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Offener Brief der Revolutionären Internationalistischen Fraktion an die Trotzkistische Fraktion

Offener Brief der Revolutionären Internationalistischen Fraktion an die Trotzkistische Fraktion

Liebe Genoss*innen der Trotzk­istis­chen Frak­tion,

mit diesem Brief antworten wir endlich auf eure Debat­te und euren Vorschlag für eine mögliche gemein­same Anstren­gung im Klassenkampf, die ihr 2013 in „Für eine Bewe­gung für eine Inter­na­tionale der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion – Vierte Inter­na­tionale“ aus­ge­drückt hat­tet.

Wie ihr aus unserem Kongress- und Frak­tion­skampf inner­halb der PCL (Kom­mu­nis­tis­che Arbeit­er­partei) wisst, haben wir für den sofor­ti­gen Bruch mit der nationalen Iso­la­tion gestrit­ten. Auf diese waren wir de fac­to beschränkt, seit dem Nieder­gang und Erstar­ren, eigentlich dem poli­tis­chen Tod der CRFI (Coor­di­nat­ing Com­mit­tee for the Refoun­da­tion of the Fourth Inter­na­tion­al), eine inter­na­tionale „Organ­i­sa­tion“, die in der Prax­is nie auf Grund­lage des demokratis­chen Zen­tral­is­mus arbeit­ete, die weltweit keine neuen Avant­garde-Sek­toren der Klasse für die Sache des rev­o­lu­tionären Marx­is­mus eroberte. Tat­säch­lich ver­lor sie in den let­zten Jahren ganze Grup­pen, beschränk­te sich auf ihre nationalen Grup­pen in Argen­tinien, Ital­ien, Türkei, Griechen­land sowie andere Kle­in­st­grup­pen oder Einzelper­so­n­en, mit denen sie ver­bun­den ist. Diese Grup­pen haben in ver­schiede­nen For­men und Dimen­sio­nen Män­gel entwick­elt, die typ­isch für Grup­pen sind, die aus der Degen­er­a­tion und dem Bruch mit der Vierten Inter­na­tionale als Partei der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion her­vorge­gan­gen sind – Bürokratismus, Sek­tier­ertum, Föder­al­is­mus, Nation­al­trotzk­ismus, the­o­retis­ch­er Eklek­tizis­mus, organ­isatorische Lax­heit. Beschränkt auf die ital­ienis­che Poli­tik kon­nten wir die Unver­mei­d­barkeit der Entwick­lung von Män­geln und poli­tis­ch­er Degen­er­a­tion für eine „trotzk­istis­che“ Organ­i­sa­tion bestäti­gen, die sich nicht auf soli­den Grund­festen auf­baut, die daraus keinen kohärenten Organ­i­sa­tion­styp ableit­et, die sich nicht aus­ge­hend von ein­er inter­na­tion­al­is­tis­chen und demokratisch-zen­tral­is­tis­chen Poli­tik entwick­elt – zumin­d­est nicht über abstrak­te Beschwörun­gen und Hoff­nun­gen hin­aus.

Eine der deut­licheren Symp­tome dieser Rück­wärts­be­we­gung war die fehlende Antwort der PCL auf euer Man­i­fest (das sog­ar die CRFI her­vorhob) und schon zuvor die Ablehnung eur­er Anfrage zur Auf­nahme in die Bewe­gung für den Wieder­auf­bau der Vierten Inter­na­tionale [MRCI, das 1997 gegrün­dete Umgrup­pierung­spro­jekt, aus dem die CRFI ent­stand]. Die PCL selb­st legte sich let­zten Mai darauf fest, auf euer Man­i­fest zu reagieren, doch direkt nach­dem wir uns auf diese Res­o­lu­tion bezo­gen und ver­langten, dass die Partei unmit­tel­bare und konkrete Anstren­gun­gen untern­immt, anstatt ihre inter­na­tion­al­is­tis­che Poli­tik weit­er aufzuschieben, wur­den wir aufge­fordert, unsere Frak­tion aufzulösen – wir wür­den gegen die Statuten ver­stoßen. Unsere einzige tat­säch­liche Schuld: Wir waren bere­it, einen offe­nen Kampf gegen die tief­gründig falschen poli­tis­chen Posi­tio­nen und Prax­en der PCL-Leitungskad­er zu führen. Dieses Bild ergibt sich für jede*n, die*der die vom vierten PCL-Kongress ver­ab­schiede­ten Doku­mente liest und ein biss­chen über die Geschichte und tat­säch­liche Aktiv­ität der Gruppe weiß.

Wir wussten aus Jahren des Aktivis­mus inner­halb ein­er Organ­i­sa­tion, dass die Män­gel nicht von einem Tag auf den näch­sten über­wun­den wer­den. Deswe­gen sind wir völ­lig überzeugt von der Notwendigkeit, mit sek­tiererischen und schwätzerischen Hal­tun­gen zu brechen, umso mehr, da wir uns in ein­er Sit­u­a­tion der nationalen Iso­la­tion befind­en, die wir aus unserem früheren Aktivis­mus erben.

Wie wir bere­its in unser­er Bilanz des vierten PCL-Kon­gress­es argu­men­tierten: Der Stand der inter­na­tionalen organ­is­chen Krise der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft, des erneuerten Szenar­ios von „Kriegen und Rev­o­lu­tio­nen“, die ständi­ge Rev­o­lu­tion der Pro­duk­tion­s­mit­tel und der sozialen Bände, die zu epochalen, tief schür­fend­en Wider­sprüchen zwis­chen den ökonomisch-pro­duk­tiv­en Möglichkeit­en und dem wis­senschaftlichen Fortschritt ein­er­seits sowie den Pro­duk­tions­be­din­gun­gen ander­er­seits, set­zt eine inter­na­tion­al­is­tis­che und inter­na­tionale poli­tis­che Lin­ie und Organ­i­sa­tion auf die Tage­sor­d­nung. Nicht als abstrak­te Notwendigkeit für eine vage Zukun­ft, son­dern um konkret eine Umgrup­pierung der weltweit­en Avant­garde der Arbeiter*innenklasse auf rev­o­lu­tionär-marx­is­tis­ch­er Grund­lage durchzuführen.

Dies gilt umso mehr, da wir uns über die Tragödie des „ortho­dox­en“ Trotzk­ismus des let­zten Jahrhun­derts, wie der de fac­to Auflö­sung des Vere­inigten Sekre­tari­ats der Vierten Inter­na­tionale bewusst sind. Dieses beteiligte sich direkt an bürg­er­lichen „Mitte-Links“-Regierungen (von Lula in Brasilien bis Pro­di in Ital­ien) und löste seine größte Sek­tion, die LCR in Frankre­ich, auf, um die NPA zu grün­den und auf den andauern­den Zyk­lus der „neuen linken Parteien“ in Europa zu antworten, jedoch ohne rev­o­lu­tionäre Strate­gie. Der LCR/N­PA-Sprech­er Olivi­er Besan­cenot träumte gar von ein­er „gue­varis­tis­chen, lib­ertären, syn­dikalis­tis­chen, ökol­o­gis­tis­chen und fem­i­nis­tis­chen“ Partei. In anderen Worten, von ein­er Partei-Kollek­tion für Revolutionär*innen, Zentrist*innen und Linksreformist*innen; einem Labor für eine selb­stzer­störerische Ver­schmelzung von Marx­is­mus und klein­bürg­er­lichen, anti-pro­le­tarischen The­o­rien ver­schieden­er Ori­en­tierung und Herkun­ft.

Angesichts des Fehlschla­gens der Anstren­gun­gen von Akademiker*innen und Intellek­tuellen, „Marx zurück­zu­holen“ – jedoch nur, um die marx­is­tis­che Tra­di­tion der Arbeiter*innenbewegung abzuschwächen – ist es extrem drin­gend, das poli­tis­che Erbe des Marx­is­mus und sein­er Entwick­lung durch die Geschichte der Inter­na­tionalen zurück­zugewin­nen. Wir denken, dass die Wieder­auf­nahme der marx­is­tis­chen Meth­ode des Auf­baus ein­er rev­o­lu­tionären poli­tis­chen Führung der marx­is­tis­chen Bewe­gung durch die wis­senschaftliche Analyse des Kap­i­tal­is­mus, der strate­gis­chen Auf­gaben, die sich daraus für die Arbeiter*innenklasse und die Kommunist*innen ergeben und ein Pro­gramm und eine poli­tis­che Organ­i­sa­tion, die diesen Prämis­sen fol­gt, von grundle­gen­der Bedeu­tung ist.

Wir stellen uns gegen jedes „partei­is­che“ Sek­tier­ertum auf Grund­lage von Gegen­sätzen klein­er Grup­pen, Klans oder der „Exkom­mu­nika­tion“ wegen his­torisch­er oder tak­tis­ch­er poli­tis­ch­er Fehler (Fehler, keine voll­ständi­gen poli­tis­chen Degen­er­a­tio­nen), die das Über­schre­it­en der Gren­zen eigen­er und ander­er Posi­tio­nen durch die Debat­te und die poli­tis­che Polemik ver­hin­dert. Wir haben kein Inter­esse am Auf­bau ein­er Organ­i­sa­tion, die hypo­thetisch 1917 den Ein­tritt von Leo Trotz­ki ver­weigert oder Wladimir Lenin aus­gestoßen hätte, auf Grund­lage von ange­blich­er nicht-dialek­tis­ch­er „Ortho­dox­ie“ und einem bürokratisierten und verknöcherten „demokratis­chen Zen­tral­is­mus“. Genau­so wenig inter­essiert uns der poli­tis­che Eklek­tizis­mus, der in ein­er Partei diejeni­gen, die das Pro­gramm und die kon­ter­rev­o­lu­tionäre Degen­er­a­tion des Stal­in­is­mus und anderen Par­o­di­en des Lenin­is­mus aufnehmen wollen. Uns inter­essiert der Auf­bau ein­er Partei auf der Basis der poli­tis­chen Grund­la­gen, des Pro­gramms und der Ret­tung des Bolschewis­mus durch die Grün­dung der Vierten Inter­na­tionale, bevor die Opportunist*innen in ihr siegten. Die Vierte Inter­na­tionale ist für uns die his­torische Kon­ti­nu­ität des rev­o­lu­tionären Marx­is­mus in Zeit­en sein­er Nega­tion und des Ver­suchs sein­er Zer­störung durch die weltweite Kon­ter­rev­o­lu­tion, den Faschis­mus und den Stal­in­is­mus. Da die Vierte Inter­na­tionale jedoch im Gegen­satz zu ihren Vorgänger*innen nie die Rolle der Avant­garde­partei der inter­na­tionalen Arbeiter*innenklasse annehmen kon­nte, liegt diese Auf­gabe noch vor uns.

Die all­ge­meinen his­torischen Prämis­sen, von denen sie aus­ging, bleiben weit­er­hin beste­hen und kein anderes Pro­jekt kon­nte in der Tat beweisen, dass es auf die Krise der rev­o­lu­tionären Führung der Arbeiter*innenklasse, aller Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten, eine Antwort find­et. In diesem Sinne sind wir überzeugt, dass die fortwährende Pro­duk­tion von den Inter­essen der Arbeiter*innenklasse ent­ge­genge­set­zten Posi­tio­nen von zahlre­ichen „linken“ Sub­jek­ten die Aus­sage der großen Rev­o­lu­tionärin Rosa Lux­em­burg stützt, dass „die Zukun­ft über­all dem Bolschewis­mus“ gehört. Das bedeutet für uns, nicht das Erbe und die poli­tis­chen Lehren der Drit­ten und der Vierten Inter­na­tionale zu ver­lassen.

Deshalb ist die Auf­gabe der Verbindung des Marx­is­mus und der Arbeiter*innenbewegung, also die Hebung des poli­tis­chen Bewusst­seins der Avant­garde der weltweit­en Klasse auf das Ziel der Rück­gewin­nung und Über­nahme des Erbes des rev­o­lu­tionären Marx­is­mus, so wichtig wie noch nie. Dabei geht es nicht um rein akademis­ches Wis­sen, son­dern darum, im Klassenkampf gegen die Bour­geoisie anführen und siegen zu kön­nen, eine eigene Regierung aufzubauen und Schritte hin zur Auflö­sung der Klas­sen­ge­sellschaft und des Staates gehen zu kön­nen.

Die nötige Brauch­barkeit des Marx­is­mus für die prak­tis­chen, organ­isatorischen und strate­gis­chen Auf­gaben des weltweit­en Pro­le­tari­ats führen uns dazu, mit der fol­gen­den Aus­sage von euch übere­inzus­tim­men:

Die rev­o­lu­tionäre Umgrup­pierung, die wir heute brauchen, darf nicht nur auf all­ge­meinen Prinzip­i­en basieren, son­dern muss von Übere­in­stim­mungen über die großen strate­gis­chen Fra­gen aus­ge­hen, die die kap­i­tal­is­tis­che Krise schon in die Debat­te inner­halb der weltweit­en Linken getra­gen hat.

So kann die Poli­tik von prinzip­i­en­losen Bünd­nis­sen ver­hin­dert wer­den, die von Föder­al­is­mus und Oppor­tunis­mus geprägt sind. Eine solche Meth­ode der Debat­te über die strate­gis­chen Fra­gen mit direk­tem Inter­esse für die Avant­garde der Klasse ermöglicht eine rev­o­lu­tionäre Umgrup­pierung; nicht die Bil­dung eines Alter­sheims für invalide Revolutionär*innen, son­dern einen Anziehungspunkt für all jene, die gegen die vom Kap­i­tal­is­mus erzeugte Aus­beu­tung und Unter­drück­ung kämpfen, für die Arbeiter*innen, Jugendlichen, Frauen und die unter­drück­ten Min­der­heit­en.

Eine Partei, die die sozialen Kämpfe nicht organ­isieren, ver­bre­it­ern, ver­tiefen und mit dem Klassenkampf verbinden kann, hat keine Bedeu­tung für die reale Bewe­gung und die Sache der sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion. In diesem Sinne, so wie wir auch schon in unseren Doku­menten argu­men­tiert haben, stim­men wir mit euch in der Anerken­nung der Zen­tral­ität des Auf­baus von rev­o­lu­tionären Frak­tio­nen in den Gew­erkschaften und in den Bewe­gun­gen, in welche die Revolutionär*innen inter­ve­nieren, übere­in. Ohne solche Frak­tio­nen, ohne eine Basis und poli­tis­che Organ­isierung inner­halb der Klasse, ihrer bre­it­en Organ­i­sa­tio­nen und den Bewe­gun­gen, kann man nicht beab­sichti­gen, durch Wahlbeteili­gung und an reformistis­che oder sog­ar bürg­er­liche For­ma­tio­nen gerichtete Tak­tiken „an die Massen zu kom­men“.

Durch die organ­isierte Inter­ven­tion zur Ver­wand­lung von Avant­garde-Sek­toren in rev­o­lu­tionäre Frak­tio­nen und Ten­den­zen kön­nen Kommunist*innen ihre Fähigkeit steigern, den all­ge­meinen Kampf gegen die Bürokra­tien der Arbeiter*innenbewegung anzure­gen und zu lenken. Gegen jeden Ver­such, die Gew­erkschaften dem bürg­er­lichen Staat unterzuord­nen; gegen den sek­tiererischen Ver­such, kleine „rev­o­lu­tionäre Gew­erkschaften“ zu grün­den als Ersatz der Partei; für die Erneuerung von Gewerkschaftssekretär*innen mit dem Auf­stieg von kämpferischen Anführer*innen, die die unteren bis mit­tleren Schicht­en der Arbeiter*innenklasse vertreten, welche zum Teil nicht gew­erkschaftlich organ­isiert und angemessen vertreten sind. Gle­ichzeit­ig erken­nen wir auch die his­torische Notwendigkeit von gew­erkschaft­süber­greifend­en oder außergew­erkschaftlichen Grup­pierun­gen der Selb­stor­gan­isierung des Kampfes und der Mobil­isierung der Aus­ge­beuteten an, was durch die Umstruk­turierung des Indus­trieprozess­es, die formelle Spal­tung der Arbeiter*innen in kleinere Unternehmen und das Out­sourc­ing beson­ders in impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern wie Ital­ien bed­ingt wird.

Im Rah­men der glob­alen Strate­gie, die Revolutionär*innen brauchen, um eine wis­senschaftliche Prax­is zu entwick­eln, stim­men wir auch auf der the­o­retis­chen Ebene mit der Wiedergewin­nung des bolschewis­tisch-lenin­is­tis­chen Erbes der Tak­tik der Ein­heits­front in ihren ver­schiede­nen For­men übere­in – diese haben lei­der auch dutzende oppor­tunis­tis­che Par­o­di­en zus­tande gebracht, die ihren Geist und die Anwen­dungs­form umge­wor­fen haben. Eine solche Aneig­nung kann jedoch nicht ein­fach darin beste­hen, die his­torischen Adressat*innen jen­er Tak­tik zu ändern, indem bewusst abstrak­te Kat­e­gorien ver­wen­det wer­den (wie zum Beispiel „Reformis­mus“ ohne jegliche his­torische, soziale, ökonomis­che oder konzeptuelle poli­tis­che Spez­i­fizierung), um oppor­tunis­tis­che Poli­tik zu ermöglichen.

Der Wieder­auf­bau des Erbes der Vierten Inter­na­tionale, und damit die Auf­gabe des Auf­baus rev­o­lu­tionär­er Parteien als Sek­tio­nen ein­er weltweit­en pro­le­tarischen Inter­na­tionale, erscheint als drin­gend und grundle­gend. Beson­ders wenn man bedenkt, dass, wie in der Krise nach 1929, der Epoche des auf­steigen­den Faschis­mus und der Aufrüs­tung für den Zweit­en Weltkrieg, der Raum für Kom­pro­miss-Lösun­gen, reformistis­che Poli­tik und die friedliche Ver­wal­tung der Klassen­wider­sprüche immer klein­er wird. Das öffnet den Raum für eine riesige reak­tionäre weltweite Bewe­gung, die ein direk­tes Pro­dukt der inter­na­tionalen Finanzkap­italkrise, des his­torischen Rückschritts für Jahrzehnte der Arbeiter*innenbewegung auf ganzen Kon­ti­nen­ten und der daraus fol­gen­den bürg­er­lichen strate­gis­chen Offen­sive auf allen Ebe­nen ist, die alle Zugeständ­nisse der let­zten 50 Jahre ver­nicht­en und die Spuren der rev­o­lu­tionären Ver­gan­gen­heit der Arbeiter*innenbewegung ver­wis­chen möchte.

Die aktuelle Epoche führt phys­i­ol­o­gisch zu poli­tis­chen Polar­isierun­gen und birgt ein großes Poten­tial für die antikap­i­tal­is­tis­che Entwick­lung des Bewusst­seins und der Organ­isierung der aus­ge­beuteten Massen. Gle­ichzeit­ig fällt die „klas­sis­che“ Ide­olo­gie des Kap­i­tals, also die nation­al­is­tis­che Ide­olo­gie, die auf den tra­di­tionellen nationalen Seg­menten der weltweit­en Bour­geoisie beruht, auf frucht­baren Boden. Das sind für uns die Grundpfeil­er der neuen „Trump-Ära“, wie ihr dar­legt. Tat­säch­lich verkör­pert Don­ald Trump als US-Präsi­dent den aktuellen Zeit­geist. Es han­delt sich dabei um einen schwachen Bona­partismus, der von den Klassenkon­flik­ten in den USA und den unsicheren Per­spek­tiv­en der impe­ri­al­is­tis­chen US-Poli­tik als weltweite hege­mo­ni­ale Kraft getrieben wird.

Wir hal­ten es für keinen vol­lkomme­nen Zufall, dass die erste Über­set­zung ins Ital­ienis­che des „Offe­nen Briefs für die Vierte Inter­na­tionale“, acht Jahrzehnte nach sein­er Veröf­fentlichung, von Genoss*innen durchge­führt wurde, die wenig später die FIR gegrün­det haben. Da der Kon­ti­nu­itäts­faden ein­er inter­na­tionalen Organ­i­sa­tion basierend auf dem rev­o­lu­tionären Marx­is­mus geris­sen war, musste er wieder aufgenom­men wer­den; der Sinn des Ziels des „Wieder­auf­baus der Vierten Inter­na­tionale“ liegt in der Abwe­sen­heit ein­er solchen Organ­i­sa­tion, die die Avant­garde der weltweit­en Klasse sam­melt, und in der his­torischen Unfähigkeit der Anführer*innen des „Trotzk­ismus“, ein Pro­gramm und eine Strate­gie, also eine Partei, aufzubauen, die den poli­tis­chen Prinzip­i­en des Marx­is­mus treu bleibt und eine Gen­er­a­tion von Berufsrevolutionär*innen, von Volk­stri­bunen, schulen kann.

Begin­nend mit der Ver­bre­itung des Kom­mu­nis­mus als Ziel unser­er Poli­tik, der Dik­tatur des Pro­le­tari­ats als unver­mei­d­bar­er Phase für die Verge­sellschaf­tung der Pro­duk­tion und der Abschaf­fung der Klassen, dem Anspruch auf das in vier Inter­na­tionalen entwick­elte Erbe des rev­o­lu­tionären Marx­is­mus und der damit ver­bun­de­nen the­o­retis­chen Basis und der Samm­lung an Erfahrun­gen, die für die Auf­stel­lung ein­er Strate­gie und die richtige Anord­nung aller angemessen Tak­tiken nötig sind – davon aus­ge­hend meinen wir, dass es fäl­lig ist, eine zusam­men­hän­gende Diskus­sion zu starten, die mit ein­er Debat­te über die Analyse der haupt­säch­lichen strate­gis­chen Fra­gen anfängt, die die organ­is­che Krise des Kap­i­tal­is­mus auf die Agen­da der Arbeiter*innenklasse und der Marxist*innen set­zt. Das ermöglicht es uns, eine mögliche pro­gram­ma­tis­che und prak­tis­che Ein­heit im Rah­men des inter­na­tionalen Klassenkampfes zu find­en, die Teil eines bre­it­eren Diskus­sion­sprozess­es mit anderen Strö­mungen ist, welche sich auf das Über­gang­spro­gramm berufen. Dazu gehört unter anderem die „Linke“ des Vere­inigten Sekre­tari­ats, die sich kür­zlich auf Grund­lage des Doku­ments „Auf­bau ein­er Inter­na­tionale für die Rev­o­lu­tion und den Kom­mu­nis­mus“ kon­sti­tu­ierte.

In diesem Sinne, nach unser­er Teil­nahme als Gast­del­e­ga­tion am Kongress eur­er Spanis­chen Sek­tion, der CRT, sehen wir schon eine große strate­gis­che Gemein­samkeit in der inter­na­tionalen Analyse, der pro­gram­ma­tis­chen Meth­ode des Über­gang­spro­gramms, dem organ­isatorischen Pro­fil und der poli­tis­chen Inter­ven­tion, inspiri­ert von dem der Bolschewiki-Leninist*innen.

Wir ste­hen euch also in näch­ster Zeit zu allererst für die Organ­isierung inter­na­tion­al­is­tis­ch­er Diskus­sionsver­anstal­tun­gen zur Ver­fü­gung.

Kom­mu­nis­tis­che Grüße
Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Frak­tion (FIR)

Dieser offene Brief wurde zuerst von lavocedellelotte.it auf Ital­ienisch, Englisch und kastilis­chem Spanisch veröf­fentlicht. Wir haben ihn für Klasse Gegen Klasse ins Deutsche über­set­zt.

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