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Kollaps bei Berliner Flughäfen: hunderte Flüge gestrichen

Nach einer Rekord-Urabstimmung von 98,6 Prozent streikten am Freitag die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Flüge ausgefallen. Die Kolleg*innen forderten einen Schluss mit Lohndumping und Entlastung ihrer Arbeit.

Kollaps bei Berliner Flughäfen: hunderte Flüge gestrichen

Auf den Bildschirmen der Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld fiel gestern nur ein Wort auf: „gestrichen“. Das in ver.di organisierte Bodenpersonal hatte sich in der vergangenen Woche für den Streik um einen neuen Vergütungstarif entschieden. Nach fünf erfolglosen Verhandlungsrunden und zwei Warnstreiks kam es gestern zu einem ganztägigen Streik sehr hoher Teilnahme.

Der Streik fing um vier Uhr mit der Frühschicht an. Gegen zehn Uhr versammelten sich die Streikenden vor der Haupthalle des Flughafens Tegel. Dort fand die Streikkundgebung statt, an der hunderte Beschäftigten sich mit Transparenten und ver.di Fahnen beteiligten. Den ganzen Tag waren an den beiden Flughäfen fast alle Verbindungen ausgefallen. 466 Flüge wurden in Tegel gestrichen, 204 in Schönefeld.

Die Kolleg*innen fordern eine Erhöhung der Tarifgehälter um einen Euro je Stunde und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Momentan erhalten Beschäftigte des Bodenpersonals gerade einmal elf Euro pro Stunde. Der Streik ging noch bis Samstag um fünf Uhr in der Früh. Sollten die Bosse kein verbessertes Angebot vorlegen, will ver.di für kommende Woche weitere Streiks in Erwägung ziehen.

Privatisierung und Auslagerung des Dienstes

In Berlin arbeiten circa 2.000 Beschäftigte im Bodenverkehrsdienst. Ihre Situation ist in den letzten zehn Jahren durch die Privatisierung und Auslagerung drastisch schlechter geworden. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg war eine der ersten, die den gesamten Bodenverkehrsdienst in einer neoliberalen Offensive nach der neuen Richtlinie der EU privatisierte. Er wurde sogar nicht nur an ein einzelnes Unternehmen vergeben, wie es die EU als Mindeststandart vorsieht, sondern an sieben verschiedene Firmen. Das führte dazu, dass die privaten Dienstleister stark um Verträge konkurrieren und ständig versuchen, die Löhne zu drücken.

Die Anzahl der Beschäftigten ist in dieser Zeit gefallen, obwohl die Zahl der Passagiere selbst in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen ist. Die Arbeitsbelastung auf die Kolleg*innen ist sehr hoch. 72 Prozent der Beschäftigten geben an, dass Sicherheits- und Qualitätsvorgaben wegen der Belastung und dem Mangel an Personal nicht mehr eingehalten werden können. Der Streik ist daher nicht nur im Interesse der Beschäftigten, sondern auch der Passagiere, die von einer guten Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen der Kolleg*innen profitieren werden. Wer nur nicht vom Streik profitiert sind die Verantwortlichen in der Regierung, die die Privatisierungen und Prekarisierung durchführen, und die Unternehmen, die Lohndumping betreiben.

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