Frauen und LGBTI*

Hunderttausende Frauen füllen die Straßen weltweit

Vor 100 Jahren setzten Frauenstreiks im zaristischen Russland die erste erfolgreiche sozialistische Revolution in Gang. Am diesjährigen 8. März streikten und demonstrierten wieder Frauen auf der ganzen Welt für ihre Rechte und gegen sexualisierte Gewalt.

Hunderttausende Frauen füllen die Straßen weltweit

Auf der ganzen Welt gewin­nen fem­i­nis­tis­che und Frauen­be­we­gun­gen an Bedeu­tung: Ob die USA und der Wom­ens March, Argen­tinien und #NiU­na­Menos oder die Mobil­isierun­gen in Irland und Polen gegen Abtrei­bungsver­bote. Auch am 8. März, dem inter­na­tionalen Frauenkampf­tag, fan­den in zahlre­ichen Län­dern wichtige Demon­stra­tio­nen und Streiks statt.

USA

Aus den USA ver­bre­it­ete sich die Idee des Inter­na­tion­al Wom­ens Strike (IWS) am 8. März, also der Arbeit­snieder­legung aller Frauen, um ein Zeichen für Gle­ich­berech­ti­gung und gegen patri­ar­chale Unter­drück­ung zu set­zen. Am 21. Jan­u­ar hat­te der Wom­ens March mit zwei Mil­lio­nen Demonstrant*innen in den gesamten Vere­inigten Staat­en den Wider­stand gegen die rechte Trump-Admin­is­tra­tion ein­geleit­et. Seit­dem war klar: Der Kampf gegen die frauen­feindlichen und ras­sis­tis­chen Geset­ze der neuen Regierung wird in bedeu­ten­dem Maße von und mit Frauen an der Spitze geführt wer­den.

So fan­den Demon­stra­tio­nen in zahlre­ichen Bun­desstaat­en statt, Schulen und Läden mussten geschlossen wer­den, weil sich Frauen an den Aktio­nen beteiligten und streik­ten. In Städten wie New York, Philadel­phia, Los Ange­les und Berke­ley protestierten Tausende für Lohn­gle­ich­heit, gegen Sex­is­mus, gegen Abschiebun­gen und den Mus­lim Ban von Trump. Der Protest wurde unab­hängig von der Demokratis­chen Partei organ­isiert, die sich als Oppo­si­tion­spartei als Vertreterin der Rechte der Frauen darstellen möchte, obwohl sie unter der Oba­ma-Regierung keine ern­sthaften Verbesserun­gen durch­set­zte.

Asien und Australien

Aus­tralien war eines der Län­der, in dem sich fem­i­nis­tis­che und soziale Organ­i­sa­tio­nen dem IWS angeschlossen hat­ten. Um 15:20 Uhr, dem Zeit­punkt, bis zu dem die Frauen genau­so viel ver­di­enen wie ihre männlichen Kol­le­gen, trat­en mehr als 1.000 Erzieher*innen in den Streik. In den wichti­gen Städten Syd­ney und Mel­bourne fan­den große Demon­stra­tio­nen statt.

Darüber hin­aus kamen in zahlre­ichen asi­atis­chen Län­dern Frauen auf die Straße, um gegen Loh­nun­ter­schiede und sex­u­al­isierte Gewalt zu protestieren. So fan­den sich Hun­derte in Städten wie Tokio, Mani­la, Bangkok oder Neu-Del­hi zusam­men und beteiligten sich am Inter­na­tion­al Wom­ens Strike.

Auch im Nahen Osten fan­den Demon­stra­tio­nen im Rah­men des Inter­na­tionalen Frauen­tags statt, wie im Libanon, wo die Protestieren­den auf die Auswirkun­gen von Folter, poli­tis­ch­er Ver­fol­gung, den Auswirkun­gen der wirtschaftlichen Aus­beu­tung und der Bom­barde­ments durch die impe­ri­al­is­tis­chen Mächte hin­wiesen.

In der Türkei fan­den zahlre­iche Demon­stra­tio­nen statt, vom im äußer­sten Osten gele­ge­nen Diyarbakır, wo kur­dis­che Frauen Kundge­bun­gen organ­isierten, bis hin ins west­liche Istan­bul. Dort fand eine der größten Demon­stra­tio­nen mit Zehn­tausenden Teilnehmer*innen statt. Sie protestierten sowohl gegen Gewalt an Frauen als auch gegen die Ver­fas­sungsre­form der Erdo­gan-Regierung, weshalb immer wieder „Hayır“-Rufe (Nein) in Anspielung an das Ref­er­en­dum Mitte April zu hören waren.

Vor dem Kreml in Moskau kamen eben­falls Demonstrant*innen zusam­men, die gegen die Repres­sion sex­ueller Min­der­heit­en durch die rus­sis­che Regierung sowie die Ungle­ich­be­hand­lung und Unter­drück­ung von Frauen demon­stri­erten. Am sel­ben Tag hat­te Präsi­dent Wladimir Putin in ein­er Ansprache die „Schön­heit“ und „Leb­haftigkeit“ der rus­sis­chen Frauen „gelobt“. Diese sex­is­tis­chen Aus­sagen ste­hen in ein­er Rei­he mit ein­er kür­zlich beschlosse­nen Geset­zesverän­derung, die häus­liche Gewalt fast außer Strafe set­zt.

Lateinamerika

Lateinameri­ka war in den ver­gan­genen Jahren Schau­platz fem­i­nis­tis­ch­er Proteste. Nicht ohne Grund, denn die sex­u­al­isierte Gewalt wie zahlre­iche Frauen­morde und der starke Ein­fluss der Katholis­chen Kirche in Gesellschaft und Geset­zge­bung machen das Leben der Frauen beson­ders schw­er und schränken ihre Rechte ein.

In Mexiko sind die als femi­cidio beze­ich­neten Frauen­morde beson­ders ver­bre­it­et und die bru­tal­ste Form der Unter­drück­ung. Hinzu kom­men die prekären Arbeitsver­hält­nisse der meis­ten Frauen und auch der LGBTI-Com­mu­ni­ty. Die neue US-Regierung und die unter­wür­fige Hal­tung der mexikanis­chen Regierung zu ihr bedeuten für sie neue Angriffe auf ihre Rechte. Deshalb war es ein wichtiges Zeichen, als Zehn­tausend Men­schen am 8. März im Zen­trum von Mexiko-Stadt auf die Straße gin­gen.

In Argen­tinien fand 2014 zum ersten Mal eine massen­hafte Demon­stra­tion gegen Frauen­morde und sex­u­al­isiert­er Gewalt unter dem Mot­to #NiU­na­Menos (Keine Weniger) statt. Seit­dem haben die struk­turelle Gewalt an Frauen, die jährlich hun­derte Opfer fordert, und die mas­siv­en Mobil­isierun­gen für Frauen­rechte, eine wichtige Stel­lung in der poli­tis­chen Debat­te des Lan­des ein­genom­men. Fem­i­nis­tis­che und poli­tis­che Organ­i­sa­tio­nen und Gew­erkschaften schlossen sich in diesem Jahr dem Inter­na­tionalen Frauen­streik an. So streik­te die Lehrer*innengewerkschaft und mobil­isierte zur zen­tralen Demon­stra­tion in Buenos Aires, aber auch in eini­gen Fab­riken wie in Pep­si­co und bei der Fluglin­ie Latam wurde die Arbeit niedergelegt.

Auch in Chile hat sich im ver­gan­genen Jahr eine bedeu­tende Frauen­be­we­gung entwick­elt: Stu­dentin­nen kamen gemein­sam mit Arbei­t­erin­nen und Rent­ner­in­nen und vie­len weit­eren Frauen auf die Straße. Auch deshalb kamen am Mittwoch mehr als 100.000 Men­schen in der Haupt­stadt San­ti­a­go zusam­men, um für gle­ichen Lohn für gle­iche Arbeit, kosten­lose, legale und sichere Abtrei­bun­gen und ein Ende der sex­u­al­isierten Gewalt zu protestieren.

#8M #ParoIn­t­er­na­cionalDe­Mu­jeres #UY La tier­ra tem­bló RT! pic.twitter.com/UzHQgMaMM1

— LaIzquier­da­Di­ario Uy (@IzquierDiarioUy) 9. März 2017

In Uruguay hat­ten die Gew­erkschaften zu einem Gen­er­al­streik aufgerufen und so füll­ten sich die Straßen Mon­te­v­ideos mit Zehn­tausenden Arbei­t­erin­nen und Arbeit­ern, die gegen die Fraue­nun­ter­drück­ung und Frauen­morde streik­ten.

Zudem fan­den Demon­stra­tio­nen in zahlre­ichen anderen Län­dern wie Ecuador, Peru, Bolivien oder Brasilien statt. Dort demon­stri­erten alleine in São Paulo 10.000 und macht­en beson­ders die rechte Temer-Regierung und ihre Angriffe auf die Bil­dung, die Rechte der Arbeiter*innen und die Erhöhung des Rentenein­trittsalters für die Ver­schlechterung der Sit­u­a­tion der Frauen ver­ant­wortlich. Dabei waren auch Angestellte des öffentlicht­en Dien­stes und Lehrer*innen dabei, die ent­ge­gen der Hal­tung der Gew­erkschafts­dachver­bände den Streik beschlossen hat­ten. Zudem fan­den im ganzen Land koor­dinierte Aktio­nen im Rah­men des Inter­na­tionalen Frauen­streiks statt.

Europa

In Europa fan­den in den wichtig­sten Städten Aktio­nen und Kundge­bun­gen statt, wie in Lon­don, Rom oder Berlin, wo bis zu 10.000 Men­schen auf die Straßen gin­gen. Im Spanis­chen Staat fand in Madrid eine beein­druck­ende Mobil­isierung von ein­er hal­ben Mil­lion Men­schen statt. Unter anderem beteiligten sich daran auch zahlre­iche Betrieb­s­grup­pen und Arbei­t­erin­nen von Pan­ri­co, Coca-Cola und die fem­i­nis­tis­che Gruppe von Hotel­reini­gungskräften Las Kel­ly. Auch in zahlre­ichen anderen Städten des Lan­des wie in Barcelona oder Zaragos­sa fan­den Aktio­nen statt.

In Frankre­ich hat­ten Gew­erkschaften zum Streik aufgerufen und Arbeiter*innen ver­schieden­ster Sek­toren beteiligten sich an Kundge­bun­gen und Demon­stra­tio­nen, wie in Paris.

In Irland demon­stri­erten Tausende vor dem Par­la­ment gegen das Abtrei­bungsver­bot. Schon seit vie­len Jahren gibt es immer wieder große Demon­stra­tio­nen gegen diese Ein­schränkung der Selb­st­bes­tim­mung der Frauen, doch die Regierung gibt sich unnachgiebig.

Ver­anstal­tung: 1917 und 2017 — vom Frauen­streik zur Rev­o­lu­tion

Sam­stag, 18. März 2017
Ver­samm­lungsraum im Mehring­hof
Gneise­naus­tr. 2a, 10961 Berlin (U‑Mehringdamm)
Beginn: 18 Uhr
Ver­anstal­tung bei Face­book

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.