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„Kein Streik, sondern ein Krieg” – Arbeitskampf von Reiniger*innen der französischen Bahn

Kaum zu glauben: Seit dem 2. November streiken die Reinigungskräfte bei der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF in Paris. Sie führen einen entschlossenen Kampf gegen das Subunternehmen ONET.

„Kein Streik, sondern ein Krieg” – Arbeitskampf von Reiniger*innen der französischen Bahn

Vorgestern feierten die streik­enden Arbeiter*innen im Bahn­hof von Saint-Denis in Paris ihren 35. Streik­tag. Und das wohlge­merkt in einem Land, wo es kein Streikgeld gibt. Die Reini­gungskräfte sind für die Sauberkeit der Bahn­höfe zuständig, die der staatlichen Eisen­bah­nge­sellschaft SNCF gehören, aber unter einem Sub­un­ternehmen abgewick­elt wer­den. Wie in Deutsch­land dienen die Sub­un­ternehmen dazu, noch schlechtere und prekärere Arbeits­be­din­gun­gen durchzuset­zen – H.Reinier ONET ist bekan­nt und berüchtigt dafür. Diese Arbeit­en wer­den zumeist von migrantis­chen und weib­lichen Arbeiter*innen durchge­führt.

Die Arbeiter*innen, zu etwa 60 Prozent Frauen, organ­isieren ihre Streik­posten selb­st und erhiel­ten im Laufe ihres hero­is­chen Streikes nicht nur Sol­i­dar­ität und Zus­pruch von Studieren­den, son­dern auch von ihren Kolleg*innen, die bei der SNCF in anderen Beriechen angestellt sind. So rief die Gew­erkschaft SUD Rail bere­its zu einem Sol­i­dar­itätsstreik auf. Der Kol­lege Anasse, Delegiert­er der Sud Rail, ver­sicherte ihnen die Unter­stützung zu und betonte die Bedeu­tung dieses Streikes:

Diese Streik­enden haben es uns allen gezeigt, sie sind wahre Krieger*innen. Es sind 35 Tage des Streikes, aber in Wirk­lichkeit sind es 35 Tage des Krieges.

Krieg? Ist das nicht ein wenig zu abge­hoben? Wahrschein­lich würde auch die Geschäfts­führung von einem Krieg sprechen, so lassen es zumin­d­est ihre Reak­tio­nen andeuten. Nicht nur, dass sie die Polizei und die Sicher­heit­skräfte der SNCF auf die Streik­enden loss­chick­ten — sie grif­f­en auch auf Streikbrecher*innen zurück. Im Bahn­hof von Ermont Eaubonne ver­sucht­en sie gar mit Gewalt, den Streik zu brechen.

Doch es half alles nichts. Die Streik­enden kon­nten nicht zulet­zt dank großer Sol­i­dar­ität die Angriffe zurückschla­gen und den Streik fort­set­zen. Als sie dann am Mittwoch Abend eine große Streik­feier organ­isierten, kamen fast 2.000 Euro in die Streikkasse.

Internationale Solidarität

Dieser lange Streik ist nicht nur dazu da, um für eine bessere Bezahlung oder mehr Urlaub­stage zu kämpfen, son­dern auch um die Arbeiter*innen zu ermuti­gen, ihre des­o­lat­en Bedin­gun­gen öffentlich zu machen. So melde­ten sich während des Streikes auch Arbei­t­erin­nen zu Wort, die von Ras­sis­mus- und Sex­is­muser­fahrun­gen zu bericht­en hat­ten – ein häu­figes Phänomen, was sich auch auf die Geschäft­sebene erstreckt. So berichtete auch Kari­ma von sex­uellen Beläs­ti­gun­gen und davon, dass sie mit vier weit­eren Kol­legin­nen deswe­gen zu Geschäfts­führung ging, aber dafür sank­tion­iert wurde! Keine Sel­tenheit bei ONET, was sog­ar von der Paris­er Auf­sichts­be­hörde dafür gerügt wurde.

Bei diesem einzi­gar­ti­gen Streik kom­men also mehrere Ebe­nen zusam­men: Kampf für bessere Bedin­gun­gen am Arbeit­splatz, Wider­stand gegen die staatliche Repres­sion sowie ras­sis­tis­che und sex­is­tis­che Unter­drück­ung. Alle diese Ele­mente ver­schmelzen sich in diesem großar­tigem Kampf der Beschäftigten bei ONET. In diesem Kampf sieht men­sch, dass die Arbeiter*innen ein essen­tielles Inter­esse daran haben, gegen die ras­sis­tis­chen und sex­is­tis­chen Spal­tun­gen zu kämpfen — und dass sie es in erster Lin­ie sind, die darunter lei­den.

Doch nicht nur das: Die streik­enden Reiniger*innen suchen auch expliz­it die sol­i­darische Unter­stützung ander­er Sek­toren. So nah­men sie im let­zten Monat an ein­er gemein­samen Demon­stra­tio­nen mit den Reini­gungskräften der Hotelkette Hol­i­day Inn teil. Mit anwe­send waren auch die ehe­mals streik­enden Beschäftigten des Hotels Cam­panile. Voilà, ein her­vor­ra­gen­des Beispiel der gemein­samen Zusam­men­führung der Kämpfe.

Dieser Streik mit all seinen Aspek­ten ist wahrlich eine Kriegss­chule, wie Lenin Streiks der Arbeiter*innenklasse auch nan­nte.

Aber auch an inter­na­tionaler Sol­i­dar­ität man­gelt es nicht: Im Rah­men der Demon­stra­tio­nen gegen staatliche Repres­sio­nen gegen Anti-G20-Aktivist*innen und für ein Bleiberecht von Geflüchteten zeigten mehrere Aktivist*innen ihre Sol­i­dar­ität:

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