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Lehrer*innen in Chile nach Streiks verfolgt

Im vergangenen Jahr streikten die Lehrer*innen 57 Tage lang gegen neue Kontrollen und für bessere Arbeitsbedingungen. Im Norden des Landes werden nun zwei Gewerkschaftsaktivistinnen aufgrund ihrer Tätigkeit im Streik entlassen.

Lehrer*innen in Chile nach Streiks verfolgt

Es war ein schwarz­er Tag für Patri­cia Romo, Macare­na Figueroa und Mil­ka Cer­na. Sie alle drei sind Lehrerin­nen aus Antofa­gas­ta im Nor­den Chiles. Und sie alle wur­den vor weni­gen Wochen aus ihren Schulen ent­lassen, um nach dem Ende der Som­mer­fe­rien in ein­er neuen Schule angestellt zu wer­den.

Doch sie haben noch etwas gemein­sam: Sie alle sind gew­erkschaftlich aktiv und haben den fast zwei­monati­gen Streik, der im ver­gan­genen Juni begann, an ihren Schulen organ­isiert. Die Verbindung ist offen­sichtlich: Die drei Lehrerin­nen wer­den für ihre Kampf­bere­itschaft bestraft. Damit wollen die Schulleiter*innen in Zusam­me­nar­beit mit der Gemeinde wichtige Aktivist*innen der Lehrer*innengewerkschaft CdP von ihrer Basis tren­nen und damit die gesamte Gew­erkschaft schwächen.

Die Haupt­forderung des Streiks, der von tausenden Lehrer*innen im ganzen Land durchge­führt wurde, war das Fal­l­en­lassen eines neuen Geset­zes zur Regle­men­tierung der Lehrer*innenlaufbahn. Das Gesetz sollte verpflich­t­ende Prü­fun­gen für alle Lehramtsstudieren­den ein­führen, sowie die Konkur­renz unter den Kolleg*innen ver­schär­fen. Es ging auch um die Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen durch kleinere Klassen und weniger Unter­richt­szeit.

Doch der Vor­sitzende des CdP, Jaime Gajar­do, ist auch der Chef der Kom­mu­nis­tis­chen Partei Chiles und damit Teil der Mitte-Links-Regierung unter Michelle Bachelet. Um die Kon­trolle nicht zu ver­lieren, musste er zum Streik aufrufen. Schon 2014 gab es einen monate­lan­gen Streik der Lehrer*innen, der nicht von der Gew­erkschafts­führung getra­gen wurde und deshalb als „Rebel­lion der Basis“ bekan­nt wurde. Gle­ichzeit­ig ver­suchte er in Ver­bund mit der Gew­erkschaftsspitze und der Regierung, den Streik zu erstick­en.

Zwar wur­den einige Para­graphen des Geset­zes verän­dert, let­ztlich blieb es jedoch in Takt und wurde vom Sen­at ver­ab­schiedet. Und nach dem Aus­stand kommt die Repres­sion. Schon wenige Monate nach dem Streik wur­den in der Haupt­stadt San­ti­a­go 33 Lehrer*innen auf­grund von „Fehlt­a­gen“ während des Streiks ent­lassen. Zum Ende des Jahres wer­den klas­sisch hun­derte Lehrer*innen ent­lassen, um wenige Monate später nach den Som­mer­fe­rien wieder eingestellt zu wer­den – oder auch nicht. Dies­mal traf es beson­ders diejeni­gen, die im Streik beson­ders auffie­len.

Deshalb kämpfen jet­zt Patri­cia, Macare­na und Mil­ka gemein­sam mit vie­len anderen Kolleg*innen im ganzen Land für die Wiedere­in­stel­lung und gegen die Repres­sion. Ihre Bit­ten um Unter­stützung stoßen bei der Gew­erkschafts­führung auf taube Ohren. Schnell beka­men sie jedoch Sol­i­dar­ität von ein­er Basis­gruppe von Lehrer*innen aus Mexiko. Auch in Berlin haben tausende Lehrer*innen in den ver­gan­genen Jahren immer wieder mit Warn­streiks auf sich aufmerk­sam gemacht und in weni­gen Tagen geht der Kampf in eine neue Runde. Die Sol­i­dar­ität der Lehrer*innen auf bei­den Seit­en des Atlantiks im Kampf für bessere Bil­dung ist eine wichtige Waffe.

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