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Jeff Bezos bekommt in Berlin einen Preis – und hunderte Amazon-Arbeiter*innen protestieren

Der Chef von Amazon erhielt in Berlin einen Preis für sein „visionäres Unternehmertum“. Draußen protestierten währenddessen hunderte seiner Beschäftigten aus ganz Europa.

Jeff Bezos bekommt in Berlin einen Preis – und hunderte Amazon-Arbeiter*innen protestieren

Jaff Bezos ist der reich­ste Mann der Welt mit einem Ver­mö­gen von 125 Mil­liar­den US-Dol­lar. Am Mittwoch war er auch der Empfänger des „Axel Springer Awards“ für sein „visionäres Unternehmer­tum“.

Wie kommt eine einzelne Per­son an so viel Geld?

Indem sie die Arbeit viel­er, viel­er Arbeiter*innen aus­beutet.

Während der Preisver­lei­hung im Axel-Springer-Gebäude in Berlin am Mittwochabend ver­sam­melten sich draußen hun­derte Amazon-Arbeiter*innen, um gegen ihren Boss zu protestieren. Sie forderten bessere Löhne, gew­erkschaftliche Vertre­tung und ein Ende der dauer­haften Überwachung. Arbeiter*innen sind bei Ama­zon regelmäßig dem Ter­ror soge­nan­nter „Feed­back-Gespräche“ durch ihre Bosse aus­ge­set­zt. Jet­zt woll­ten sie Bezos ihr eigenes Feed­back geben: „Unsere Löhne sind zu niedrig!“

Arbeiter*innen aus sechs ver­schiede­nen Logis­tikzen­tren in ganz Deutsch­land waren zusam­mengekom­men. Die Dien­stleis­tungs­gew­erkschaft ver.di hat­te zum Streik aufgerufen. Vor Ort war auch eine große Del­e­ga­tion aus Polen mit den weiß-blauen Fah­nen der Gew­erkschaft Sol­i­darność und den rot-schwarzen Fah­nen der anar­cho-syn­dikalis­tis­chen Inic­jaty­wa Pra­cown­icza. Weit­ere Arbeiter*innen waren aus den Ama­zon-Zen­tren im Spanis­chen Staat und in Ital­ien gekom­men. Außer­dem gab es Sol­i­dar­itäts­botschaften aus den Vere­inigten Staat­en.

Marc Blanes, ein Arbeit­er in einem Ama­zon-Lager in Madrid, berichtete von ihrem ersten Streik am 21. März – ganze 95 Prozent der Beschäftigten hat­ten sich daran beteiligt! „Aber wir wis­sen, dass ein einzelnes Logis­tikzen­trum nichts gegen ein gigan­tis­ches Mon­ster wie Ama­zon aus­richt­en kann“, sagte Blanes in sein­er Rede. „Wir brauchen einen europäis­chen Streik!“

Die Kundge­bung war von der Bürokratie der Gew­erkschaft ver.di organ­isiert wor­den – sie hat­ten eine pro­fes­sionelle Sam­ba­band gebucht und sog­ar eine Vide­olein­wand gemietet. Reden kamen von Bernd Riexinger, Co-Vor­sitzen­der der Partei Die Linke, und Andrea Nahles, Vor­sitzende der SPD. Nahles wurde aus­ge­buht, als sie ver­suchte zu sprechen. „Ver­piss dich!“ und „Wer hat uns ver­rat­en? Sozialdemokrat­en!“ schallte es ihr ent­ge­gen. Nahles, die noch vor weniger als einem Jahr als Arbeitsmin­is­terin unter Merkel gedi­ent hat­te, und ihre Partei sind ver­ant­wortlich für die Refor­men, die solche befris­teten Verträge, wie sie Ama­zon benutzt, legal­isiert haben.

One thought on “Jeff Bezos bekommt in Berlin einen Preis – und hunderte Amazon-Arbeiter*innen protestieren

  1. Rainer Biermann sagt:

    Man sollte jedem men­schen die Möglichkeit geben, dazuzuler­nen — auch Andrea Nahles, denn die Hoff­nung (daß die SPD wieder zu ihren Wurzeln find­et) stirbt zulet­zt !

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