Jugend

Red Brain Nr. 1: Gentrifizierung in Berlin

Red Brain Nr. 1: Gentrifizierung in Berlin

Red Brain ist eine linke, antikap­i­tal­is­tis­che Schü­lerIn­nen­zeitung, die von ein­er unab­hängi­gen Schü­lerIn­nen­gruppe (in Zusam­me­nar­beit mit RIO) am John-Lennon-Gym­na­si­um in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Die Aus­gabe gibt es als PDF, die einzel­nen Artikel gibt es unten:

SchülerInnen­zeitung – offen und ganz legal!

Wie ihr ja schon von der let­zten Aus­gabe wisst, ist Red Brain eine neue Schü­lerIn­nen­zeitung am John-Lennon Gym­na­si­um. Wir hof­fen, euch hat unsere „0.“ Aus­gabe gefall­en und ihr habt Bock, noch mehr von uns zu lesen. Da habt Ihr Glück gehabt, denn Red Brain gibt es jet­zt monatlich!

Wir wollen nochmals darauf hin­weisen, dass alles, was wir machen, legal ist. Wir sind keine offizielle Schü­lerIn­nen­zeitung, da wir nichts mit der Schulleitung abge­sprochen haben und auch nichts mit ihr absprechen wer­den.

Trotz­dem kann uns keines­falls ver­boten wer­den, diese Schü­lerIn­nen­zeitung auszuteilen. Und es wird auch keine Kon­se­quen­zen haben, wenn ihr uns Artikel sendet. Denn erstens wer­den diese völ­lig anonym veröf­fentlicht und zweit­ens vor der Schule aus­geteilt.

Hier kön­nen auch nicht nur gerne Schü­lerIn­nen son­dern auch LehrerIn­nen Artikel schreiben. Denn wir wis­sen, dass die Wut bei den LehrerIn­nen auch groß ist.

In diesem Sinne wür­den wir uns über eure Mitar­beit oder auch kon­struk­tive Kri­tik freuen. Dazu kön­nt ihr euch per Mail (red_brain@gmx.net) oder über Face­book (Red Brain) bei uns melden.

Eure Red Brain-Redak­tion

Gentrifizierung in Berlin

Gen­tri­fizierung ist zur Zeit das The­ma. Wenn ihr euch schon mal gefragt habt, warum der Gemüse­händler in eur­er Straße durch einen Modeshop erset­zt wurde oder der Sec­ond-Hand-Laden jet­zt aufein­mal ange­sagte Labels verkauft, kann man das auf die Gen­tri­fizierung zurück­führen.

Doch was ist das, Gen­tri­fizierung?

Gen­tri­fizierung ist ein Umstruk­turierung­sprozess in einem inner­städtis­chen Wohnge­bi­et. Dabei wer­den die Immo­bilien (Häuser) in einem ursprünglich ärm­licheren Vier­tel von wohlhaben­den Eigen­tümerIn­nen über­nom­men und saniert. Das hat eine starke Mieter­erhöhung zur Folge. „Sozial Schwache“, die das Vier­tel vorher bewohnt haben, müssen weg­ziehen, da sie sich die hohen Mieten nicht mehr leis­ten kön­nen.

Ein Parade­beispiel ist hier­bei der Pren­zlauer Berg in Berlin mit seinen Gebäu­den aus der Grün­derzeit im 19. Jahrhun­dert. Sie befan­den sich zum Teil in einem sehr baufäl­li­gen Zus­tand und wur­den nach 1989 und speziell ab der Jahrtausendwende grundle­gend saniert.

Ja klar – wer­den einige von euch sagen – das ist doch der Kap­i­tal­is­mus: die mit mehr Geld ver­drän­gen die mit weniger Geld. Aber das Komis­che an dem ganzen ist, dass die mit mehr Geld, die die mit weniger Geld ver­drän­gen, eigentlich mit denen mit weniger Geld Haustür an Haustür wohnen wollen.

Hä? Jet­zt mal langsam. Warum wollen denn „Reiche“ mit „Armen“ zusam­men leben? OK, mal von vorne:

In den 90ern herrscht­en noch deut­lich andere Zeit­en im Pren­zlauer Berg: Es standen massen­haft Woh­nun­gen leer, da die Häuser nach der Wende teil­weise als unbe­wohn­bar gal­ten und viele Ostler­Innen in den West­en gezo­gen sind. Da Häuser in der DDR Staat­seigen­tum waren und es diesen Staat nicht mehr gab, gehörten diese Häuser und Woh­nun­gen auch nie­man­dem. So nis­teten sich Kreative, Stu­dentIn­nen und Kar­ri­erever­weigererIn­nen ein und began­nen auch, Bars und Clubs zu eröff­nen. Durch diese Bars, Clubs und die bunte Bewohner­In­nen­schaft wurde der Kiez inter­es­sant, immer mehr Leute zogen zu und schon um die Jahrtausendwende kon­nte man Stadt­führun­gen durch den „Szenekiez” Pren­zlauer Berg machen.

Ja das wollen die „Reichen“, auch Yup­pies und Bonzen genan­nt, ein „ruhiges Leben in der Natur und trotz­dem mit­ten­drin im Berlin­er Szeneleben“ – so bewer­ben jeden­falls die Kas­taniengärten in einem Radiospot ihr neues Pro­jekt in mit­ten ein­er der Herzs­traßen Prenzl‘bergs. Wer sich so eine teure Woh­nung leis­tet, möchte dann auch abends seine ruhe haben und nicht von Kneipen oder Clubs beim Schlafen gestört wer­den.

So ist z.B. auch der seit 58 Jahren beste­hende Knaak Club geschlossen wor­den, da sich mit Lärm­schutza­u­fla­gen von 85 Dez­i­bel (nor­mal sind 95 Dez­i­bel) und Par­tys bis 23 Uhr kein Club hal­ten kann.

Ich sehe das Prob­lem nicht darin, dass jet­zt „reiche“ Leute im Pren­zlauer Berg wohnen, wie oft gerne mal pro­pa­gandiert wird („die Schwaben“, „fuck Yup­pies“ usw.), son­dern dass die Mis­chung kaputt geht. Lasst doch die SchwabIn­nen soviel Kavier auf dem Koll­witz-Markt essen, wie sie wollen, solange ich daneben meine Bratwurst für 1,50€ essen kann. Auch die Läden und Kneipen passen sich immer mehr den TouristIn­nen und den Leuten mit dem etwas dick­eren Port­monee an.

Im Pren­zlauer Berg ist lei­der nicht mehr viel zu machen – die Gen­tri­fizierung ist eigentlich schon fast abgeschlossen. Aber in Kreuzberg oder Neukölln fängt sie ger­ade an. Dort ist auch schon der Wider­stand viel größer als er im Pren­zlauer Berg je war. So demon­stri­erten am 1. Mai über 10.000 Men­schen gegen Gen­tri­fizierung in Kreuzberg und Neukölln.

Doch wie kann Wider­stand gegen Gen­tri­fizierung ausse­hen, wenn man die Wel­trev­o­lu­tion nicht von heute auf mor­gen her­beis­chaf­fen kann? Farbbeu­tel an luxus­sanierte Häuser zu schmeißen, scheint nicht immer der richtige Weg zu sein.

Der rot-rote Sen­at muss endlich aufhören, städtis­che Woh­nun­gen zu pri­vatisieren – allein in den let­zten Jahren waren es rund 150.000. Die steigen­den Mieten betr­e­f­fen einen Großteil der Berlin­er Bevölkerung. Die Betrof­fe­nen kön­nen sich gemein­sam gegen Pri­vatisierun­gen und Mieter­höhun­gen zur Wehr set­zen.

Gute Medika­mente gegen Gen­tri­fizierung sind noch nicht gefun­den. Das heißt aber trotz­dem nicht, dass das Ziel aus­sicht­s­los ist. Kommt auf die Demon­stra­tio­nen, informiert euch, und set­zt euch für eure Inter­essen ein!

Lehrer- und Schülerstreik

Am 5. April sind 6.000 Berlin­er Lehrer­Innen in den Streik getreten, um gegen die schlecht­en Zustände an den Schulen zu protestieren. Jet­zt kommt die Fort­set­zung!

Für den 9. Juni ruft die LehrerInnen­gewerkschaft GEW zu einem gemein­samen Streik auf. Auch ein Schü­lerIn­nen­bünd­nis mobil­isiert dazu. Denn ob LehrerIn, Schü­lerIn oder Eltern­teil, wir alle sind von der Mis­ere des Bil­dungssys­tems betrof­fen. Jet­zt haben wir die Möglichkeit, ganze Klassen samt LehrerIn­nen auf die Straße zu brin­gen.

Also organ­isieren wir uns am John-Lennon-Gym­na­si­um in Streikkomi­tees und gehen wir gemein­sam zur Demo! Lassen wir uns nicht in „Alte“ und „Junge“ spal­ten – wir alle soll­ten und dür­fen streiken!

Mehr Infos: www.schulstreik-berlin.de oder schreibt an Red Brain bei Face­book

Jugendproteste in Spanien

Seit dem 15. Mai gehen Zehn­tausende Men­schen im ganzen spanis­chen Staat auf die Straße. Sie fordern „echte Demokratie jet­zt!“ und kri­tisieren kor­rupte Poli­tik­erIn­nen. Der Hin­ter­grund ist, dass die Jugen­dar­beit­slosigkeit in Spanien bei fast 50% liegt – und wer ein Job hat, bekommt meis­tens lediglich 600€ im Monat und einen befris­teten Ver­trag. Dazu gibt es über­all Woh­nungs­man­gel.

Aber nicht nur Jugendliche son­dern auch Arbei­t­erIn­nen und Rent­ner­In­nen sind bei den Protesten zu sehen. Die Bilder erin­nern ein biss­chen an die Auf­stände in der ara­bis­chen Welt, da auch in Spanien Zelt­städte auf den zen­tralen Plätzen entste­hen. Auch in Berlin gab es schon Proteste von jun­gen SpanierIn­nen. Unter­stützen wir diese Proteste – in der Hoff­nung, dass eine solche Bewe­gung auch in Deutsch­land entste­ht!

Mehr Infos: www.revolution.de.com

Gegen Homophobie – weltweit und auch an der Schule!

Schon seit langem liegt mir am Herzen, meine Mei­n­ung zu diesem The­ma öffentlich darzustellen. Mit der Grün­dung von Red Brain kann ich dies endlich tun.

Homo­pho­bie ist die Diskri­m­inierung von Per­so­n­en auf­grund ihrer sex­uellen Aus­rich­tung (Schwulen, Les­ben, Bisex­uellen, Trans­ves­titen etc.) Es ist die aggres­sive Ablehnung und der Ekel gegenüber homo­sex­uellen Per­so­n­en und deren Hand­lun­gen. Homo­phobe Per­so­n­en sehen Homo­sex­uelle nicht als „nor­male“ Men­schen an. Deswe­gen ist Homo­pho­bie eine men­schen­ver­ach­t­ende Ide­olo­gie – sie gehört auch zu den Grund­sätzen des Faschis­mus.

Aber Homo­phobe gibt es nicht nur bei Nazis. Lei­der steckt in viel zu vie­len Köpfen immer noch eine – wenn auch häu­fig unbe­wusste – Ver­ach­tung von Homo­sex­uellen, die man täglich sieht oder hört. In Deutsch­land gab es bis zum 11. Juni 1994 den §175, der sex­uelle Hand­lun­gen zwis­chen Män­nern unter Strafe stellte.

Noch immer wer­den in rund 75 von 195 Staat­en auf der Welt Homo­sex­uelle strafrechtlich ver­fol­gt. Im Jemen, dem Iran, Mau­re­tanien und dem Sudan wird der „zwis­chen­männlichen Analverkehr“ mit dem Tode bedro­ht – ähn­lich­es gilt in Län­dern, die mas­siv vom West­en unter­stützt wer­den, wie Sau­di-Ara­bi­en.

Nicht sel­ten hört man in der Schule Sprüche wie: „Bist du schwul oder was?“, „Schwuch­tel!“ oder „Ist ja schwul!“ Das Wort „schwul“ wird also als Schimpf­wort wie „dumm“ oder „Scheiße“ ver­wen­det.

In ein­er glob­alen Umfrage 2006 mit 3.050 befragten Jugendlichen antworteten 47% auf die Frage: „Meinst du, Homo­sex­uelle soll­ten diesel­ben Rechte haben wie Het­ero­sex­uelle?“, mit „Nein“. Das zeigt, dass es im 21. Jahrhun­dert immer noch eine große Intol­er­anz gegenüber Homo­sex­uellen gibt.

Diese Homo­pho­bie gilt es für uns in jed­er Aus­führung anzus­prechen und ent­ge­gen­zutreten! Denn Homo­pho­bie ist keineswegs eine Krankheit, son­dern pure Intol­er­anz und Dummheit!

Zitat des Monats…

Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fes­seln nicht!

Rosa Lux­em­burg, Rev­o­lu­tionärin

Termine

* Schul­streik: Don­ner­stag, 9. Juni, 12.30 Uhr, Rosa-Lux­em­burg-Platz

* Streikkomi­tee am JLG: fragt bei den Vertei­lerIn­nen nach, wann/wo

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