Jugend

Red Brain Nr. 16: Für eine linke Schü­le­rIn­nen­gruppe!

Red Brain Nr. 16: Für eine linke SchülerInnengruppe!

Red Brain ist eine linke, antikapitalistische SchülerInnenzeitung, die von einer unabhängigen SchülerInnengruppe (in Zusammenarbeit mit RIO) am John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte her­ausgegeben wird. Die Ausgabe gibt es als PDF, die einzelnen Artikel gibt es unten:


Für eine linke Schü­le­rIn­nen­gruppe!

Red Brain und das Aktionskomitee existieren seit gut 2 Jahren und haben sich innerhalb der SchülerInnenschaft einen hohen Grad an Bekanntheit erarbeitet. Dies liegt daran, dass wir versuchen, täglich über die Missstände in der bestehenden Ordnung aufzuklären und eine Perspektive hin zu einem neuen System aufzuzeigen.

Wir haben uns schon immer für die Rechte der Unterdrückten weltweit eingesetzt und Streikende aktiv unterstützt. Wir haben mit bei der Organisierung der Bildungsstreiks in den vergangenen Jahren mitgewirkt, weil wir dagegen kämpfen, dass man uns – genauso wie die LehrerInnen – mit immer mehr Stress belastet und wir immer geringere Chancen auf ein lebenswertes Leben nach dem Abschluss haben. Dann geht es weiter mit der Normierung und Selektion – wir werden einer anderen Autorität untergeordnet: dem Chef.

Dieser Prozess der sich immer weiter verschlechternden Lebens- und Arbeitsbedingungen wird von der Regierung immer stärker vorangetrieben (von SPD genauso wie von CDU), von einer Regierung, die weltweit bei kriegerischen Interventionen dabei ist, als Waffenlieferant für Diktaturen aller Herren Länder bekannt ist und heute als Speerspitze der Kürzungspolitik in der EU für die Verarmung der südeuropäischen Massen schuld ist. Deshalb sollten wir nicht nur gegen den Abbau im Bildungssektor und gegen die Prekarisierung in Schule und Betrieb, sondern auch gegen die deutsche Regierung sein!

Wir wollen heute die Einheit von Arbeitenden und Lernenden, um gegen Lohnkürzungen, Entlassungen und Schließungen vorzugehen. Dies wollen wir mit dem Ziel eines demokratischen Systems, in dem SchülerInnen und LehrerInnen die Schulen demokratisch verwalten und die Betriebe von den ArbeiterInnen selbstverwaltet werden.

Doch um diese Ziele wirklich durchzusetzen, brauchen wir eine berlinweite linke SchülerInnengruppe, die diese und viele andere Probleme des Alltags in der kapitalistischen Gesellschaft, diskutiert und sich selbst verwaltet. Wir vom Aktionskomitee, Red Brain und auch der SchülerInnenzeitung Banana Republic wollen einen neuen Anlauf starten – und dazu brauchen wir dich! Nach den Ferien soll eine neue linke Schüler­Innengruppe gegründet werden. Wenn du Interesse daran hast, melde dich bei uns! Mensch kann zu den Treffen einfach vorbei kommen und mitdiskutieren oder auch erstmal nur zuhören.

Eure Red Brain-Redaktion

Auf zu den Flücht­lin­gen!

Vor etwa drei Monaten kam eine Freundin und ehemalige Schülerin unserer Schule zu mir mit der Idee, einen Flüchtling des Refugee-Protests in den Unterricht einzuladen. Sie stellte mir Nizar, einen Tunesier vor, der seit sieben Monaten in Deutschland lebt. Er war glücklich, jungen Menschen von seiner Situation zu erzählen, die viele Flüchtlinge teilen.

Die Organisation dafür war stressiger, als ich es mir vorgestellt hatte, und zwischendurch hatte ich Zweifel an der Sinnhaftigkeit. Doch als wir dann gemeinsam in einer neunten, mehreren zehnten Klassen und im ersten Semester saßen, war ich erstaunt, wie wenig die Menschen über den Refugee-Protest bescheid wissen und war erfreut über das große Interesse! Alle saßen gespannt da und haben zugehört, mitfühlend mit dem Schicksal, von dem sie in diesem Moment erfuhren.

Damit es nicht nur bei dem Interesse bleibt, gibt es hier einen Artikel, der euch aufmuntern soll, den Protest aktiv zu unterstützen. Wie ihr das tut?

Leset und Tuet!

Generell ist es einfach, zum Camp auf dem Oranienplatz (U8 bis Kottbusser Tor) zu gehen. Dort sind immer tolle Menschen da, mit denen mensch sich unterhalten kann und die sich über nette Gesellschaft freuen und Freude daran haben sich auszutauschen.

Sonst gibt es die regelmäßigen Schichten, die übernommen werden können. Die Schutz-Schichten nachts von null bis vier Uhr und von vier bis acht, bei denen ihr in zweier Trups und mit Walkie-Talkies ausgestattet im Camp nach dem Rechten schaut. Also, dass im Küchenzelt Ruhe ist und bei unerwünschtem Besuch (beispielsweise Bullerei) dem Info-Point bescheid gegeben wird oder ihm direkt sagt, dass sie unerwünscht sind…

Der Info-Point muss rund um die Uhr besetzt werden. Auch das sind vier Stunden Schichten, die ab 0 Uhr anfangen. Dann gibt es noch die Küchenschicht, bei der mensch von 7 bis 11 Uhr Frühstück und von 17 bis 21 Uhr Abendessen zubereitet. Dafür sollte am Tag davor im Camp vorbei geschaut werden, um zu sehen, welche Lebensmittel da sind, und um sich in den Schichtenplan einzutragen. Das mit dem Schichtenplan gilt auch für die anderen Schichten.

Alle drei Schichten im Camp kann mensch auch im Irving-Zola-Haus in der Ohlauerstraße erledigen. Als nämlich teilweise die Zelte im Camp unter den enormen Schneemassen zusammenbrachen, wurde in der Nähe eine leerstehende Schule besetzt. Dort ist es warm und es gibt fließendes Wasser. Die Besetzung ist bis März geduldet worden.

Alle Kinder aus dem Camp sind in die Schule umgezogen. Die kleinsten von ihnen werden betreut. Wer also ErzieherIn werden möchte, kann sich hier erproben. Die etwas Älteren können von der Schule abgeholt werden und dann sonst etwas spaßbereitendes mit ihnen unternommen werden. Für alle, die LehrerInnen werden wollen, können sich am Deutschunterricht oder Hausaufgabenhilfe versuchen.

Falls ihr keine Zeit haben solltet, um zu helfen, sind Lebensmittel, Brennholz, Holzpaletten (zum Betten bauen), Medikamente gegen Erkältung, Kinderwägen und Geld, das z.B. für BVG-Karten verwendet wird, hilfreiche Spenden. Oder ihr überredet eineN eurer LehrerInnen, eine Exkursion zum Camp zu machen. Es gibt viele, die das unterstützen würden!

Ansonsten gibt es bei den offenen Plena am Mittwoch um 17 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr nähere Informationen zu allem. Und jederzeit am Info-Point. Traut euch ruhig einfach mal vorbei zu schauen!

– von Lu Lita

Die NPD ver­bie­ten?

Die NPD soll verboten werden. Es ist eine interessante Diskussion, gibt es doch aus allen Lagern Stimmen für und gegen das Verbot. Auch im Politik- und Sozialunterricht werden wir häufig vor diese Frage gestellt.

Viele fordern, dass der Staat ein Zeichen gegen Rassismus setzen sollte, um klar zu machen: Wir kämpfen gegen Ausländerfeindlichkeit.

Doch es wirkt wie bitterer Hohn, wenn aus den gleichen Mündern, die diese Forderung aufstellen, Beschwerden über die „faulen Griechen“ und Gesetze, die AsylbewerberInnen das Leben schwer machen, kommen. Ein Zeichen ist diese Verbotskampagne auf jeden Fall, doch nur eines, das den NSU Skandal und die Verknüpfungen von Staat und Nazis verdecken soll. Dennoch, hätte es dieses Zeichen früher gegeben, hätte Enver Şimşek im September 2000 rufen können: „Verschwindet, der Staat hat Euch verboten!“ – mit Sicherheit wäre er nicht erschossen worden. Ein Zeichen alleine nützt den betroffenen Menschen leider nicht viel!

Trotzdem muss verhindert werden, dass eine Partei wie die NPD die Möglichkeit bekommt, die Demokratie von innen zu zerstören. Denn die Demokratie muss geschützt werden – oder?

Dafür müssen wir fragen: Was ist eigentlich diese Demokratie? Herrschaft des Volkes? Wie wir schon in anderen Artikeln beschrieben haben, ist das ein Trugschluss, denn de facto leben wir in einer Welt, die von jenen regiert wird, die das Geld haben. Wir leben also in der „Demokratie“ einer Minderheit, die die Mitbestimmung für über 90 Prozent der Bevölkerung von vornherein ausschließt. Durch die NPD wird diese Ordnung weder in Frage gestellt, noch durch das Verbot der NPD.

Trotzdem sollten Übergriffe von Faschisten verhindert werden – doch wir können uns dabei, wie die jüngste Verurteilung von Tim zeigt, nicht auf den Staatsapparat verlassen, der noch nicht mal die Möglichkeiten für einen besseren Schutz von MigrantInnen, ArbeiterInnen und Linken hat.

Die einzig effektive Lösung, Übergriffe zu verhindern, bleibt die Organisierung der ArbeiterInnen – einE einzigeR LokführerIn kann einen kompletten Nazi-Aufmarsch blockieren, was sonst nur tausende von DemonstrantInnen schaffen würden.

Ein NPD-Verbot löst also keine Probleme, aber könnte es nicht zumindest ein Schritt im Kampf gegen den Faschismus sein, dem weitere Aktionen folgen könnten?

Könnte man meinen, doch die FaschistInnen existieren nicht, weil die NPD existiert. Die Frage ist: Wo kommen die FaschistInnen her? Wenn wir uns die soziale Zusammensetzung der NPD-WählerInnen anschauen, wird deutlich: Vor allem jugendliche Arbeitslose und gering verdienende ArbeiterInnen, die in ihrem Leben keine Perspektive mehr sehen, werden von der extremen Rechten aufgefangen. Dass es solche Leute gibt, liegt nicht etwa daran, dass Menschen faul sind und nicht gerne arbeiten gehen, sondern daran, dass sie bei ihrer Arbeit einen hoffnungslos geringen Lohn erhalten – denn der gesamte „Arbeitsmarkt“ dient nur dem Profit einzelner.

Im Kampf gegen Faschismus können wir dem Staat also nicht vertrauen; nur die Selbstverwaltung, insbesondere der ArbeiterInnen, kann effektiv Nazis blockieren. Gleichzeitig können wir die NPD nur dadurch abschaffen, dass sie innerlich stirbt, und zwar durch Abschaffung des Problems, das Nazis überhaupt erst erzeugt. Den Nationalismus erfahren wir von klein auf, ebenso wie die Ausbeutung. Die Ursache dieser Probleme liegt also in der auf Nationalstaaten und Ausbeutung basierten Gesellschaft.

– von Nikola Kilar

Red Brain-Glos­sar:
F wie Fairtrade

Fairtrade – das ist gerade die Mode für alle Menschen, die sich gut fühlen wollen. Dabei denken die meisten Menschen, dass es den ArbeiterInnen gut geht, sie faire Löhne bekommen, sie humane Arbeitszeiten haben und nicht ausgebeutet werden.

Denkste!

Fair Trade ist nicht immer fair, denn die guten Löhne sind „Ansichtssache“. In diesem Falle die Ansicht der KapitalistInnen, die den Lohn festlegen. Oft wird nur ein sehr geringer Teil der Mehrkosten gegenüber Nicht-Fair-Trade-Produkten an die ArbeiterInnen und BauerInnen ausgezahlt. Außerdem ändert es sowieso nichts an der Tatsache, dass sie von den KapitalistInnen ausgebeutet werden, die die von ihnen hergestellten Waren verkaufen. Fair Trade oder nicht: die ArbeiterInnen bekommen nur einen Bruchteil des Wertes der produzierten Waren. Sie werden also immer noch ausgebeutet wie jedeR ArbeiterIn in diesem System. Sie bleiben ihr Leben lang abhängig von den KapitalistInnen, die die Waren der ArbeiterInnen gewinnbringend verkaufen.

Also was tun?

In dieser Wirtschaftsordnung ist es schwer, sich von der Abhängigkeit der „Arbeitgeber“ abzukapseln, und das Vertrauen an die Menschlichkeit der Fair-Trade-AnbieterInnen hilft auch wenig. Die einzige Möglichkeit ist es, sich selbst zu organisieren, die Produktion in die eigene Hand zu nehmen und das Land, das den KapitalistInnen, gehört selbst zu bewirtschaften. Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung statt Cash Crops für die Industrienationen anbauen, sie am lokalen Markt verkaufen und den Gewinn gänzlich unter den ArbeiterInnen zu verteilen.

Fairtrade ist nicht die Lösung des Problems, sondern ein Mittel der Konzerne, um sich ein „grünes“ Image zu verleihen. Faires Arbeiten kann es nur in einer Welt geben, in der die Arbeit demokratisch durch die ArbeiterInnen kontrolliert wird und sie nicht im Interesse der profitorientierten Konzerne geschieht.

– von Dave GFdRNdA

Zitat des Monats

Die ganze Geschichte der proletarischen Jugendbewegung in jedem Land zeigt, dass nur unabhängige, das heißt sich selbst verwaltende Jugendorganisationen kühne und entschlossene revolutionäre Kämpfer und scharfsinnige Organisatoren der proletarischen Revolution und Rätemacht entwickeln. – Kommunistische Jugendinternationale

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