Jugend

Medizin-Studis solidarisieren sich mit Streiks im Krankenhaus

Am Montag kamen 35 Studierende vom Universitätsklinikum Charité bei einer Veranstaltung zusammen. Die "kritischen Mediziner*innen" hatten zur Diskussion mit Pflegekräften, Service-Beschäftigten und Ärzt*innen eingeladen. Das Fazit: Studis sollen die Streiks am Krankenhaus aktiv unterstützen.

Medizin-Studis solidarisieren sich mit Streiks im Krankenhaus

Medi­zin-Stud­is haben nicht den besten Ruf. Sie gel­ten besten­falls als über­forderte Gut­men­schen, die neben dem anstren­gen­den Studi­um ein­fach nichts auf dem Schirm haben – oder schlimm­sten­falls als kaltherzige FPD-Nach­wuch­skad­er, die nur deswe­gen das Stu­di­en­fach gewählt haben, damit sie sich später ein Bonzen-Dasein leis­ten kön­nen.

Täuscht dieses Klis­chee?

Am Mon­tag Abend hin­gen in einem großen Sem­i­nar­raum in der Char­ité in Berlin-Mitte zwei große schwarze Trans­par­ente. Die kri­tis­chen Mediziner*innen forderten: “Zusam­men für mehr Per­son­al und gegen Lohn­dump­ing” im Kranken­haus. 35 Stud­is waren zur Ver­anstal­tung gekom­men und disku­tierten mit: Grit Wolf, Pflegekraft von der Char­ité; Daniel Turek, Ser­vicekraft an der CFM; Johan­na Hen­atsch, Ärztin bei Vivantes; und Jan Latza, Mitar­beit­er der Links­frak­tion im Bun­destag.

In diesen Tagen streiken die Beschäftigten der Ser­vicetöchter von der Char­ité (CFM) und Vivantes (VSG). Daniel berichtete, dass er 30 oder 40 Prozent weniger ver­di­ent als manche sein­er Kolleg*innen, und dazu noch 4 oder 5 Urlaub­stage weniger hat – denn bei der Tochter­fir­ma gilt der Tar­ifver­trag nicht. Aber sind die schlecht­en Löhne an der CFM rel­e­vant für die Medi­zin-Stud­is, also für ange­hende Ärzt*innen?

“Jedes kleine Stück am Kranken­haus muss zusam­men funk­tion­ieren”, erk­lärte Johan­na. “Ser­vice, Therapeut*innen, Pflege, Ärzt*innen – das Kranken­haus muss man als Team denken.” Unter der Ökonomisierung des Gesund­heitswe­sens – also der Ori­en­tierung auf schwarze Zahlen statt auf dem Wohl der Patient*innen – lei­den auch die Ärzt*innen. Denn diese wer­den von ihren Chef*innen angewiesen, noch diese und jene lukra­tive Inter­ven­tion durchzuführen – auch wenn sie medi­zinisch gar nicht nötig sind.

Dieser Wahnsinn hat Sys­tem. Jan erläuterte, wie die Kranken­häuser in den let­zten Jahrzehn­ten zu Wirtschaft­sun­ternehmen umge­baut wur­den. Seine Analo­gie:

Stellt euch mal vor, wenn man der Feuer­wehr sagen würde, ihr kriegt eine Pauschale pro Ein­satz – 750 Euro für einen Woh­nungs­brand in der ersten Etage, 900 Euro in der zweit­en Etage, usw. Stellt euch mal vor, was für absurde Anreize das schaf­fen würde.

Die Fol­gen dieser Ökonomisierung sind, dass es immer weniger pflegerische Zuwen­dung in Kranken­häusern gibt (das sagen sog­ar 80 Prozent der Geschäftsführer*innen!), aber dafür immer mehr teure Ein­griffe. So ist die Zahl der Wirbel­säulen-Oper­a­tio­nen in den let­zten Jahren um 125 Prozent gestiegen. Dieser Unsinn passiert im Namen der Prof­it­macherei.

Grit berichtete, wie Pflegekräfte an der Char­ité erfol­gre­ich streik­ten, um mehr Per­son­al zu bekom­men. Neben den laufend­en Streiks der Ser­vicekräfte ste­hen dem­nächst auch neue Streiks bei der Pflege an.

Was kön­nen Medi­zin-Stud­is tun, wenn sie mit den Streiks sol­i­darisch sein wollen? Sie kön­nen sich weigern, bestreik­te Tätigkeit­en zu übernehmen. Sie kön­nen mit Komiliton*innen und Patient*innen über die legit­i­men Gründe für den Streik reden, denn viele haben ein­fach keine Zeit, um sich zu informieren. Und sie kön­nen beim Streik­lokal vor­bei schauen, sich informieren und ihre Unter­stützung zeigen. Die kri­tis­chen Mediziner*innen haben ein großes Soli-Foto gemacht und bere­it­en auch einen Fly­er vor.

Nur ganz am Ende der Ver­anstal­tung zeigte sich den­noch, dass Sol­i­dar­ität aus objek­tiv­en Grün­den für Medi­zin-Stud­is weit­er­hin schw­er bleibt. Es wurde gefragt, wer am näch­sten Tag denn zum Streik gehen kön­nte. Von den 35 Men­schen hoben nur wenige die Hand. Aber das Gefühl der Sol­i­dar­ität blieb trotz­dem stark – und am Dien­stag Mor­gen sind drei Medi­zin-Stud­is bei den Streik­posten dabei.

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