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Hier ist der Fabrikarbeiter, der Frankreichs Präsident werden will

In Frankreich gibt es eine Alternative zu den Gruselkandidat*innen von Mélenchon über Macron bis Le Pen: Philippe Poutou, Arbeiter bei Ford, tritt als Präsidentschaftskandidat der NPA an. Er vertritt ein klassenkämpferisches Programm und ist unabhängig von den Parteien und Interessen der Bourgeoisie.

Hier ist der Fabrikarbeiter, der Frankreichs Präsident werden will

Bei den französischen Präsidentschaftswahlen präsentiert sich dieses Jahr ein regelrechtes Gruselkabinett. Nicht nur die extreme Rechte überbietet sich mit reaktionären Forderungen, auch die reformistische Linke bekleckert sich nicht mit Ruhm. So zeigte Jean-Luc Mélenchon von der Linksfront mal wieder offen seinen Nationalismus, als er die französische Kolonie Guayana zum Teil Frankreichs erklärte. Aber zum Glück gibt es eine Alternative: Philippe Poutou, Arbeiter bei Ford, tritt für die NPA (Neue Antikapitalistische Partei) als Präsidentschaftskandidat an.

Eine antikapitalistische Kampagne

Dafür musste er erst eine anti-demokratische Hürde nehmen und mindestens 500 Unterschriften von öffentlichen Mandatsträgern sammeln. Unterstützer*innen fuhren dafür wochenlang durch das Land. Sie ermöglichten einen Kandidaten, der als Arbeiter für eine unabhängige Perspektive der seiner Klasse eintritt. Poutou tritt an „um das kapitalistische System zu hinterfragen, um zu sagen, dass wir aufhören müssen, den Kopf unten zu halten“, wie er bei seiner ersten Pressekonferenz erklärte. Er und seine Unterstützer*innen nutzen die Zeit der Wahlen, um für die Notwendigkeit des Kampfes und der politischen Unabhängigkeit von den Kapitalist*innen zu werben.

Passenderweise war einer der beiden Startpunkte seiner Kampagne ein Streik bei Ford, in der Fabrik in Blanquefort, wo er seit langem arbeitet. So bereitet sich die Belegschaft darauf vor, ihre Arbeitsplätze zu verteidigen. Der andere Startpunkt: Eine Demonstration der NPA gegen den Front National von Marine Le Pen. Denn der Kampf gegen reaktionäre Vorurteile, wie den Sexismus, die Homophobie und jede Form von Rassismus soll wesentlicher Teil der Wahlkampagne sein. Auch das Prinzip der Internationalismus wird immer wieder hervorgehoben – vor allem auch gegen die chauvinistische Linke um Mélenchon.

Die erste Veranstaltung: ein voller Erfolg

Bei einer ersten öffentlichen Wahlkampfveranstaltung, an der über 250 Menschen teilnahmen, tummelten sich die bürgerlichen Medien. Dort skandalisierte Poutou die Tatsache, dass die Reichen unvorstellbare Mengen an Geld besitzen, und gleichzeitig behaupten, die Beseitigung von Prekarisierung, Wohnungslosigkeit und Arbeitslosigkeit sei eine bloße Utopie. Gegen diese scheinbar unlösbaren Probleme setzte er das Programm der NPA: Verteilung der Arbeitszeit auf die Schultern aller, massive Einstellungen im öffentlichen Dienst, ein Verbot von Entlassungen, Mindestrente und Mindestlöhne von 1700 Euro monatlich.

Mit wem Poutou dies erkämpfen will, zeigte sich auch bei der Veranstaltung. Es sprachen Streikende, prekäre Arbeiter*innen, Menschen, die während der Bewegung gegen die Arbeitsrechtsreform von Repression betroffen waren und prekär arbeitende Studierende. Migrantische Jugendliche, Arbeiter*innen und Studierende waren gekommen, um mit ihm zu diskutieren.

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