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Kampf gegen Entlassungen bei LEAR in Argentinien

Kampf gegen Entlassungen bei LEAR in Argentinien

In den let­zten Wochen, während die Regierung alles auf das Weit­erkom­men der argen­tinis­chen National­mannschaft set­zte, um von anderen The­men abzu­lenken, spielte sich im Nor­den von Buenos Aires ein har­ter Kampf gegen Ent­las­sun­gen ab.

LEAR Corp. ist ein US-amerikanis­ch­er multi­na­tionaler Konz­ern, der 122.000 Arbei­t­erIn­nen in 36 Län­dern, vor allem in Lateinameri­ka, Asien und Osteu­ropa beschäftigt. Mit einem Umsatz von mehr als 16 Mil­liar­den Euro im Jahr, der von 2014 auf 2013 um weit­ere 10 Prozent stieg, rang­iert der Auto­mo­bilzulief­er­er auf Platz 177 der 500 reich­sten Unternehmen weltweit. Auf der gesamten Welt sind sie für ihre anti-gew­erkschaftliche Poli­tik bekan­nt, die den Arbei­t­erIn­nen keine Rechte zus­pricht.

Ende Mai wur­den 200 Arbei­t­erIn­nen auf unbe­fris­tete Zeit beurlaubt. In der darauf­fol­gen­den Zeit wur­den 100 Arbei­t­erIn­nen direkt ent­lassen, weit­ere wur­den beurlaubt oder in Kurzarbeit geschickt. Die Fir­ma benutzt den Ein­bruch der Nach­frage in der Auto­mo­bilin­dus­trie als Ausrede, um beson­ders die kämpferischen AktivistIn­nen rauszuschmeißen und die gesamte Belegschaft einzuschüchtern. Doch sie wehrten sich und beschlossen in ein­er kurzfristig ein­berufe­nen Ver­samm­lung Ende Juni für drei Stun­den zu streiken. Während­dessen beset­zten die ent­lasse­nen Arbei­t­erIn­nen die Ein­fahrt zum Betrieb, um das Ein- und Aus­fahren der Lastkraft­wa­gen zu ver­hin­dern. Als in der darauf­fol­gen­den Woche weit­ere Streikak­tio­nen geplant wer­den soll­ten, wur­den die antibürokratis­chen Delegierten des Betrieb­srates nicht in die Fir­ma hinein­ge­lassen, wom­it die Kap­i­tal­istIn­nen zu offen­sichtlich ille­galen Meth­o­d­en grif­f­en, um den Kampf zu ver­hin­dern.

Nichts­destotrotz blieb die Kampfes­moral der Ent­lasse­nen hoch und so wur­den in den darauf­fol­gen­den Tagen zahlre­iche Demon­stra­tio­nen und Straßen­block­aden in der Innen­stadt von Buenos Aires oder auf der Zufahrtsstraße zum Betrieb durchge­führt. Gemein­sam mit sol­i­darischen Studieren­den der PTS-Jugend und der Studieren­den­zen­tren und den klassenkämpferischen Betrieb­sräten der Indus­triezone, in der auch LEAR sich befind­et, wurde gegen die Ent­las­sun­gen und für die Wiedere­in­stel­lung protestiert. Die Gew­erkschaft des Auto­mo­bilsek­tors SMATA behält jedoch ihr ver­rä­ter­isches Schweigen bei und kooperiert so direkt mit dem Unternehmen, das auch durch das Arbeitsmin­is­teri­um geschützt wird.

In der Zwis­chen­zeit weit­ete sich die Unter­stützung des Kampfes bei LEAR gegen den multi­na­tionalen US-Konz­ern deut­lich aus: Das Abge­ord­neten­haus von Buenos Aires drück­te auf Ini­tia­tive von Chris­t­ian Castil­lo (PTS in der Front der Linken und Arbei­t­erIn­nen) seine Besorg­nis über die Ent­las­sun­gen aus und sendete eine Del­e­ga­tion aus Abge­ord­neten nach Pacheco, wo jedoch nur der Abge­ord­nete der Regierungspartei zu Gesprächen ein­ge­lassen wurde. Auch der regierungskri­tis­che Gew­erkschafts­dachver­band CGT unter Führung von Hugo Moy­ano drück­te seine Unter­stützung aus. Auf inter­na­tionaler Ebene erhielt der Kampf die Unter­stützung von linken Intellek­tuellen wie Paul James und Noam Chorm­sky, sowie von gew­erkschaftlichen und linken Organ­i­sa­tio­nen aus den USA, Großbri­tan­nien, Mexiko, Griechen­land und weit­eren Län­dern.

Am 8. Juli wurde der Kampf mit einem nationalen Protest­tag für die LEAR-Arbei­t­erIn­nen und gegen Ent­las­sun­gen und Kurzarbeit auf eine neue Ebene gehoben. Während im ganzen Land Aktio­nen stat­tfan­den, in Rosario vor Gen­er­al Motors, in Cór­do­ba vor LEAR, wur­den in Buenos Aires mehrere neu­ral­gis­che Verkehrsknoten­punk­te block­iert, um auf den Kampf aufmerk­sam zu machen. 300 Arbei­t­erIn­nen ver­sam­melten sich ab 5 Uhr mor­gens vor den Fab­rik­toren um den Ein­tritt ander­er Arbei­t­erIn­nen und den Beginn der Pro­duk­tion zu ver­hin­dern. Weit­ere 400 block­ierten die größte Auto­bahn des Lan­des, die auch durch diesen Indus­triegür­tel führt. Schnell wur­den diese Proteste ange­grif­f­en: Hun­derte PolizistIn­nen räumten mit Gum­migeschossen, Wasser­w­er­fern, Knüp­peln und Hun­den die Auto­bahn und schreck­ten dabei nicht zurück, zahlre­ichen Arbei­t­erin­nen und Arbeit­ern teils schwere Ver­let­zun­gen zuzufü­gen. Später am Tag beklagte sich der Sicher­heitsmin­is­ter Ser­gio Berni über die Abge­ord­neten der FIT, die nichts zur Ver­hin­derung dieser Proteste täten und sie sog­ar mitor­gan­isierten. Diese Repres­sion, die von Mil­lio­nen von Arbei­t­erIn­nen im ganzen Land durch das Fernse­hen ver­fol­gt wurde, führte zu har­ter Kri­tik. Die unab­hängige Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tion des Frieden­sno­bel­preisträgers Adol­fo Peréz Esquiv­el, aber auch zahlre­iche regierungsna­he Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen und Gew­erkschaften verurteil­ten die harte Repres­sion gegen die Protestieren­den.

Obwohl die argen­tinis­che Regierung von Cristi­na Fer­nán­dez de Kirch­n­er weit­er­hin von der „Ausweitung der Rechte“ spricht und sich als „Regierung der Nation und des Volkes“, „die nie die sozialen Proteste reprim­iert“ beze­ich­net, ent­tarnt sich diese Erzäh­lung immer mehr als das Märchen, das es wirk­lich ist. Anfang des Jahres wurde die Entwer­tungskrise des Peso mit ein­er mas­siv­en Infla­tion bekämpft, die die Lebens­be­din­gun­gen der Bevölkerung deut­lich ver­schlechterte. In der Tar­ifrunde ver­suchte die Regierung, eine Ober­gren­ze der Erhöhun­gen durchzuset­zen, die weit unter­halb der Infla­tion lag. Im April legte die Regierung einen Geset­ze­sen­twurf zur Ein­schränkung des Ver­samm­lungsrecht­es vor, das Geset­zen der Pinochet-Dik­tatur ähnelte. In der aktuellen Debat­te um die Zahlung der Aus­landss­chulden, die Argen­tinien nach einem US-amerikanis­chen Gericht­surteil zu zahlen hat, wet­tert Kirch­n­er zwar gegen die „Aas­geier-Fonds“ und spricht von Erpres­sung, macht jedoch weit­er mit der Zahlung der Schulden, schließt Verträge mit impe­ri­al­is­tis­chen Konz­er­nen wie dem US-amerikanis­chen Mon­san­to oder dem spanis­chen Rep­sol und set­zt die Polizei gegen ent­lassene Arbei­t­erIn­nen bei LEAR ein. Diese Repres­sion hat die Auf­gabe, ein Exem­pel für kom­mende Kämpfe gegen Ent­las­sun­gen und Kurzarbeit zu sta­tu­ieren, die sich in ein­er Per­spek­tive der wirtschaftlichen Rezes­sion ver­mehren wer­den.

Der Protest­tag am 8. Juli hat also deut­lich gezeigt, auf welch­er Seite die Regierung wirk­lich ste­ht. Er hat auch gezeigt, dass der Kampf für die Wiedere­in­stel­lung kein leichter Kampf ist. Aber er hat auch deut­lich gemacht, das es Tausende gibt, die sich für die Arbei­t­erIn­nen von LEAR ein­set­zen und sie bis zum Ende unter­stützen. Am 17. Juli wird es einen weit­eren nationalen Protest­tag geben, um den Kampf weit­erzuführen. Die PTS stellt ihre Studieren­den, kämpferischen Betrieb­sräten und Arbei­t­erIn­nen, Anwälte und Abge­ord­nete in den Dienst dieses harten Kampfes, der eine enorme Bedeu­tung für die argen­tinis­che Arbei­t­erIn­nen­klasse besitzt. Deshalb ist auch die Unter­stützung des Kampfes aus der impe­ri­al­is­tis­chen Bestie Deutsch­lands gefragt.

Solidarität mit den argentinischen ArbeiterInnen von LEAR

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