Obdachloser bei 41 Grad aus der Bahn geworfen trotz Ticket

28.06.2026, Lesezeit 3 Min.
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Foto: Berliner S9 Richtung Spandau / Michael Day (Flickr: https://www.flickr.com/photos/bindonlane/2993754930)

Die Berliner S-Bahn wirft Ticketinhaber bei Extremhitze aus der Bahn. Menschlichkeit hat bei der Deutschen Bahn und Konsorten keinen Platz.

Am 29. Juni gegen 15 Uhr wird ein obdachloser 39-Jähriger aus der Ringbahn S42 an der Haltestelle Westhafen von zwei DB-Sicherheitskontrolleuren aus der Bahn geworfen. Während auf den Bahnstationen teilweise bereits über 40 Grad herrschten und kein Schatten auch nur ansatzweise gegen die Hitze helfen konnte, wurde ein Mann mit vier Tüten, kaputten Schuhen und sichtlich gesundheitlichen Problemen nach einem Ticket gefragt.

Der Mitfahrende zeigt eine Tageskarte, datiert auf den 28. Juni und gültig ab 19:17 Uhr. Was er nach eigenen Angaben nicht wusste: Die Karte war fälschlicherweise keine 24-Stunden-Karte, sondern nur eine Tageskarte, die nur bis zum 29. Juni um 3 Uhr nachts gültig war. Er erklärte den zwei Männern der DB-Sicherheit das Missverständnis – ohne Erfolg. Auch das Einwirken unserer Autorin und ihr Angebot, ihm auf der Stelle ein gültiges Ticket zu kaufen, wurde nicht akzeptiert. Der Mitfahrende protestierte zurecht laut, packte jedoch auch seine Sachen und ließ sich von den beiden Securities rausbringen. Bei sengender Hitze mit mehreren Tüten und nur aufgrund eines Missverständnisses ungültigem Fahrticket war ein Mann heute dem potentiellen Hitzetod ausgeliefert.

Die Berliner S-Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben in den letzten Jahren – vor allem seit der Corona-Pandemie – ihre obdachlosenfeindliche Agenda immer und immer wieder verschärft. Bereits wenige Monate vor dem wohl kältesten Winter Berlins mit mehreren Wochen durchgängiger Minusgrade und Glatteis wurde eine Kampagne gestartet, die „für mehr Sauberkeit von Bahnhöfen“ sorgen solle – gemeint waren teilweise gewaltvolle Handlungen von Sicherheitspersonal gegen Obdachlose nicht nur zu legitimieren, sondern sogar zu legalisieren. 

Seit dem 1. Juni gilt nun solch eine Kampagne auch für die Berliner S-Bahnen. Dort sollen nun „Menschen ohne Beförderungsbedürfnis“ des Zuges verwiesen werden dürfen – trotz einer gültigen Fahrkarte. Was sich am 28. vor den Augen unserer Autorin abgespielt hat, ist eines von tausenden Beispielen, die auf uns zukommen werden. Und solange der öffentliche Personennahverkehr in den Händen von reichen Bonzen liegt, solange Friedrich Merz und sein Berliner Schoßhund Kai Wegner autoritäre Politik durch mehr Polizeigewalt und Einschränkung von Grundrechten durchführt, solange sich in dieser Welt alles um Profite statt Menschenrechte und Menschlichkeit dreht, werden diese Situationen nie aufhören. Deshalb muss jeder Betrieb des ÖPNVs in die Hände von Beschäftigten überführt werden, deren Interesse nicht ist, Obdachlose am heißesten Wochenende seit Beginn der Wetteraufzeichnungen der prallen Sonne auszuliefern, sondern wo alle endlich kostenlos fahren können, ohne sich Sorgen zu machen, dass sie deshalb potentiell für mehrere Monate oder Jahre ins Gefängnis gehen müssen.

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