Jugend

Nathan: „Wir wollen demokratische Hochschulen und keine gewinnorientierte Unternehmen“

Nathan sprach auf der Kundgebung "Für freie Bildung - gegen die Hochschulreform" als Vertreter des Münchner Komitees gegen die Hochschulreform.

Nathan:

Ich bin Nathan und spreche heute für das Münchner Komitee gegen die Hochschulreform. Wir sind ein Zusammenschluss von Studierenden aller Fachrichtungen und verschiedener Hochschulen, sowie wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Beschäftigter, der sich vor dem Hintergrund der geplanten Reform gebildet hat.

Geht es nach der Staatsregierung, dann sollen die bayerischen Hochschulen in Zukunft dem Konzept der “unternehmerischen Hochschule” entsprechen, unternehmerisch aktiv werden und sich eben verhalten wie ein gewinnorientiertes Unternehmen. Das ist der Rahmen der Reform und deshalb lehnen wir als Komitee gegen die Hochschulreform das Hochschulinnovationsgesetz grundsätzlich ab. Das ist einfach die ganz falsche Richtung! Hochschulen sollen sich nicht wie Firmen verhalten müssen! Auch nicht ein bisschen!

Wir wollen eine andere Reform, wir wollen demokratische und soziale Hochschulen und nicht gewinnorientierte Unternehmen, bei denen nur die Führungsetage das Sagen hat! Der Landesstudierendenbeirat, den man uns verkaufen will, ist ein Witz. Er bestimmt nicht mit, er berät nur. Deshalb bringt es leider auch nichts, bei der Staatsregierung um Kompromisse zu betteln. Denn ein Kompromiss in dieser Sache bewegt sich zwischen dem jetzigen Zustand der Unis, der ja auch alles andere als demokratisch und sozial ist, und dem Reformziel, das das Ganze noch deutlich verschlimmern würde!
Manchmal heißt es dann: “Ihr müsst doch Kompromisse eingehen und nicht nur dagegen sein!” – Wir sind nicht nur dagegen, sondern für demokratische und soziale Hochschulen. Es ist NICHT radikal, auch mal NEIN zu sagen und etwas anderes zu wollen! Es wird Zeit, dass wir als Studierende und Mitarbeitende auch mal Nein sagen und der Staatsregierung zeigen, dass es so nicht geht! Leute, wir leben in einer Demokratie und da können wir unsere Meinung sagen und auch mal sagen, wie unzufrieden wir sind!

Den Geistes- und Sozialwissenschaften könnte es mit der Reform an den Kragen gehen (wie wir schon gehört haben). Die Reform ist aber ein Problem für alle Wissenschaften, gerade auch für die Naturwissenschaften. Ganz aktuell: Das Beispiel Pharmazie. Die Grundlagenforschung an den Unis erzeugt die neuen Erkenntnisse für die Pharmaindustrie. Es werden Publikationen veröffentlicht, die der Industrie zeigen, wo sie ansetzen kann. Sobald man die Grundlagenforschung nach Profit ausrichtet, ist es keine freie Grundlagenforschung mehr und sie kann nichts Neues und Unerwartetes mehr entdecken.

Eine freie Grundlagenforschung ist super wichtig. Neue Medikamente, neue Therapiemöglichkeiten gehen immer auf die Grundlagenforschung an den Unis zurück. Ohne Grundlagenforschung hätten wir jetzt keine mRNA-Impfstoffe. Neue Therapieformen können nur mittels kritischem Hinterfragen der bestehenden Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden und der Gesellschaft frei und sicher zugänglich gemacht werden.

Oder auch in der Physik: Der Regensburger Physik-Professor Ferdinand Evers hat vor Kurzem in einem Kommentar in der FAZ (wenn sogar da schon!) drauf hingewiesen, dass z.B. Einsteins Relativitätstheorie – oder auch neuere physikalische Erkenntnisse – alle nicht möglich gewesen wären, wäre man nur nach Profit und Wirtschaftlichkeit gegangen.

Wir müssen uns entscheiden, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Soll es weitergehen mit immer mehr Gegeneinander, Konkurrenz und Profitdruck? Oder hat uns Corona nicht gerade gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir staatliche Fürsorgeaufgaben nicht dem Profitstreben von Unternehmen überlassen?

Im Übrigen sind wir hier in Bayern nicht die einzigen, die um ihre Hochschulen kämpfen. Die Reform steht im Zeichen ihrer Zeit, nicht nur in der neoliberalen Tradition. Auf der ganzen Welt finden autoritäre Übergriffe auf alle möglichen Teile der Gesellschaft statt. In der Türkei kämpfen Studierende dagegen an, dass ein Hochschulpräsident, der gewählt werden sollte, durch das Erdogan-Regime eingesetzt wurde. In Griechenland kämpfen die Studierenden dagegen, dass mehr als die Hälfte von ihnen exmatrikuliert und an den Hochschulen ein Sicherheitsdienst, eine Campus-Polizei, eingeführt werden soll. Wir solidarisieren uns explizit mit ihren Kämpfen.

Aber wir legen jetzt erst so richtig los! Es wird Zeit, dass wir uns gegen diese zerstörerische Politik entschieden, wehren und zeigen, dass es jetzt einfach reicht! Bleibt informiert, folgt uns auf Instagram oder kommt in unseren Telegram-Chat oder schreibt uns einfach. Wir planen weitere Aktionen, um Druck auf die Politik aufzubauen. Werdet aktiv, macht mit und kämpft gemeinsam mit uns gegen diesen Wahnsinn und für sozialere und gerechtere Hochschulen. Lasst uns diesen Moment als Chance nutzen, für eine demokratische und soziale, für eine bessere Hochschule zu kämpfen!

Schreibt uns eine Mail (muc-komitee@outlook.de) oder kontaktiert und auf Instagram (https://www.instagram.com/muckomitee/) oder kommt in unsere Telegram-Gruppe.

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