Frauen und LGBTI*

Millionen Frauen demonstrieren weltweit im Rahmen der neuen Welle des Klassenkampfes

Am 8. März mobilisierten sich weltweit Millionen Frauen, um gegen patriarchale Gewalt und Sexismus zu protestieren. Während in einigen Ländern die Mobilisierungen im Vergleich zum Vorjahr abnahmen, demonstrierten beispielsweise in Chile über eine Million Menschen.

Millionen Frauen demonstrieren weltweit im Rahmen der neuen Welle des Klassenkampfes

Geprägt waren die Mobil­isierun­gen in vie­len Län­dern von der anges­pan­nten poli­tis­chen Sit­u­a­tion: Die Demon­stra­tio­nen zeigten nicht nur eine starke glob­ale fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung, son­dern auch und vor allem die Rück­kehr des Klassenkampfes auf inter­na­tionaler Ebene. In den Volk­sauf­stän­den der let­zten Monate – ob in Alge­rien, Chile, Libanon oder Hongkong – standen Hun­dert­tausende junger Frauen in der vorder­sten Rei­he des Kampfes gegen die unter­drück­erischen und aus­beu­ter­ischen Regime.

In manchen Län­dern wird erst am heuti­gen Mon­tag zu Großdemon­stra­tio­nen aufgerufen, wie auch in Argen­tinien: Hier hat­te die Kirche, die eng mit dem Staat ver­bun­den ist und eine wichtige Lob­by­gruppe gegen das Recht auf kör­per­liche Selb­st­bes­tim­mung ist, am 8. März zu ein­er Demon­stra­tion “für das Leben” aufgerufen. Brot und Rosen Argen­tinien und andere linke Organ­i­sa­tio­nen protestierten dage­gen, um der Kirche nicht den Tag zu über­lassen.

Chile

In Chile schaffte es die Frauen­be­we­gung, den Massen­protesten neues Leben einzuhauchen, die in den let­zten Monat­en abgenom­men hat­ten: Über eine Mil­lion Men­schen demon­stri­erten auf der Plaza Dig­nidad in San­ti­a­go de Chile. So wurde klar, dass die “Som­mer­pause” der Proteste vor­bei ist.

Die Demon­stran­tinnen forderten lau­thals “Raus mit (Präsi­dent) Piñera” – die Forderung, die die Rebel­lion seit Okto­ber auf den Straßen ruft. Mit der Parole “Pin­era ist ein Mörder, genau wie Pinochet” verurteil­ten sie die Repres­sion und Men­schen­rechtsver­let­zun­gen, die in Chile began­gen wer­den.

Über 200 Anzeigen für poli­tis­che sex­u­al­isierte Gewalt wur­den seit dem Beginn der Proteste im Okto­ber gegenüber der Polizei erhoben. Daher wun­dert es nicht, dass die Demon­stran­tinnen gegenüber den Polizistin­nen riefen, dass sie nicht ihre Genossin­nen seien:

Die fem­i­nis­tisch-sozial­is­tis­che Gruppe Pan y Rosas Tere­sa Flo­res, Schwes­t­eror­gan­i­sa­tion von Brot und Rosen in Deutsch­land, brachte ein riesiges grünes Hal­stuch, das Sym­bol des Kampfes für legale, sichere und kosten­lose Abtrei­bung auf die Demon­stra­tion.

Jos­effe Cáceres, Gew­erkschaf­terin und Anführerin von Brot und Rosen, erk­lärte ihre Teil­nahme:

Heute zeigen wir das enorme Poten­zial und die Stärke der Frauen­be­we­gung. Mil­lio­nen von uns sind heute in ein­er neuen his­torischen Mobil­isierung auf die Straße gegan­gen und haben gegen Piñera und seine Repres­sion geschrien. Diese mörderische Regierung, die eine Zus­tim­mungsrate von 6% hat, muss weg, sie hat uns nicht zu bieten außer Fall­en und bru­taler Repres­sion. Sie muss mit der Mobil­isierung gestürzt wer­den, mit den arbei­t­en­den und jun­gen Frauen und Queers in der ersten Rei­he im Kampf für die Freie und Sou­veräne Ver­fas­sungs­gebende Ver­samm­lung.

Auch heute find­et ein zen­traler Streik­tag statt. In der Hafen­stadt Antofa­gas­ta im Nor­den des Lan­des wurde die Demon­stra­tion von der Polizei ange­grif­f­en.

Cara­bineros reprime mar­cha en #Antofa­gas­ta

Slået op af La Izquier­da Diario Chile i Mandag den 9. marts 2020

Auch in San­ti­a­go griff die Polizei heute bru­tal ein: Schüler*innen, die heute streiken und demon­stri­eren wollen, wer­den von der Polizei festgenom­men.

Mexiko

In Mexiko-Stadt fand gestern mit 150.000 Demon­stran­tinnen eine his­torische Mobil­isierung statt. Hun­derte fem­i­nis­tis­che, soziale und linke Organ­i­sa­tio­nen mobil­isierten gegen Fem­izide und patri­ar­chale Gewalt, sowie gegen prekäre Arbeits­be­d­i­n­un­gen und Ent­las­sun­gen und für die Vertei­di­gung von indi­ge­nen Ter­ri­to­rien gegen die Großbaupro­jek­te der Regierung von López Obrador.

Auch in Mexiko demon­stri­erte Pan y Rosas mit einem großen Block von 1.000 Per­so­n­en gegen Gewalt und Prekarisierung, sowie für legale, sichere und kosten­lose Abtrei­bung und in Sol­i­dar­ität mit den Protesten in Chile, Frankre­ich und weltweit.

Par­tic­i­pación históri­ca del con­tin­gente de Pan y Rosas Méx­i­co. A 11 años de nues­tra fun­dación, más de mil mujeres, niñxs, tra­ba­jadorxs, estu­di­antes, amas de casa y miem­brxs de la comu­nidad sex­o­di­ver­sa mar­chamos este #8M con­tra el fem­i­ni­cidio yel tra­ba­jo pre­cario #NiU­na­Menos ¡No les vamos a ced­er ni un pedac­i­to de calle!

Slået op af Pan y Rosas Mex­i­co i Søndag den 8. marts 2020

Frankreich

In Paris demon­stri­erten 60.000 gegen Gewalt an Frauen, sowie gegen die Regierung von Macron und in Sol­i­dar­ität mit den Frauen auf der Welt.

Ein zen­trales The­ma war die Renten­re­form, die die ver­has­ste Regierung gegen den Willen der Bevökerung durch­set­zen will und gegen die seit Dezem­ber Streiks stat­tfind­en.

Auch hier protestierte Du Pain et des Ros­es gemein­sam mit den Streik­enden der Verkehrsun­ternehmen RATP und SNCF mit dem Slo­gan: “Studierende und Streik­ende in der ersten Rei­he gegen Kap­i­tal­is­mus und Patri­ar­chat!”

Spanischer Staat

Auch im Spanis­chen Staat fan­den dieses Jahr wieder mas­sive Demon­stra­tio­nen statt. Über 120.000 protestierten in Madrid, während in Barcelona und Bil­bao jew­eils cir­ca 50.000 auf die Straße gin­gen. Auch in Städten wie Sevil­la, Zaragoza, Cádiz und anderen fan­den Demon­stra­tio­nen, Kundge­bun­gen und sog­ar teil­weise Streiks statt.

Den­noch fie­len die Proteste um einiges klein­er aus als in den Vor­jahren. Dies erk­lärt sich vor allem dadurch, dass wed­er die Gew­erkschaften noch die großen fem­i­nis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen im Großteil des Lan­des zum Streik aufriefen. Eine Aus­nahme bildete Kat­alonien. Gle­ichzeit­ig spielte auch eine Rolle, dass mit der Inte­gra­tion der reformistis­chen Podemos in die Regierung und in das Min­is­teri­um für Geich­stel­lung gewisse Illu­sio­nen geschürt wer­den, dass die Forderun­gen der Frauen­be­we­gung “von oben” durch die Insti­tu­tio­nen des Staates erre­icht wer­den kön­nen.

Lucía Nistal von der Gruppe Pan y Rosas betonte hinge­gen die die Notwendigkeit, “die unab­hängige Mobil­isierung der Frauen­be­we­gung zu ver­tiefen, denn Rechte wer­den durch den Kampf auf der Straße und nicht in den Regierungs­büros gewon­nen.”

Jose­fi­na Mar­tinez, Sprecherin von Pan y Rosas, wies außer­dem darauf hin, dass “diese Regierung einen pro­gres­siv­en Diskurs hält, aber die neolib­erale Poli­tik beibehält, die Arbeit­sre­for­men nicht aufhebt, die Zäune von Melil­la höher baut und die Abschiebe­lager aufrecht erhält, gegen die Forderun­gen der Arbei­t­erin­nen und der Migran­tinnen”.

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