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Protest gegen Entlassungen: Schwarzer Freitag für H&M

Heute wurde an zahlreichen H&M-Filialen in Deutschland gegen miserable Arbeitsbedingungen und anti-gewerkschaftliches Vorgehen protestiert. Freitag der 13. sollte für die Ausbeuter*innen symbolisch zum „Schwarzen Freitag“ werden.

Protest gegen Entlassungen: Schwarzer Freitag für H&M

Für 19 Städte waren öffentliche Aktio­nen angekündigt, die von der aktion./.arbeitsunrecht und zahlre­ichen Unterstützer*innen aus Betrieben und Gewerkschaftsaktivist*innen organ­isiert wur­den. Anlass sind jede Menge per­fide Maß­nah­men, die von der Mod­ekette Hennes & Mau­ritz, bekan­nt als H&M, genutzt wer­den, um ihre Prof­ite groß und die gew­erkschaftliche Organ­isierung klein zu hal­ten.

Es gab ver­schieden­ste Aktio­nen, die auf die Gemein­heit­en der Unternehmensführung aufmerk­sam machen soll­ten. In Her­ford gab es vor ein­er H&M‑Filiale eine „Mod­en­schau der arbeit­srechtlichen Grausamkeit­en“. Unter den Exponat­en: Beson­dere Teilzeit- und Flexi-Verträge, die es den Angestell­ten kaum erlauben, ein plan­bares Pri­vatleben neben der Arbeit zu haben. Ein­er­seits wer­den bei diesen Verträ­gen nur wenige Arbeitsstun­den pro Monat garantiert, auch wenn regelmäßig deut­lich mehr Arbeit anfällt. Aber die Kolleg*innen müssen stets darum ban­gen, dass sie plöt­zlich weniger Schicht­en und damit auch deut­lich weniger Geld zugewiesen bekom­men. Ander­er­seits bedeuten die soge­nan­nten „Flexi-Verträge“ eine ständi­ge Ver­füg­barkeit im Inter­esse der Geschäft­sleitung: Um ihren Job nicht zu riskieren, müssen die Beschäftigten inner­halb sehr kurz­er Fris­ten bere­it sein, für kranke Kolleg*innen einzus­prin­gen oder ihre bish­eri­gen Schicht­en völ­lig umzu­pla­nen.

In Ham­burg und Magde­burg verteil­ten Aktivist*innen Abmah­nun­gen und unrecht­mäßige Kündi­gun­gen an Passant*innen vor H&M – um ihnen zu zeigen, was beson­ders gew­erkschaftlich aktiv­en Kolleg*innen ständig wider­fährt. Seit län­gerem engagiert das Unternehmen die Anwalt­skan­zlei DLA Piper, um solche Schreiben an aufmüp­fige Beschäftigte zu schick­en. Die Dro­hun­gen haben vor Gericht meist keinen Bestand, dienen aber bestens zur Ein­schüchterung und Zer­mür­bung der Betrof­fe­nen.

Die Liste der Grausamkeit­en, der­er sich der Konz­ern bedi­ent, ist aber noch wesentlich länger. Im Rah­men der Aktion wurde auch auf die Sit­u­a­tion der Textil-Arbeiter*innen in Indi­en und anderen Län­dern aufmerk­sam gemacht, die die Mod­ekette beliefern und sich aktuell im Kampf für bessere höhere Löhne befind­en.

Außer­dem gehen die anti-gew­erkschaftlichen Maß­nah­men der H&M‑Geschäftsführung weit über die Schikane einzel­ner Beschäftigter und der Betrieb­sräte hin­aus. Erst vor weni­gen Wochen wurde bekan­nt, dass ein Lager in Großos­theim mit 344 Beschäftigten bere­its in acht Monat­en geschlossen wer­den soll. Die Beschäftigten im Werk hat­ten sich in diesem Jahr an den Streiks im Einzel­han­del beteiligt. Daraufhin wur­den ihnen Aufträge ent­zo­gen, so dass sie statt 140 nur noch 60 deutsche Fil­ialen beliefern. Dann wurde mit dem Bau eines größeren Lagers in Polen begonnen und nun die Schließung des Betriebs für Juni 2018 angekündigt. Es braucht nicht viel Phan­tasie, um darin eine Rache-Aktion zu sehen, um eine kämpferische Belegschaft loszuw­er­den.

Die Veranstalter*innen des Aktion­stages bericht­en von zahlre­ichen pos­i­tiv­en Reak­tio­nen auf die Proteste und von einiger medi­aler Aufmerk­samkeit. Angesichts der Mas­siv­ität der Rechts­beu­gun­gen und der Angriffe auf aktive Beschäftigte, müsste die zuständi­ge Gew­erkschaft ver.di mehr tun, als solche Aktio­nen mit wohlwol­len­den Pressemel­dun­gen zu begleit­en. Stattdessen sollte sie ihre Mit­glieder und alle anderen aktiv­en Beschäftigten dauer­haft und kon­se­quent im Kampf gegen Union-Bust­ing und Willkür im Betrieb unter­stützen.

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