Deutschland

Sie klauen uns die Butter vom Brot und das Pesto aus den Nudeln

Die Lebensmittelpreise steigen scheinbar unaufhaltsam, genauso wie die Not der Bevölkerung.

Sie klauen uns die Butter vom Brot und das Pesto aus den Nudeln
Drazen Zigic/shutterstock.com

Die Herrschenden klauen uns nicht nur die Butter vom Brot, sondern auch das Pesto von den Nudeln. Dass die Lebensmittelpreise scheinbar unaufhaltsam in die Höhe schießen, sieht man ganz besonders, wenn man Samstagabend kurz vor Ladenschluss in einen Supermarkt geht. Die Regale sind oben, wo die teuren Produkte stehen, gut gefüllt. Kaum etwas ist ausverkauft. Ein gänzlich anderes Bild zeichnet sich bei den billigeren Produkten unten, sowie allen reduzierten Waren ab. Nudeln für unter einen Euro sucht man vergeblich. Möhren, Tomaten, Paprika und Gurken findet man nur noch in der teuersten Variante, allerdings sind diese gut gefüllt. Der Rest ist ausverkauft. Billige Sachen sucht man vergeblich. 

Die Not in der einfachen Bevölkerung durch die deutlich gestiegenen Lebensmittelpreise ist real. Das bestätigt unsere Leser:innenumfrage auf Instagram. Auch, wenn sie wissenschaftlichen Anforderungen sicher nicht genügt, verdeutlicht sie dennoch ganz gut, welche Probleme in der nicht so gut betuchten Bevölkerung besteht. “Nudeln waren mal bei 49 Cent”, schreibt ein Leser. Heute kosten sie oft einen Euro oder mehr. Auch Fleisch, Ofenkäse, Butter, Milch und andere tierische Produkte sind deutlich teurer geworden: “Vegetarische Maultaschen kosten jetzt 2 Euro, vor einem Jahr noch 1,30 Euro.” Doch auch vegane Ersatz-Produkte, Obst und Gemüse, Haferflocken und Brot sind merklich teurer geworden. Selbst bei Hygieneprodukte, Kaffee oder Proteinpulver merkten unsere Leser:innen einen Preisanstieg.  

Woher das Geld für die Teuerung kommen soll, wissen viele nicht. An Marken- und Bio-Produkten wird zuerst gespart. Auch Dinge, die man sich früher gerne gegönnt hat, wie Pistazien, Lammfleisch, Käse von der Theke oder hochwertiger Kaffee, fallen für viele weg. Selbst an Obst und Gemüse, was zwar unbedingt zu einer gesunden Ernährung gehört, müssen viele sparen. Doch auch über den Supermarkteinkauf hinaus, müssen wir zurückstecken. Vor allem ein Besuch im Museum, Kino oder von Konzerten ist nicht mehr drin. Auch in Restaurants oder bei Schnellimbissen zu essen, ist für viele zu teuer geworden. Selbst etwas vermeintlich einfaches und preisgünstiges wie ein Döner kostet mittlerweile fast überall über fünf Euro. Die Preise steigen in der Gastronomie, bestätigt auch eine Person, die dort arbeitet: “Pommes kosten jetzt fünf Euro bei uns, davor 3 Euro.” 

Um 33,50 Euro ist ein durchschnittlicher Wocheneinkauf für unsere Leser:innen teurer geworden. Das sind über 120 Euro im Monat, die viele nicht so einfach haben. Eine Leserin schreibt: “150 Euro Einkaufsbudget reichen jetzt noch für zwei Wochen, vorher gute vier Wochen.” Auch Mehrpersonenhaushalte nagen so langsam am Hungertuch. Der Einkauf für mehrere Personen auf einmal frisst gefühlt exponentiell mehr vom Lohn weg. 

Kein Wunder, dass so viele nur noch reduzierte Butter und die billigsten Tomaten kaufen. Manche Linke rufen daher zum Klauen und Verteilen auf. Sicherlich ist es moralisch total verständlich, dass Leute ihre Mägen füllen wollen, allerdings wäre es falsch, aus individuellem Diebstahl eine politische Strategie zu machen. Vor allem unterdrückte Menschen können es sich noch weniger leisten, beim Klauen erwischt zu werden, angesichts der möglichen Repressionen. Es reicht auch nicht, dass jedes Viertel das für sich macht. Das mag in manchen Bezirken von Berlin funktionieren, aber es ist keine Lösung, die die Situation für die gesamte Bevölkerung verbessert. Wir brauchen auf die kollektive Not eine Antwort, die auch alle Menschen in einem gemeinsamen Kampf vereint. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch die Gewerkschaften mit ihren Millionen Mitgliedern sich dafür einsetzen, dass die Löhne um mindestens das Niveau der Inflation angehoben werden. Der Aufwärtsspirale der Lebensmittelpreise muss durch Preisstopps ein Ende gesetzt werden. 

 

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