Frauen und LGBTI*

No Cops, no Capitalists – Stonewall was a riot!

Stonewall was a riot! Diese einfache und doch so kraftvolle Parole wird heute – 50 Jahre nach dem Aufstand mit schwarzen trans Frauen an der Spitze, der die LGBTIQ*-Bewegung startete – allerorts wiederholt. Selbst das Motto des diesjährigen Berliner CSD erinnert an Stonewall. Flyer von KlasseGegenKlasse.org, organize:strike, Brot und Rosen zum Berliner CSD 2019.

No Cops,  no Capitalists – Stonewall was a riot!

Cops out of Pride!

Umso tragis­ch­er, dass beim CSD zwar Stonewall drauf ste­ht, aber nicht drin­steckt. Vor 50 Jahren wandte sich die LGBTIQ*-Community gegen Polizeige­walt – heute läuft die Berlin­er Polizei und sog­ar die Bun­deswehr mit Regen­bo­gen-Fäh­nchen auf dem CSD mit. Dabei hat sich an der struk­turellen Gewalt gegen die LGBTIQ*-Community nichts geän­dert, und repres­sive Struk­turen und Prak­tiken sind seit­dem aus den Polizeibehör­den nicht ver­schwun­den. Als aus­führen­der Arm eines unter­drück­erischen Sys­tems beweist die Polizei immer wieder, dass sie cishetero­sex­is­tisch und ras­sis­tisch han­delt. Um nur ein Beispiel zu nen­nen: Beim Köl­ner CSD 2016 wurde eine Per­son von der Polizei geschla­gen, gedemütigt, nachts in Unter­wäsche vor der Polizei­wache aus­ge­set­zt – und dann noch wegen Wider­stand gegen Polizeibeamt*innen angezeigt. Trotz Freis­prüchen in zwei Instanzen hält die Köl­ner Staat­san­waltschaft an den Vor­wür­fen fest und geht in Revi­sion. Auf der anderen Seite wer­den queere Men­schen in Län­der abgeschoben, in denen ihnen Folter und Tod dro­hen, und diese Aktio­nen wer­den von der Polizei selb­st durchge­führt.
Die Polizei schützt dieses Sys­tem, das die Wurzel unser­er Unter­drück­ung ist. No Cops at Pride! No cops in our unions!

Gegen die Bundeswehr und ihre Kriegseinsätze!

Doch nicht nur die Polizei als Repres­sion­sor­gan des Staates ist immer stärk­er bei Pride-Märschen vertreten. Auch die Bun­deswehr präsen­tiert sich immer mehr als „LGBTIQ*-freundlicher Arbeit­ge­berin“, wie mit ihrer aktuellen Kam­pagne „Uni­form macht keine Unter­schiede“.
Doch wenn der deutsche Staat im Aus­land seine Inter­essen durch­set­zt, geht es nicht um LGBTIQ*-Rechte, son­dern um wirtschaftliche und geopoli­tis­che Inter­essen. Deutsch­land ver­di­ent an Waf­fen­ex­porten, schot­tet seine Gren­zen gegen Geflüchtete ab und schließt dafür Deals mit reak­tionären Reg­i­men wie der Türkei Erdoğans, die nicht ger­ade für ihre LGBTIQ*-Freundlichkeit bekan­nt sind. Kriege und Armut tre­f­fen unter­drück­te Men­schen wie Nicht-Weiße und LGBTIQ*s stärk­er. Die Bun­deswehr ist keine LGBTIQ*-freundliche Arbeit­ge­berin, wenn sie Aus­land­sein­sätze gegen unter­drück­te Men­schen in aus­ge­beuteten Län­dern führt.

Gegen Kommerz und Pinkwashing

Der Kampf gegen Diskri­m­inierung wird nicht durch Regen­bo­gen-Logos gelöst. Viele der Unternehmen, die sich heute als LGBTIQ*-freundlich aus­geben, sind diejeni­gen, die Geschlechter­stereo­type repro­duzieren und unser­er Gesellschaft täglich mit sex­is­tis­ch­er, ras­sis­tis­ch­er und cishetero­nor­ma­tiv­er Wer­bung schaden. Unsere Rechte sind keine Mar­ket­ingstrate­gie, und wir kön­nen nicht zulassen, dass sie ein­mal im Jahr mit bemal­ten Logos gewaschen wer­den, bei einem so grundle­gen­den Kampf wie dem, den die LGBTIQ*-Bewegung seit Jahren führt.
Die deutsche Kriegsin­dus­trie ver­di­ent sog­ar unmit­tel­bar an LGBTIQ*-Unterdrückung. Immer wieder liefern deutsche Rüs­tungskonz­erne Waf­fen und Panz­er an Län­der wie Sau­di-Ara­bi­en – Folterkam­mer für LGBTIQ*, größter Unter­stützer des IS und Brück­enkopf des Impe­ri­al­is­mus im Nahen Osten.
Diese Prax­is des „Pinkwash­ing“ betreiben auch ras­sis­tis­che Kolo­nial­regime wie der Staat Israel. Umso beschä­mender find­en wir es, wenn linke queere Struk­turen sich auf die Seite dieses unter­drück­erischen Staates stellen und queeren Palästinenser*innen die Teil­nahme an ihren Demon­stra­tio­nen ver­wehren wollen. Wir sol­i­darisieren uns mit den Betrof­fe­nen dieser Unter­drück­ung und sagen: Eine LGBTIQ*-Bewegung, die nicht kon­se­quent anti­ras­sis­tisch und anti­im­pe­ri­al­is­tisch ist, ist nicht radikal. Can‘t Pinkwash This!

Für LGBTIQ*-Komitees in allen Schulen, Universitäten und Betrieben!

Queeres Leben wird nicht durch Rain­bow-Mar­ket­ing bess­er, nur durch unseren Kampf für bessere Bedin­gun­gen. Unzäh­lige Beispiele zeigen, dass der Staat nicht in unserem Inter­esse han­delt, son­dern immer nur durch den Druck auf der Straße, in den Betrieben, Schulen und Uni­ver­sitäten gehan­delt hat. Die „Ehe für alle“ ist erst nach lan­gen Protesten einge­führt wor­den. Und diese Woche hat die LGBTIQ*-Bewegung in Puer­to Rico es uns gezeigt: die Veröf­fentlichung des Chatver­laufs des Gou­verneurs der US-Kolonie mit seinen Beratern – voller Sex­is­mus, Homo­pho­bie und Men­schen­ver­ach­tung – löste die größte Massen­be­we­gung in der Geschichte der Insel aus. Mit einem Gen­er­al­streik und mit LGBTIQ* an der Spitze, die es inner­halb von zwei Wochen schafften, die Regierung zu stürzen. Sie zeigen uns, wie mächtig wir sind, wenn die queere Bewe­gung mit den Frauen*, Jugendlichen und Arbeiter*innen gemein­sam auf die Straße geht.
Auch die Chef*innen haben nicht die gle­ichen Inter­essen wie wir. Der prof­i­to­ri­en­tierte Kap­i­tal­is­mus stützt sich auf (CisHetero-)Sexismus, um manche Arbeiter*innen noch stärk­er aus­beuten zu kön­nen und den Lohn aller zu drück­en. Deshalb ist unsere Per­spek­tive antikap­i­tal­is­tisch. Räume des Ler­nens und des Arbeit­ens brauchen Struk­turen, die queere Iden­titäten schützen und klar machen, dass jede davon legit­im ist. Deshalb müssen wir uns an den Orten organ­isieren, wo wir sind, und dort gegen Unter­drück­ung und Benachteili­gung kämpfen!

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