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Amazon-Arbeiter aus Deutschland überbringt Solidarität nach Madrid [mit Video]

Heute und morgen streiken die Kolleg*innen bei Amazon in Madrid. Christian Krähling, ein Amazon-Arbeiter und ver.di-Mitglied aus Bad Hersfeld in Hessen, ist hingeflogen. Ein Interview über den internationalen Kampf der Amazon-Kolleg*innen gegen den reichsten Mann der Welt.

Amazon-Arbeiter aus Deutschland überbringt Solidarität nach Madrid [mit Video]

Wie war es heute bei Ama­zon in Madrid?

Die com­pañeros in MAD4 sind zu Hun­derten in den Streik getreten. Ab dem frühen Mor­gen organ­isierten sie piquetes (Streik­posten) an allen Zugangs- und Aus­gang­storen. Nur wenige sind zur Arbeit erschienen. Ama­zon Madrid musste alle LKW-Touren für heute absagen. Die Kolleg*innen hier haben heute vere­int in ein­drucksvoller Weise gezeigt, was Ama­zon ohne seine Lagerarbeiter*innen wert ist: Nichts!

Was fordern die Kolleg*innen?

Sie fordern eine angemessene Bezahlung, bessere Regelun­gen bei den Arbeit­szeit­en und die Auf­nahme von Tar­ifver­hand­lun­gen.

Also ähn­lich wie die Forderun­gen von Ama­zon-Beschäftigten in Deutsch­land?

Ja.

Wieviele waren genau im Streik?

Die Kolleg*innen hier sprechen von ein­er Beteili­gung von cir­ca 90 Prozent. Hier arbeit­en 2.000 Leute, aber die Hälfte sind Leiharbeiter*innen von exter­nen Fir­men. Diese haben jedoch heute nicht gear­beit­et, son­dern saßen – bezahlt – in der Nähe des Lagers, da die Pro­duk­tion ohne­hin nicht aufrecht erhal­ten wer­den kon­nte. Von den 1.000 Fes­tangell­ten waren also etwa 900 im Streik.

Wie kommt es, dass du vor Ort bist?

Wir haben über die Presse erfahren, dass sich die Kolleg*innen in Madrid in ein­er Abstim­mung mit großer Mehrheit für einen Streik entsch­ieden hat­ten. Für uns war sofort klar, dass wir da in irgen­dein­er Form mit­mis­chen müssen. So haben wir kurz­er­hand beschlossen, am sel­ben Tag sol­i­darisch mitzus­treiken.

Eben­falls find­en wir es wichtig, Sol­i­dar­ität nicht nur in Worten, son­dern auch in Tat­en auszu­drück­en. Wenn die Kolleg*innen in Spanien sehen, dass jemand aus Deutsch­land kommt, um ihren Streik zu unter­stützen, kann das eine zusät­zliche Dynamik in die Entwick­lung der Arbeit­skämpfe in allen Län­dern brin­gen. Wir zeigen, dass es den Kolleg*innen weltweit eben nicht egal ist, was mit den Arbeiter*innen hier passiert.

Deshalb haben wir ganz kurzfristig Him­mel und Hölle in Bewe­gung geset­zt, um diesen Besuch möglich zu machen. Ich danke allen, die daran beteiligt waren.

Läuft ein Streik in Madrid anders als bei euch in Hers­feld?

Der Streik in Madrid erin­nert mich sehr stark an unsere ersten Streiks vor fünf Jahren. Die Spanier*innen sind allerd­ings doch wesentlich tem­pera­mentvoller.

Vom Ablauf her ist es ähn­lich. Die Beteili­gung ist wesentlich höher. Diejeni­gen, die nicht streiken gehen, gehen mit Schames­röte im Gesicht und gesenk­tem Haupt, von der Polizei geschützt, rein. Streik­posten find­en rund um die Uhr statt, da es drei Schicht­en gibt. Es wur­den allerd­ings Zeit­en fest­gelegt, zu denen die Inten­sitäten der Streik­posten höher bzw. niedriger sind.

Wie gehen die Streiks bei Ama­zon weit­er?

Der Arbeit­skampf bei Ama­zon wird auf jeden Fall inter­na­tionaler!

Unsere Ver­net­zungstr­e­f­fen sind momen­tan auf der Stufe, dass wir konkrete europaweite Aktio­nen geplant haben, die nicht nur sym­bol­is­chen Charak­ter haben. Dabei geht es allerd­ings nicht nur um Streik, son­dern auch um alter­na­tive Arbeit­skampf­for­men. Die Streiks bei uns wer­den aber par­al­lel weit­er­laufen. Wir stellen in let­zter Zeit wieder fest, dass wir einen regen Zulauf haben. Wir arbeit­en an Konzepten, wie wir bes­timmte Grup­pen im Betrieb gewin­nen kön­nen, die sich bish­er eher neu­tral oder ablehnend ver­hal­ten haben. Zum Beispiel die befris­teten Kolleg*innen. Die Streiks zu been­den ist für uns Zeit keine Option!

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