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Ryanair-Streik: Arbeiter*innen drohen mit europaweitem Widerstand gegen Niedriglöhne und Leiharbeit

Ryanair hat sich zum Symbol eines neoliberalen Kapitalismus entwickelt, bei dem Niedrigpreise für Verbraucher*innen auf Kosten der Über-Ausbeutung der Arbeiter*innen erzielt werden. Besonderer Feind dieses Geschäftsmodells: die Gewerkschaften. Nun haben sich Ryanair-Beschäftigte aus mehreren Ländern organisiert und kämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Ryanair-Streik: Arbeiter*innen drohen mit europaweitem Widerstand gegen Niedriglöhne und Leiharbeit

Streiks bei Ryanair – sollte das ver­wun­dern? Tat­säch­lich han­delte es sich mit der Streikankündi­gung der Vere­ini­gung Cock­pit (VC) bei Ryanair um ein Novum. Dabei ist die Liste der Missstände in der irischen Flugge­sellschaft beson­ders lang und Ausstände gab es an Flughäfen in den let­zten Jahren auch häu­fig.

Immer wieder hat­ten vor allem die Sparten-Gew­erkschaften Unab­hängige Flug­be­gleit­er Organ­i­sa­tion (Ufo) und VC mit Streiks für bessere Arbeits­be­din­gun­gen gekämpft und den sturen Fluglin­ien Mil­lio­nen-Ver­luste zuge­fügt. Das ist kein Wun­der, denn ihre Mil­liar­den-Gewinne basieren nicht nur auf kon­junk­turellen Fak­toren wie niedri­gen Ölpreisen, son­dern auf der zunehmenden Prekarisierung ihrer Beschäftigten. Out­sourc­ing, Lei­har­beit, Über­stun­den und Lohnsenkun­gen – all das ist All­t­ag in der Luft­fahrt-Indus­trie.

Doch während die Streiks vor allem tra­di­tionelle Konz­erne wie Lufthansa oder Air France trafen, blieb der rel­a­tive New­com­er, der wie kein ander­er für die Über-Aus­beu­tung von Pilot*innen und Flugbegleiter*innen zugun­sten der Prof­ite der Konz­ern­spitze ste­ht, davon ver­schont.

Arbeitskampf trotz Schikane der Bosse

Erst Mitte dieses Jahres hat­te Ryanair durch die Stre­ichung zahlre­ich­er Flüge für Aufre­gung gesorgt. Grund war der große Man­gel an Pilot*innen – viele hat­ten die Bil­ligfluglin­ie auf­grund von niedri­gen Löh­nen und unsicheren Arbeitsver­hält­nis­sen ver­lassen. Doch dabei han­delt es sich um kein neues Phänomen. Keine Lohn­zahlung im Krankheits­fall, fehlende Altersvor­sorge, keine fes­ten Dien­st­pläne – all das gehört zur DNA des Ryanair-Geschäftsmod­ells.

Was bei Ryanair den organ­isierten Protest der Arbeiter*innen erschw­ert hat, war die offen gew­erkschafts­feindliche Poli­tik der Geschäfts­führung um den Boss Michael O’Leary, der sich immer wieder abfäl­lig gegenüber Gew­erkschaften geäußert hat­te. Wenn sich Pilot*innen und andere Kolleg*innen organ­isierten, wur­den sie mit Schika­nen aus dem Betrieb gedrängt. Wieder ein­mal zeigt sich, dass Union Bust­ing und Prekarisierung Hand in Hand gehen.

Doch allein die Schikane der Bosse kon­nte die Organ­isierung der Arbeiter*innen nicht ver­hin­dern. So haben sich die Ryanair-Beschäftigten der Gew­erkschaft IALPA am Haupt­stan­dort in Dublin für Arbeit­skampf-Maß­nah­men aus­ge­sprochen. Darauf fol­gte die Ankündi­gung von Streiks durch VC in Deutsch­land, wo ins­ge­samt 400 Pilot*innen sta­tion­iert sind. Genaue Ter­mine wur­den noch nicht genan­nt, um den Ein­satz von Streikbrecher*innen und anderen Tak­tiken der Geschäft­sleitung zu ver­hin­dern.

Europaweite Aktionen

Klar ist, dass es schon bald zu europaweit koor­dinierten Aktio­nen der Pilot*innen bei Ryanair kom­men kön­nte. Die einzel­nen Gew­erkschaften kämpfen für nationale Tar­ifverträge, wobei ein Vor­bild der Tar­ifver­trag bei Tui­fly ist, bei dem alleine die durch­schnit­tliche Ent­loh­nung 30 Prozent über der von Ryanair liegt. Neben Verbesserun­gen von Löh­nen, Sozialver­sicherun­gen und geregel­ten Schicht­plä­nen fordern die Arbeiter*innen ein Ende der Lei­har­beit und der Schein­selb­st­ständigkeit. Viele Pilot*innen wer­den nicht bei Ryanair angestellt, son­dern dazu verpflichtet, ihr eigenes Unternehmen zu grün­den.

Wie das Beispiel von Ama­zon zeigt, wo die Arbeiter*innen an den deutschen Stan­dorten schon seit mehr als vier Jahren für einen Tar­ifver­trag und die Anerken­nung der Gew­erkschaft als Ver­hand­lungspart­ner kämpfen, wird es kein kurz­er Kampf sein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Arbeiter*innen frühzeit­ig Verbindun­gen mit kämpferischen Sek­toren ander­er Fluglin­ien suchen und die größt­mögliche Geschlossen­heit der Beschäftigten bei Ryanair her­stellen. In einem solchen Fall kann ein kämpferisch geführter Arbeit­skampf gegen das Geschäftsmod­ell von Ryanair und Co., das auf der Prekarisierung und Über-Aus­beu­tung basiert, erfol­gre­ich sein und große Ausstrahlungskraft ent­fal­ten.

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