Brot und Rosen

Queers protestieren gegen Pinkwashing – das deutsche Establishment wirbt für Solidarität mit Israel

Im Rahmen der Berliner "Pride Weeks" fand ein israelischer Filmabend statt. Am Dienstag wurden vier Queer-Filme aus Israel gezeigt. Vor dem Kino protestierten rund 40 Menschen – sie werfen dem israelischen Staat "Pinkwashing" vor.

Queers protestieren gegen Pinkwashing – das deutsche Establishment wirbt für Solidarität mit Israel

Bei der Israeli Queer Movie Night gab es „vier Filme aus Israel, die verschiedene Facetten der LGBTI*-Community im Land beleuchten“. Klingt super – und dazu noch kostenlos! Nur eine Bedingung gab es, um an der Veranstaltung im Kino Babylon in Berlin-Mitte teilzunehmen: Jede*r Besucher*in musste sich vorher per Mail bei der israelischen Botschaft anmelden.

Denn es handelte sich nicht um eine Veranstaltung der LGBTI*-Bewegung, sondern vielmehr um Staatswerbung. Deswegen protestierten rund 40 Menschen – darunter auch israelische und palästinensische Lesben, Schwule und Trans – auf der anderen Straßenseite. „Pinkwashing“ heißt es, wenn ein Staat sein internationales Image aufpolieren will, indem er sich als einen sicheren Hafen für LGBTI* verkauft. Das hat die US-Regierung nach dem Massaker in Orlando versucht. Spezialist auf dem Gebiet ist der Staat Israel.

„Die rechte Regierung in Israel gibt viel Geld aus, damit ihr glaubt, Israel sei ein Paradies für Schwule“ rief eine Demonstrantin in Richtung der Kinobesucher*innen. (Die Berliner Polizei hinderte sie daran, nahe der Schlange Flugblätter zu verteilen.) „Aber sie ist rassistisch und homophob.“ Auf der Gegenkundgebung der Gruppe Berlin Against Pinkwashing wurden Parolen auf Deutsch, Englisch und Hebräisch gerufen.

In der Tat ist die Regierung um Netanjahu und Lieberman alles andere als LGBTI*-freundlich. Vor einem Jahr wurde eine 16jährige Frau bei der Pride Parade in Jerusalem erstochen. In Israel gibt es auch keine Homo-Ehe, weil es überhaupt keine nicht-religiöse Ehe gibt. Vor allem: Der israelische Staat hält seit fast 50 Jahren eine militärische Besatzung der palästinensischen Gebiete aufrecht, darunter leiden alle Palästinenser*innen, egal ob Homo oder Hetero, Trans oder Cis. Israels Geheimdienste erpressen schwule Palästinenser, damit sie Informanten werden – und verstärken damit homophobe Vorurteile in der palästinensischen Gesellschaft.

Queer-Aktivist*innen aus dem Land wollen nicht zulassen, dass sich die rechte Regierung mit teuren, pinken Werbekampagnen im Ausland ein fortschrittliches Image erkauft. Sie rufen:

One, two, three, four – Occupation no more!
Five, six, seven, eight – Israel, Apartheid state!

Wiederum auf der anderen Straßenseite, vor der Volksbühne, gab es eine Gegen-Gegenkundgebung: Das komplette deutsche Establishment bekundete seine Solidarität mit Israel, umgeben von Regenbogen-Fahnen und Katy Perry-Liedern. Volker Beck (Grüne), Hakan Tas (Linke), Anne Helm (Piraten/Linke), Oliver Höfinghoff (Piraten) und weitere bekundeten ihre bedingungslose Solidarität mit Israel. Diese bedingungslose Unterstützung wird auch von der CDU, der AfD und der jungen Freiheit geteilt.

Dass es den vorwiegend weißen deutschen Demonstrant*innen nicht um Solidarität mit LGBTI*-Menschen in Israel geht, merkt man schon daran, dass sie israelischen Queers beibringen wollen, was sie sagen dürfen und was nicht. Ihnen soll verboten werden, ihre rechte – und homophobe! – Regierung zu kritisieren. Das deutsche Establishment solidarisiert sich mit Netanjahu, Lieberman und dem israelischen Staat, denn dieser ist zentraler Pfeiler der imperialistischen Herrschaft in der Region. Queer-Menschen werden hierfür instrumentalisiert – Pinkwashing eben.

„Der CSD in Berlin wird mit Israel-Regenbogen-Fahnen überflutet“ erzählt Belal Awad von Berlin Against Pinkwashing. Letztes Jahr hat sich die Gruppe gegründet und eine erste Protestaktion gegen die Teilnahme des israelischen Botschafters an der Pride Parade organisiert. Auch beim diesjährigen CSD am 23. Juli sind Proteste geplant. „No pride in the Israeli occupation“ ist eine ihrer Parolen.

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