Jugend

Hochschulen verschlechtern ihr Angebot: Zeit zum Streiken!

Die letzte Verhandlungsrunde für die studentischen Beschäftigten in Berlin ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach dem lächerlichen ersten Angebot – 44 Cent mehr pro Stunde, nach 16 Jahren ohne Lohnerhöhung! – machen die Berliner Hochschulen es nun noch deutlicher, dass sie ihre studentischen Beschäftigten nicht ernst nehmen. Jetzt bieten sie 12,13 Euro pro Stunde. Das klingt wie ein besseres Angebot – ist es wirklich?

Hochschulen verschlechtern ihr Angebot: Zeit zum Streiken!

Mit ihrem Scheinangebot versuchen die Hochschulen, die Öffentlichkeit zu täuschen. Das alte Angebot war 11,42 Euro pro Stunde plus eine Dynamisierung des Lohns, also eine automatische Anpassung an Lohnsteigerungen bei anderen Unibeschäftigten, ungefähr zwei Prozent mehr jedes Jahr. Das ist eine der Hauptforderungen der studentischen Beschäftigten. Sie ist deswegen sehr wichtig, damit es nicht wieder zu einem Reallohnverlust von 30 Prozent (wie in den letzten 16 Jahren) kommt.

In dem aktuellen Angebot ist diese Dynamisierung gestrichen. Also es würde keine Lohnerhöhung bis mindestens 2023 geben. Wenn man es ausrechnet, würden die Beschäftigten mit einer Dynamisierung nach höchstens drei Jahre das jetzige Angebot von 12,13 Euro pro Stunde erreichen.

Alter Trick der Bosse

Neben dieser ganzen Heuchelei versuchen die Hochschulen, uns Arbeiter*innen gegeneinander auszuspielen. Die schlechten Löhne in anderen Sektoren werden als Begründung für die schlechten Löhne studentischer Beschäftigter genutzt. In der Pressemitteilung des Kommunalen Arbeitgeberverbands Berlin heißt es, dass sich das neuste Angebot durchaus sehen lässt, wenn man die Löhne der Altenpfleger*innen und Bodenpersonal in Flughäfen in Betracht nimmt.

Wir lassen uns aber nicht spalten! Alle von uns haben die gleichen Probleme und ähnliche Forderungen. Unser Feind ist auch der selbe, nämlich das Kapital und das Land Berlin. Wir wissen ganz genau, warum die Bosse versuchen, uns zu spalten. Sie haben Angst vor unserer Solidarität, von unserem gemeinsamen Kampf!

Die Arbeiter*innen von Berlin wissen ganz genau, dass sie sich mit anderen Arbeitskämpfen solidarisieren sollen. Während der Streiks vom Bodenpersonal an den Berliner Flughäfen haben sich die Kolleg*innen vom Botanischer Garten und der Charité Facility Management (CFM) mit den Streiks solidarisiert, um nur ein Beispiel zu nennen.

Der Arbeitskampf an den Berliner Krankenhäusern Charité und Vivantes wurde ebenfalls von Bodenpersonal und studentischen Beschäftigten unterstützt. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele von Solidarität und das Bewusstsein gemeinsamer Interessen.

Nach dieser letzten Verhandlungsrunde ist es Zeit, unsere Strategie als studentische Beschäftigte zu überlegen. Alle sind der Meinung, dass wir den Druck erhöhen müssen. Alle denken, dass wir radikalere Aktionen brauchen. Ja. Aber warum traut sich noch keine*r, das zu bekunden, was alle Kolleg*innen schon wissen? Warum flüstern wir es nur und rufen nicht einfach aus?

Unsere Losung: Streik, Streik, Streik!

Das Argument, dass es katastrophal wäre, wenn ein Streik nicht „erfolgreich“ wäre, finde ich absurd. Wenn ein Streik keine guten Aussichten auf Erfolg hätte, wären die Verhandlungen sowieso längst tot.

Wie laufen denn die Verhandlungen bisher, während die Bossen sehen, dass wir uns noch nicht trauen zu streiken? Es ist sehr plausibel, dass sie gerade deswegen ein schlechteres Angebot vorgelegt haben. Warum sollten sie überhaupt ihr Angebot verbessern? Natürlich werden sie versuchen, uns zu demoralisieren und von einem Streik abzuhalten. Sie feiern es bestimmt auch, wenn sie sehen, dass aus unseren Reihen Stimmen kommen, die sagen, dass wir nicht die Kraft hätten zu streiken. Genau das wollen sie erreichen, weil sie Angst vor uns haben! Weil sie wissen, was passiert, wenn wenn wir die Arbeit niederlegen. Wie wir schon die ganze Zeit ausrufen: “Ohne uns läuft hier NIX!”

Einige sehen einen Streik nur als ein einmaliges Ereignis. Er wird entweder erfolgreich oder nicht. Dieser Gedanke widerspricht unseren ganzen Erfahrungen von Arbeitskämpfen. Die Streiks sind selbst die effektivste Mobilisierungsmethode von einem Arbeitskampf. Denken wir, dass wir noch nicht die Kraft haben wochenlang zu streiken? Dann lasst uns eintägige Warnstreiks machen! Mit jedem Warnstreik können wir mehr Menschen mobilisieren, radikalisieren, aktivieren. Ich weiß von vielen Kolleg*innen Bescheid, die bei den Aktionen nicht dabei sein konnten, weil sie arbeiten mussten.

Wir betonen immer wieder, dass wir mehr mediale Präsenz brauchen. Sie können die eine oder eine Aktion ignorieren. Sie denken sich, es kommt bestimmt die nächste Aktion. Keine Aktion kann uns so viel mediale Präsenz geben wie ein Streik. Wir haben bereits viele erfolgreiche Aktionen gemacht. Aber für die Medien ist es wichtig, dass etwas besonders passiert.

Bei einem Streik sind wir als “Beschäftigte” aktiv, mit unserer Rolle in der Produktion an der Uni. Dann zeigen wir, wie wichtig unsere Arbeit an der Uni ist. Es ist natürlich auch wichtig und nötig, Druck auf Politiker*innen zu machen. Das haben wir auch in letzter Zeit sehr gut gemacht. Aber lasst uns jetzt den nächsten Schritt gehen.

Wir haben mehr als 1.000 neue Eintritte in die Gewerkschaft, Kolleg*innen. Denkt ihr wirklich, dass sie nicht bereit wären, zu streiken? Ich habe in den letzten Wochen viele Diskussionen mit anderen Kolleg*innen geführt, die sich fragen, warum wir nicht endlich streiken.

Wir befinden uns im Arbeitskampf und der Streik ist unsere Waffe. Und eins ist klar: Niemand kann ohne Waffen einen Kampf gewinnen.

Proteste gestern an der HU Berlin

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