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Interview: ErzieherInnen im Streik

Interview: ErzieherInnen im Streik

ErzieherInnen treten für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedigungen in den Streik. Ein Interview mit Stefanie Muth, Erzieherin aus Frankfurt.

Weshalb seid ihr in den Streik getreten?

Letztendlich geht es um die Aufwertung unseres sozialen Berufs, so dass wir mehr Anerkennung bekommen. Diese Anerkennung hat natürlich auch mit einem höheren Lohn zu tun, da wir viel für die Gesellschaft leisten, aber dennoch zu niedrig entlohnt werden. Obwohl ich keine hohen Ansprüche habe, überlege ich trotzdem einen Nebenjob anzunehmen. Dabei übe ich den Beruf der Erzieherin gerne aus und mache diese Arbeit auch für die Kinder, für die ich eine Ansprechpartnerin sein möchte.

Kinder sind die Zukunft der Gesellschaft und wenn ich selbst nicht leistungsfähig bin, dann besteht Anlass zur Sorge. Es macht daher keinen Sinn, wenn aufgrund der heutigen Arbeitsbedingungen eine ErzieherIn mit 45 Jahren schon verbraucht ist und körperlich nicht mehr weiter machen kann. Daher fordert auch ver.di die Aufwertung der sozialen Berufe. Das muss auch die Elternschaft verstehen, die eigentlich die gleichen Interessen wie wir hat. Deshalb sind sie nicht unsere GegnerInnen und daher möchte ich, dass auch insgesamt die Gesellschaft uns versteht.

Was sind die konkreten Forderungen des Arbeitskampfes?

Zum einen wie erwähnt die Aufwertung der sozialen Berufe, wobei es zum anderen auch um Aufklärung in der Gesellschaft geht: Warum streiken wir? Was sind die Umstände dessen? Aufwertung des sozialen Berufe bedeutet einen höheren Lohn sowie Arbeitsbedingungen, die es einem ermöglichen, auch in zehn oder zwanzig Jahren nach dem Berufseinstieg weiter körperlich gesund und nicht angeschlagen Kinder betreuen zu können.

Es kann dann nicht sein, dass nur junge BerufseinsteigerInnen diesen Beruf ausüben können, solange ihre körperlichen Kräfte noch vorhanden sind. Deshalb müssen wir die Arbeitsbedingungen erleichtern.

Nach offizieller Statistik sollen rund fünf Kinder auf eine ErzieherIn kommen – in der Realität soll dieser Anteil allerdings um das zwei- bis dreifache liegen.

Das gibt es auch, je nach Einrichtung ist das verschieden. Bei mir es so, dass ich mit einer KollegIn elf Kinder zu betreuen habe. Bei mir stimmt also die Statistik – falls sie jedoch krank ist, bin ich alleine mit den Kindern. Es gibt also Tage, wo die Arbeit sich häuft – deshalb müssen die Entscheidungen an diesen Tagen in der Erziehung besonders gut abgewogen werden. Das ist eine schwierige Frage, aber wir versuchen das Beste daraus zu machen.

Wie ist derzeit die Stimmung unter den KollegInnen?

Bei uns ist es so, dass wir geschlossen als Team hierher gekommen sind. Und wenn ich ehrlich bin, dann erfüllt mich das auch mit Stolz. In Limburg, wo ich wohne und jeden Tag zwei Stunden nach Frankfurt pendeln muss, da die Lebenshaltungskosten hier zu hoch sind, weiß ich genau, dass dies nicht so wäre. Das hängt damit zusammen, dass viele Einrichtungen unter kirchlicher Verwaltung stehen. In einer kirchlichen Einrichtung möchte ich aber nicht arbeiten und deshalb nehme ich die Fahrt auf mich – auf der anderen Seite ist dadurch der komplette Tag belegt. Das ist auch bedingt durch die gesellschaftlichen Umstände.

Welche Perspektive kannst du uns über den Arbeitskampf geben?

Ich bin keine geborene Optimistin, aber ich habe gelernt optimistisch zu denken – daher denke, dass wir weiterkämpfen sollen und werden. Ich hoffe, dass wir geschlossen in einer Reihe weiterkämpfen werden. Das ist es, was wir brauchen.

Wäre es dazu nicht besser, die verschiedenen Kämpfe wie bei Amazon oder den LehrerInnen zu verbinden und diese Kämpfe gemeinsam zu führen?

Das wäre echt gut, da ich den anderen Berufsgruppen ihren Erfolg ebenso gönne. Das wäre ein Traum, wenn wir geschlossen mit allen KollegInnen zusammen kämpfen würden. Diese Option wäre das Beste, da ich denke, dass sie ähnliche Probleme haben. Leider sind sie sich dessen nicht bewusst. Wir sind aber keine GegnerInnen, sondern haben die gleichen Interessen.

Findest du, dass dabei auch eine Unterstützung von anderen Sektoren wie Studierenden oder SchülerInnen sinnvoll wäre?

Mehr Leute wären auch gut – dabei ist es notwendig, dass die jungen Menschen so früh wie möglich diese Erfahrungen machen. Denn diejenigen, die heute in der Schule sitzen, sind jene, die in ein paar Jahren auch arbeiten müssen. Auch von den älteren Generationen können wir viel lernen, da diese ebenso für ihre Rechte auf die Straße gingen. Jammern hilft nicht, wenn man etwas erreichen will, dann muss man geschlossen kämpfen. Das gilt besonders für den Arbeitskampf.

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