschaft wohl nichts mehr von Poli­tik wis­sen will. Doch die Demo, die um 23 Uhr begin­nt, ist mit­nicht­en eine unwichtige Ran­der­schei­n­ung. Sie ist vielmehr der Beweis, dass wir niemals die Genoss*innen vergessen, die vom Staat einges­per­rt und ihrer Frei­heit beraubt wur­den. Einges­per­rt in Gefäng­nisse, die per­fekt zum kap­i­tal­is­tis­chen Aus­beu­tungssys­tem passen, weil sie eine Sym­biose aus Aus­beu­tung und Unter­drück­ung darstellen. Denn die Men­schen, die in Gefäng­nis­sen sitzen, wer­den auch als arbei­t­en­den Men­schen mas­siv aus­ge­beutet. Fol­gerichtig heißt es auch im Aufruf:

Auch am Ende diesen Jahres wollen wir wieder ein kraftvolles Zeichen der Sol­i­dar­ität set­zen: mit den Men­schen, welche Geset­ze und bürg­er­liche Nor­men gebrochen haben, deswe­gen von der Jus­tiz wegges­per­rt und in den Betrieben der Knäste unter den prekärsten Bedin­gun­gen aus­ge­beutet wer­den.

Zum The­ma Aus­beu­tung von Gefan­genen deckt die Gefan­genen-Gew­erkschaft / Bun­desweite Organ­i­sa­tion (GG/BO) immer wieder erschreck­ende Skan­dale auf, die dieses men­schen­ver­ach­t­en­den Kon­strukt zeigen und dabei offen­baren, dass

Knäste der BRD betrieb­swirtschaftlich organ­isiert [sind], Werk­shallen [gleichen]in denen Prof­ite auf Kosten der Gefan­genen gemacht wer­den. Während arbei­t­ende Gefan­gene etwa 1–2 Euro die Stunde für ihre Knas­tar­beit ver­di­enen, bere­ich­ern sich große Konz­erne wie Mer­cedes, Porsche, BMW aber auch lan­de­seigene Behör­den, wie zum Beispiel das Berlin­er Abge­ord­neten­haus an der Niedriglohnin­sel Knast.

Das sind mehr als gute Gründe, um auch Sil­vester auf der Straße aktiv zu sein und laut­stark zu protestieren. Und so kamen etwa 200 Men­schen in Moabit nahe der JVA zusam­men, um eine let­zte kämpferische Demo im Jahr 2017 zu organ­isieren. In Parolen wurde die Freilas­sung aller poli­tis­chen Gefan­genen gefordert, sowohl in Deutsch­land als auch inter­na­tionale, wie im Basken­land oder in Palästi­na, wo die 16-jährige Ahed Tami­mi vom zion­is­tis­chen Besatzungsregime fest­ge­hal­ten wird.

Weit­er­hin wurde aber auch auf die Ille­gal­isierung von Geflüchteten aufmerk­sam gemacht, die par­al­lel eben­falls als entrechtete Lohnarbeiter*innen entwed­er dabei krim­i­nal­isiert oder beson­ders prekär aus­ge­beutet wer­den. All das zeigt, dass die Kämpfe für die Freilas­sung der poli­tis­chen Gefan­genen, der Rechte der Geflüchteten und die Arbeiter*innenbewegung miteinan­der ver­bun­den wer­den müssen.

Als sodann die Demo die JVA erre­ichte, gab es fliegende Raketen auf ein Gebäude, was aus dem Kaiser­re­ich stammt und ein Exem­pel an Unter­drück­ung darstellt. Die Berlin­er Polizei wollte zwar eine pyrotech­nikfreie Zone an Sil­vester… doch all das nützt nichts! Pünk­tlich zu Mit­ter­nacht fand die laute Abschlusskundge­bung statt, in der den Gefan­genen unsere Sol­i­dar­ität gezeigt wurde.

Ein Video-Ein­druck der Demo:

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