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Spanischer Staat: Gründungskongress der Revolutionären Arbeiter*innen-Strömung (CRT)

Am Wochenende fand in Saragossa der erste Kongress der CRT statt. Eine Chronik der Debatten.

Spanischer Staat: Gründungskongress der Revolutionären Arbeiter*innen-Strömung (CRT)

In Saragos­sa, wo vor zwölf Jahren die Gruppe Clase con­tra Clase (CcC) ent­stand, fand am ver­gan­genen Woch­enende der erste Kongress der CRT statt (Cor­ri­ente Rev­olu­cionar­ia de Tra­ba­jadores y Tra­ba­jado­ras, Rev­o­lu­tionären Arbeiter*innen-Strömung), Mit­glied der Trotzk­istis­chen Frak­tion – Vierte Inter­na­tionale (FT-CI).

Der neue Name drückt den Willen aus, eine neue Etappe im Auf­bau ein­er großen antikap­i­tal­is­tis­chen und rev­o­lu­tionären Organ­i­sa­tion der Arbeiter*innen, der Frauen und der Jugend im Spanis­chen Staat zu begin­nen.

Am Kongress nah­men 70 Per­so­n­en teil, darunter Mit­glieder der CRT sowie einige der Sympathisant*innen der Grup­pierun­gen und Plat­tfor­men, die die CRT unter Arbeiter*innen, Frauen und Jugendlichen anstößt.

In den ver­gan­genen Wochen hat­ten etwa 100 Mit­glieder und Sympathisant*innen in Madrid, Barcelona, Saragos­sa, Bur­gos und Vigo die Kon­gress­doku­mente über die inter­na­tionale Sit­u­a­tion und die Poli­tik der Trotzk­istis­chen Frak­tion, das pro­gram­ma­tis­che Man­i­fest der CRT, die Bilanz und Ori­en­tierung für die näch­ste Peri­ode sowie das Doku­ment zur Organ­i­sa­tions­form disku­tiert.

Am Sam­stag eröffnete San­ti­a­go Lupo, Anführer der CRT und Grün­der der Gruppe Clase con­tra Clase, den Kongress mit dem Vorschlag eines Ehren­prä­sid­i­ums, wie es zu unser­er Tra­di­tion gehört: die Frauen­be­we­gung, die gegen die patri­ar­chale Unter­drück­ung im Spanis­chen Staat und in der ganzen Welt kämpft; die prekären Arbeiter*innen, die gegen die Aus­beu­tung im Spanis­chen Staat und in der ganzen Welt kämpfen; die brasil­ian­is­chen Arbeiter*innen, die die Kürzun­gen von Temer ablehnen und ger­ade am 28. April einen Gen­er­al­streik gemacht haben; die Migrant*innen, die vor dem impe­ri­al­is­tis­chen Krieg fliehen und in Europa gegen Ras­sis­mus und Frem­den­feindlichkeit kämpfen; die rev­o­lu­tionäre Arbeiter*innenklasse, die bei den Maita­gen von Barcelona 1937 gegen den stal­in­is­tisch-repub­likanis­che Ver­rat gekämpft hat, um die Flamme der glo­r­re­ichen spanis­chen Rev­o­lu­tion zu bewahren; die Arbeiter*innen und Bauern*Bäuerinnen, die vor 100 Jahren die Rus­sis­che Rev­o­lu­tion durchge­führt haben.

Anschließend wurde das aus­führende Prä­sid­i­um des Kon­gress­es vorgestellt und ein­stim­mig gewählt: Asi­er Ubi­co (Delegierte der CGT Telepiz­za in Saragos­sa, Grün­der von CcC und Anführer der CRT), Marisol Cebal­los (Callcenter-Arbeiter*innen und CGT-Mit­glied in Madrid), José Moli­na (ehe­ma­liger Streik­ender von Pan­ri­co in San­ta Per­pet­ua), Veróni­ca Lan­da (Anführerin der Frauen­grup­pierung Pan y Rosas in Barcelona); Lucía Nistal (Anführerin der Grup­pierung Armas de la Críti­ca in Madrid), Mar­ta Clar (Anführerin der Grup­pierung No Pasarán in Barcelona) und San­ti­a­go Lupe aus der Leitung der CRT.

Außer­dem wurde die Anwe­sen­heit von Anführer*innen von anderen Sek­tio­nen der FT-CI bekan­nt­gegeben. Aus Deutsch­land Ste­fan Schnei­der und Bas­t­ian Schmidt, Anführer der Rev­o­lu­tionären Inter­na­tion­al­is­tis­chen Organ­i­sa­tion, und aus Frankre­ich Mit­glieder der FT in der Leitung der CCR (Courant Com­mu­niste Révo­lu­tion­naire, Rev­o­lu­tionär-Kom­mu­nis­tis­che Strö­mung) der NPA.

Zudem waren drei ein­ge­ladene Genoss*innen der FIR (Frazione Inter­nazion­al­ista Riv­o­luzionar­ia, Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Frak­tion) aus Ital­ien als Beobachter*innen anwe­send, die dem Grün­dungskongress der CRT ein Gruß­wort ver­lasen.

Vor Eröff­nung der Debat­te wurde die Tage­sor­d­nung der zwei Kon­gresstage angekündigt.

Mit einem ersten Beitrag von San­ti­a­go Lupe führte der Grün­dungskongress der CRT eine aus­führliche Debat­te über die präsen­tierten Doku­mente.

Der erste Tage­sor­d­nungspunkt war die Diskus­sion des inter­na­tionalen Doku­ments, vorgestellt von Jose­fi­na Martínez, in der die wichtig­sten Ten­den­zen der inter­na­tionalen Sit­u­a­tion, die von ein­er Ver­tiefung der Ten­den­zen zu organ­is­chen Krisen gekennze­ich­net ist, ange­sprochen wur­den.

Nach der Präsen­ta­tion fand eine aus­führliche Debat­te über die zen­tralen Def­i­n­i­tio­nen der inter­na­tionalen Sit­u­a­tion sowie über die Trump-Regierung und ihre Auswirkun­gen für die inter­na­tionale Sit­u­a­tion statt. Die Sit­u­a­tion in Frankre­ich und die Dynamik der europäis­chen Sit­u­a­tion waren eben­falls The­ma, genau­so die Sit­u­a­tion der weltweit­en Arbeiter*innenklasse und die Debat­ten mit dem Reformis­mus in Europa (Syriza, Podemos und andere). Außer­dem wur­den die Grund­la­gen unseres Inter­na­tion­al­is­mus und die Auf­gaben der Revolutionär*innen der CRT und der FT-CI disku­tiert.

Für den zweit­en Tage­sor­d­nungspunkt präsen­tierte San­ti­a­go Lupe die Grund­la­gen des Entwurfs für ein poli­tisch-pro­gram­ma­tis­ches Man­i­fest der CRT. Dort führte er die wichtig­sten Achsen der poli­tis­chen und strate­gis­chen Analy­sen des Pro­gram­men­twurfs aus. Darunter unsere Def­i­n­i­tion über die organ­is­che Krise des Regimes von 1978 und die Debat­ten über den neuen Reformis­mus und sein Pro­jekt der “pro­gres­siv­en Restau­ra­tion” des Regimes, im Lichte unser­er Lek­tio­nen von der “Tran­si­ción” [Über­gang vom Fran­co-Faschis­mus zum heuti­gen Regime, A.d.Ü.] als demokratis­che Kon­ter­rev­o­lu­tion, die die Tür zur neolib­eralen Restau­ra­tion in Spanien öffnete.

Nach der Präsen­ta­tion des Doku­ments fol­gten die ersten Wort­mel­dun­gen zur Debat­te. Anschließend stellte Diego Loti­to den Pro­gram­men­twurf selb­st vor. Er stellte her­aus, warum ein solch­es Pro­gramm unser­er Ansicht nach das Ergeb­nis der strate­gis­chen Erfahrung des Pro­le­tari­ats in anderthalb Jahrhun­derten sein­er Geschichte ist. Außer­dem erk­lärte er die Bedeu­tung des Über­gangscharak­ters unseres Pro­gramms und die ver­schiede­nen Arten von Forderun­gen, die in ihm enthal­ten sind. Dabei bezog er sich auf die Beziehung zwis­chen der “Über­gangslogik” des Pro­gramms, der aktuellen Sit­u­a­tion und unseren strate­gis­chen Zie­len.

Während der Debat­te über diesen zen­tralen Tage­sor­d­nungspunkt gab es dutzende Wort­beiträge, in denen Ergänzun­gen und Kor­rek­turen des Tex­ten­twur­fes vorgeschla­gen wur­den, die auch noch die ersten zwei Stun­den der Debat­te des zweit­en Kon­gresstages füll­ten. Nach Ende der Beiträge wurde das Pro­gramm der CRT ein­stim­mig angenom­men.

Als Weit­er­führung des zweit­en Kon­gresstages stellte Cyn­thia Lub das Bilanz- und Ori­en­tierungs­doku­ment vor, das zuallererst die Fortschritte der Gruppe von der Grün­dung von Clase con­tra Clase bis heute syn­thetisierte.

Lub sprach auch die wichtig­sten Ele­mente der poli­tis­chen Kon­junk­tur an (die Krise des Regimes und die Schwäche der Regierung; das Andauern der kata­lanis­chen Frage und die Spal­tun­gen im sou­veränis­tis­chen Block; und die Sit­u­a­tion des Klassenkampfes, der Frauen- und Studieren­den­be­we­gung), die als Grund­lage für die Def­i­n­i­tion der zen­tralen Res­o­lu­tio­nen der poli­tis­chen Ori­en­tierung dien­ten, die dem Kongress vorgeschla­gen wurde.

Der Kongress disku­tierte und ver­ab­schiedete sechs Achsen der poli­tis­chen Ori­en­tierung, um die CRT in die Offen­sive zu brin­gen:

1) die Stärkung von Izquier­da Diario und seines pro­gram­ma­tis­chen Pro­fils, um den Kampf für eine antikap­i­tal­is­tis­che Strö­mung der Arbeiter*innenklasse auszu­drück­en;

2) die Ver­tiefung der poli­tis­chen Ori­en­tierung der Grup­pierung Pan y Rosas mit­tels der Kam­pagne #SusVi­o­len­ci­as­Nues­traLucha (Ihre Gewalt, unser Kampf);

3) die Stärkung der Studieren­den­grup­pierun­gen, die die CRT anstößt, die Entwick­lung eines Pro­gramms für die Jugend, und eine lan­desweite Koor­dinierung;

4) die Ver­tiefung der Arbeit der CRT in der Arbeiter*innenbewegung durch den Auf­bau von Arbeiter*innenzirkeln von Izquier­da Diario und durch eine lan­desweite Kam­pagne gegen Prekarisierung unter dem Mot­to #Vale­mos­MasQueEsto (Wir sind mehr wert als das);

5) die Weit­er­führung der ide­ol­o­gis­chen Schu­lung der CRT durch eine Uni-Ver­anstal­tungsrei­he, eine Kader­schule im Som­mer und den Neustart unser­er the­o­retis­chen Zeitschrift Con­tra­cor­ri­ente (Gegen den Strom); und

6) die Weit­er­führung der Plat­tform “No Hay Tiem­po Que Perder” (Es gibt keine Zeit zu ver­lieren).

Schließlich entsch­ied der Kongress auch die Teil­nahme der CRT an den “Mar­chas de la Dig­nidad” am 27. Mai in Madrid und die Organ­i­sa­tion eines antikap­i­tal­is­tis­chen und klassenkämpferischen Blocks gemein­sam mit der Plat­tform “No Hay Tiem­po Que Perder”.

Während der Debat­te über die Ori­en­tierung gab es dutzende Rede­beiträge von Kadern und Mit­gliedern der CRT, die die Anführer*innen der wichtig­sten poli­tis­chen Inter­ven­tions­felder der Organ­i­sa­tion sind.

Sodann präsen­tierte Fed­eri­co Grom das Doku­ment zur Organ­i­sa­tion­sstruk­tur, welch­es die grundle­gen­den Organ­i­sa­tion­sprinzip­i­en der CRT syn­thetisiert. Darunter befind­en sich die Grund­la­gen unseres Kampfes für den Auf­bau ein­er Avant­garde­partei mit Massene­in­fluss und unsere Organ­i­sa­tion­s­meth­o­d­en, mit dem Ziel, zur Schu­lung neuer Genoss*innen beizu­tra­gen, die sich in der let­zten Etappe unser­er Organ­i­sa­tion angeschlossen haben.

Abschließend disku­tierte und wählte der Kongress die neue lan­desweite Leitung der CRT.

Der Grün­dungskongress der CRT gipfelte mit dem gemein­samen Sin­gen der inter­na­tionalen Hymne der Arbeiter*innenklasse, der “Inter­na­tionale” – mit dem Stolz, einen großen Kongress durchge­führt zu haben, der neue rev­o­lu­tionäre Auf­gaben für unsere Organ­i­sa­tion in der kom­menden Etappe aufwirft.

Dieser Artikel bei IzquierdaDiario.es

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