Jugend

Red Brain Nr. 2: Auf zum Schulstreik!

Red Brain Nr. 2: Auf zum Schulstreik!

Red Brain ist eine linke, antikap­i­tal­is­tis­che Schü­lerIn­nen­zeitung, die von ein­er unab­hängi­gen Schü­lerIn­nen­gruppe (in Zusam­me­nar­beit mit RIO) am John-Lennon-Gym­na­si­um in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Die Aus­gabe gibt es als PDF, die einzel­nen Artikel gibt es unten:

Diesen Donnerstag (9. Juni), 12.30 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz

Es ist mal wieder soweit: Schul­streik!

Die Gew­erkschaft der LehrerIn­nen (GEW) ruft zur Demon­stra­tion gegen die Über­las­tung der LehrerIn­nen an Berlin­er Schulen auf. Dies­mal schließen sich die Schü­lerIn­nen an. Zusam­men gehen wir gegen die schlecht­en Bedin­gun­gen an den Schulen auf die Straße. Bei den Schul­streiks der let­zten Jahre sind die gemein­samen Demos nicht wirk­lich gelun­gen – dies­mal soll­ten wir die Chance nutzen, um ein klares Zeichen zu set­zten!

Beim let­zten LehrerIn­nen­streik im April sind 6.000 LehrerIn­nen trotz enormer Dro­hun­gen vom Bil­dungsse­n­a­tor Zöll­ner auf die Straße gegan­gen. Jet­zt soll­ten wir diesen Erfolg fort­set­zten. Gegen die Ver­suche der Schulleitung, des Sen­ats oder manch­er LehrerIn­nen, uns vom Streiken und Demon­stri­eren abzuhal­ten, soll­tet Ihr Euch daran erin­nern, dass im Grundge­setz sehr weit vorne die Mei­n­ungs- und Ver­samm­lungs­frei­heit fest­geschrieben sind.

An unser­er Schule haben sich in den let­zten Wochen Schü­lerIn­nen zum Streikkomi­tee getrof­fen. Diese Schü­lerIn­nen tre­f­fen sich am Don­ner­stag, den 9.Juni, in der Pause um 11:20 Uhr vor der Schule, um gemein­sam zur Demo am Rosa Lux­em­burg Platz zu gehen.

Kommt und schließt euch ihnen an, um gemein­sam Druck für bessere Bil­dung zu machen! Schüler und Schü­lerin­nen, Lehrer und Lehrerin­nen: Lasst uns zusam­men für bessere Bil­dung auf die Straße gehen!

Eure Red Brain-Redak­tion

Für wen ist das Schulsystem da?

Kennst du das nicht auch? Früh um 7 Uhr klin­gelt Dein Weck­er und Du quälst Dich in die Schule, um dann 8 Stun­den lang in über­füll­ten Klassen und mit über­forderten LehrerIn­nen dem Leis­tungs­druck standzuhal­ten. Du musst dir sofort jedes The­ma merken und am Besten für immer im Kopf behal­ten. Wer zurück bleibt, hat halt Pech gehabt.

Nach der Schule geht der Stress weit­er mit Hausauf­gaben machen oder für Tests und Arbeit­en büf­feln. Das ist ja auch notwendig, um nicht „später Hartz 4 zu bekom­men“, wie Dir die LehrerIn­nen immerzu einre­den wollen. Dann wird auch noch zusät­zlich der Leis­tungs­druck erhöht und die Abiturzeit von 13 auf 12 Jahre verkürzt. Her­zlichen Dank auch!

Wie das Wort Schulpflicht schon sagt, ist es eine Pflichtver­anstal­tung, die bei den meis­ten Wider­willen, Stress und Frust her­vor­ruft. Meist bleibt wenig Zeit für die Weit­er­bil­dung eigen­er Tal­ente oder Inter­essen. Stattdessen set­zen wir uns mit The­men auseinan­der, die wir uns nicht aus­ge­sucht haben. Obwohl wir ange­blich zu mündi­gen Bürg­erIn­nen erzo­gen wer­den, macht uns die Schule unmündig.

Gegliedertes Schul­sys­tem

Die Konkur­renz um Jobs, Stu­di­en­plätze und Noten ver­schärft sich immer weit­er.

An Sekun­darschulen hat fast keine/r mehr eine gute Per­spek­tive, da unser Schul­sys­tem so aufge­baut ist, dass ein Auf­stieg von ein­er Sekun­darschule (7–10 Klasse, MSA) zu einem Gym­na­si­um oder zu ein­er Uni­ver­sität sehr schwierig ist. Den Schü­lerIn­nen mit einem MSA bleibt dann häu­fig nur übrig, im späterem Leben als bil­lig Lohnar­bei­t­erIn­nen aus­ge­beutet zu wer­den.

Dies ist alles nur möglich, weil wir in Berlin nach der 4. Klasse bzw. der 6. Klasse in Sekun­darschulen oder Gym­nasien aufgeteilt wer­den. Dabei sind die Schü­lerIn­nen zwis­chen 8 und 12 Jahre alt und haben deswe­gen noch kein Mitentschei­dungsrecht. Das Ergeb­nis dieser Teilung ist oft vom Einkom­men der Fam­i­lie abhängig. Die Zahlen der PISA-Studie bele­gen, dass die soziale Schicht und die Frage, ob ein Kind Migra­tionsh­in­ter­grund hat, entschei­den­den Ein­fluss auf die Bil­dung haben.

Bil­dung im Kap­i­tal­is­mus

Auch in unser­er Schule sehen wir, dass die Schulpoli­tik zu Las­ten von Schü­lerIn­nen und LehrerIn­nen geht. Und wer prof­i­tiert am Ende davon?

Im Bil­dungssys­tem mis­chen sich immer mehr Konz­erne ein: Sie grün­den Pri­vatschulen und sind durch „Spon­sor­ing“ auch an staatlichen Schulen dabei.

Doch das Prob­lem geht tiefer. Denn das Bil­dungssys­tem ist nicht von der Gesellschaft zu tren­nen. Wir leben in ein­er kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft, in der die große Mehrheit arbeit­et, um Prof­ite für eine kleine Min­der­heit zu schaf­fen.

Der Kap­i­tal­is­mus braucht deswe­gen Lern­fab­riken, in denen wir auf den Arbeits­markt „vor­bere­it­et“ wer­den – was nichts anderes heißt, als dass wir zu unter­wür­fi­gen Arbei­t­erIn­nen geformt wer­den. Dazu wer­den wir von klein auf zu Leis­tungs- und Konkur­ren­z­denken erzo­gen. Das ist auch der Grund, warum das gegliederte Schul­sys­tem selek­tiert.

Wir sollen den Stoff auswendig ler­nen und am Besten niemals etwas hin­ter­fra­gen, so dass wir uns auch keine kri­tis­che Mei­n­ung zu diversen The­men bilden kön­nen. Denn LehrerIn­nen sind vom Staat ver­traglich dazu verpflichtet, sich an den Lehrplan zu hal­ten, der ihnen von oben vorgegeben wird, und alle an der „ kurzen Leine“ zu hal­ten, die sich dage­gen aussprechen.

Deswe­gen sollte Kri­tik am Schul­sys­tem immer eine Kri­tik am kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem sein. Und wir soll­ten uns selb­st bilden, damit wir einen Beitrag zur Über­win­dung dieses Sys­tem leis­ten kön­nen.

DDR = Kommunismus?

Seit einiger Zeit liegt es mir auf dem Herzen, diesen Text zu schreiben, weil mich das The­ma sehr ankotzt. Ich schätze mal, es han­delt sich hier um staatliche Pro­pa­gan­da in der Schule und im all­ge­meinem Sprachge­brauch.

Und zwar war die DDR kein „Kom­mu­nis­mus“, wie es so oft behauptet wird. Wenn ich das dann sage, heißt es: Ja, aber sie war kom­mu­nis­tisch aus­gelegt. Auch diese These ist falsch.

Kom­mu­nis­mus ist eine Gesellschafts­form frei von Klassen, Staat und Eigen­tum – also auch frei von Dik­tatur. Die Deutsche Demokratis­che Repub­lik war, wenn über­haupt, sozial­is­tisch aus­gelegt: Offiziell hat die Arbei­t­erIn­nen­klasse über die anderen Klassen geherrscht. Die DDR war aber stal­in­is­tisch, da die Macht nicht durch Räte, die von den Arbei­t­erIn­nen frei gewählt wur­den, aus­geübt wurde und die Unternehmen nicht von Arbei­t­erIn­nen geleit­et wur­den. Die Arbei­t­erIn­nen ver­fügten nicht über notwendi­ge demokratis­che Frei­heit­en, um in den wichti­gen Fra­gen entschei­den zu kön­nen.

Ich will mit diesem Artikel nicht die Dik­tatur der DDR schützen, son­dern den Begriff des Kom­mu­nis­mus. Es wäre fast schon eine Belei­di­gung des Kom­mu­nis­mus, ihn mit der Gesellschafts­form der DDR gle­ichzuset­zen.

Naziaufmarsch in Kreuzberg

Am 14. Mai marschierten über 100 Neo-Nazis in Kreuzberg auf. Emp­fan­gen wur­den sie von 400 Gegen­demon­stran­tInnen. Eine heiße Sit­u­a­tion, sollte man meinen. Die anwe­senden PolizistIn­nen sahen dies jedoch anders. So mein­ten sie dann auch ein­fach wegse­hen zu kön­nen, als Dutzende Nazis austick­ten und Pas­san­tInnen sowie Gegen­demon­stran­tInnen angrif­f­en. Bilanz: Über 30 Ver­let­zte.

Die Polizei hielt minuten­lang die Füße still. Immer­hin gab es im Anschluss an die zwan­glose Prügelti­rade ja noch ein paar Ver­haf­tun­gen. Zumin­d­est bis Son­ntag-Mit­tag. Dann war auch das let­zte Braun­hemd wieder auf freiem Fuß.

John Lennon = Revolutionär?

Natür­lich ken­nt jed­eR von Euch John Lennon als Sänger der Bea­t­les. Viele wis­sen auch, dass er ein sehr poli­tis­ch­er Men­sch war.

Aber nur wenige von Euch wer­den wis­sen, dass Lennon jahre­lang vom MI5 (britis­ch­er Geheim­di­enst) und FBI (US-amerikanis­che Bun­de­spolizei) auss­pi­oniert wurde. Im Haup­tquarti­er des FBI wur­den 10 Ord­ner über John Lennon gesam­melt.

Nach­dem Lennon in die USA zog, beauf­tragte der dama­lige US Präsi­dent Nixon das FBI, John Lennon und auch Yoko Ono auszus­pi­onieren, um einen Grund zu find­en, Lennon aus den USA abzuschieben. So ver­fol­gte das FBI die bei­den unter anderem in irischen Bars in New York, wo für die linke Unab­hängigkeits­be­we­gung IRA (Irish Repub­lic Army) Geld gesam­melt wurde.

In den Unter­la­gen des FBI find­en sich unter anderem Doku­mente, die ange­blich beweisen, dass John Lennon z.B. 46.000 Pfund an ver­schiedene linke Grup­pen und Parteien zahlte, unter anderem an die trotzk­istis­che Organ­i­sa­tion „Work­ers’ Rev­o­lu­tion­ary Par­ty“ und an das marx­is­tis­che Mag­a­zin „Red Mole“.

Lennon wurde auch auf diversen Demon­stra­tio­nen und Kundge­bun­gen auss­pi­oniert, wo seine Lied­texte, die er dort sang, Wort für Wort von FBI-Spi­o­nen mit­geschrieben wur­den.

In den Doku­menten ste­ht auch, dass er auf ein­er Lon­don­er Kundge­bung für die IRA ein Schild hoch hielt, auf dem zu lesen war: „Sieg für die IRA über den britis­chen Impe­ri­al­is­mus“.

Nach dem Bloody Sun­day in Nordir­land, wo 14 Men­schen auf ein­er Demon­stra­tion von der britis­chen Armee erschossen wur­den, proklamierte Lennon: „Wenn es eine Wahl zwis­chen der IRA und der britis­chen Armee gibt, dann bin ich auf Seit­en der IRA“.

Deswe­gen finde ich, dass wir John Lennon nicht nur als Sänger und Namensge­ber unser­er Schule, son­dern auch als rev­o­lu­tionären Linken sehen soll­ten.

Zitat des Monats…

Lerne das Ein­fach­ste! Für die,

Deren Zeit gekom­men ist,

Ist es nie zu spät!

Lerne das ABC, es genügt nicht, aber

Lerne es! Laß es dich nicht ver­drießen!

Fang an! Du mußt alles wis­sen!

Du mußt die Führung übernehmen. (…)

Scheue dich nicht, zu fra­gen, Genosse!

Laß dir nichts einre­den,

Sieh sel­ber nach!

Was du nicht sel­ber weißt,

Weißt du nicht.

Prüfe die Rech­nung,

Du mußt sie bezahlen.

Lege den Fin­ger auf jeden Posten,

Frage: wie kommt er hier­her?

Du mußt die Führung übernehmen.

Bertolt Brecht, „Lob des Ler­nens“

Termine

* Diskus­sionsver­anstal­tung zu den Protesten im Spanis­chen Staat:
Ende Juni in Kreuzberg – mehr Infos bald auf www.revolution.de.com

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