Jugend

“Sie standen direkt davor”

Am 27. April, haben 4.000 Berliner Jugendliche an einem Schul- und Unistreik gegen Rassismus teilgenommen. Doch an der Käthe-Kollwitz-Oberschule in Prenzlauer Berg haben Lehrer*innen und Polizist*innen das Tor blockiert. Ein Interview mit Richard und Luise (Namen geändert) von der Käthe-Kollwitz-Oberschule.

Wie habt ihr den Schul­streik am 27. April erlebt?

Richard: Um 9:30 Uhr wollte ich zum Streik gehen. Doch am Tor standen ein paar Lehrer*innen und der Haus­meis­ter. Sie haben uns daran gehin­dert, aus dem Tor rauszuge­hen, denn sie standen direkt davor. In der Pause war fast die gesamte Schüler*innenschaft da und wollte raus. Als der Unter­richt wieder anf­ing, gin­gen die Meis­ten wieder zurück ins Gebäude. Ein Schüler hat von außen das Tor geöffnet, aber er wurde weggeschub­st.

Luise: Mor­gens war ich bei der Kurt-Schwit­ters-Schule und es gab gute Stim­mung. Ver­schiedene Reden wur­den gehal­ten, wir hat­ten ein offenes Mikro. Mit ein­er Demon­stra­tion haben ver­schiedene Schulen besucht, dann kamen wir in die Dunck­er­straße. Wir hiel­ten auf der Brücke zwis­chen der Schlie­mann-Schule und der Koll­witz-Schule. Die Leute vom Schlie­mann schlossen sich begeis­tert der Demo an. Beim Koll­witz standen Lehrer*innen da und wir mussten selb­st hinge­hen.

Richard: Die Leute vom Schul­streik haben den Lehrer*innen zugerufen: “Schön, dass ihr den Schülern das Recht auf Bewe­gungs­frei­heit ver­wehrt!“ Aber die Lehrer*innen macht­en Aus­sagen wie: „Wir kön­nen euch nicht raus­lassen, denn wir haben die Auf­sicht­spflicht.” Let­z­tendlich bin ich über den Hin­ter­hof raus­gek­let­tert.

Luise: Durch den Lau­ti­wa­gen haben wir noch durchge­sagt, dass die Leute um 11 Uhr direkt zum Gesund­brun­nen kom­men kön­nen. Dann mussten wir weit­er ziehen. Der Rest der Demo ver­lief sehr gut mit Musik und poli­tis­chem Input. Ich finde es neben­bei immer komisch, dass uns nach einem Schul­streik immer vorge­wor­fen wird, dass wir nur schwänzen und Par­ty machen. Ja wir tanzen zwis­chen­durch, aber warum soll Poli­tik keinen Spaß machen? Auf jeden Fall schaf­fen wir es jedes Jahr wieder Schüler*innen nach­haltig für Poli­tik zu begeis­tern. An allen anderen Schulen wur­den wir fre­undlich­er emp­fan­gen als am Koll­witz. Trotz dieses Vor­falls zogen wir mit hun­derten Jugendlichen gut gelaunt zur Auf­tak­tkundge­bung am Gesund­brun­nen.

Dass Lehrer*innen so was pro­bieren, ist lei­der nicht zum ersten Mal passiert. Aber vor eurem Schul­tor stand auch die Bere­itschaft­spolizei. Wie kam es dazu?

Luise: Das ist nicht so ganz klar. Beim let­zten Schul­streik hat unsere Schullei­t­erin mit Fehlt­a­gen und Sech­sen gedro­ht. Dieses Mal haben wir ver­sucht, mit ihr zusam­men­zuar­beit­en. Aber ein paar Tage davor hat sie einen Zettel aus­ge­hängt: “Kon­se­quen­zen bei Teil­nahme an einem Schüler­streik” – ziem­lich het­zerisch. Als Gegen­maß­nahme haben wir einen Eltern­brief geschrieben und am Tag vorher verteilt. Wir kön­nen also nur mut­maßen, woher die Bere­itschaft­spolizei kam.

Wie ging es nach dem Streik weit­er?

Richard: Ganz nor­mal. Die Streik­enden haben ihre Sech­sen und Fehlt­age bekom­men. Das war es.

Wie engagiert ihr euch?

Richard: Ich gehe weit­er­hin für meine Überzeu­gun­gen auf die Straße. Wir organ­isieren eine Vol­lver­samm­lung, wo wir das The­ma Schul­streik noch ein­mal erwäh­nen möcht­en.

Luise: Wir sind ger­ade dabei, eine Gruppe an unser­er Schule zu grün­den. Neben der Vol­lver­samm­lung geht es auch am generellen poli­tis­chen Engage­ment an unser­er Schule.

Käthe Koll­witz ist ja eine Kom­mu­nistin, die auch eigen­ständi­ge kom­mu­nis­tis­che Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen tatkräftig unter­stützte. Ist das The­ma an der nach ihr benan­nten Schule?

Luise: Nein. Also ihr Bild hängt an eini­gen Wän­den, und über dem Ein­gang ist ein unvoll­ständi­ges Zitat von ihr, aber im Unter­richt ist das noch nie aufge­taucht. Bis ich mich selb­st damit beschäftigt habe wusste ich nicht mal wer sie ist. Wir wür­den bei­de erwarten, dass unsere Schule uns in allen unseren Inter­essen ver­sucht zu unter­stützen und nicht von vorn­here­in bei jeglichem poli­tis­chen Engage­ment abblockt.

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