Unsere Klasse

Gewerkschaften und Frauenstreik – zusammen!

Zur Streikkonferenz in Braunschweig 2019 veröffentlichen wir einen Beitrag über die Zusammenführung von Arbeitskämpfen und Frauenstreik. Unsere Perspektive dafür ist die Demokratisierung und Ausweitung von Arbeitskämpfen und eine Antwort der lohnabhängigen Frauen auf Frauenunterdrückung.

Gewerkschaften und Frauenstreik – zusammen!

Dieser Beitrag wurde in län­ger­er Fas­sung in der Zeitung der marx­is­tis­chen jugend münchen und von Brot und Rosen im Jan­u­ar 2019 veröf­fentlicht.

Motiviert und erweckt von den Frauenkämpfen weltweit entwick­elt sich derzeit in Deutsch­land wieder eine Frauen­be­we­gung, die sich einen bun­desweit­en Frauen­streik zum Ziel set­zt. Ver­schiedene fem­i­nis­tis­che Grup­pen haben hierzu in mehreren Städten Bünd­nisse gebildet sowie bun­desweite Ver­net­zungstr­e­f­fen organ­isiert. Dieses Jahr am 8. März 2019 wer­den wir mit der Per­spek­tive kämpfen, eine wirk­liche Streik­be­we­gung aufzubauen.

Ein bundesweiter Frauenstreik

Die Bewe­gung eines bun­desweit­en Frauen­streiks hat großes Poten­tial, längst über­fäl­lige Refor­men wie die Legal­isierung der Abtrei­bung zu erkämpfen. Doch Frauenkämpfe kön­nen nicht isoliert von Arbeit­skämpfen stat­tfind­en. Für arbei­t­ende Frauen funk­tion­ieren Aus­beu­tung und Unter­drück­ung nicht getren­nt voneinan­der, son­dern ihre Unter­drück­ung ermöglicht eine tief­ere Aus­beu­tung.

Um also die Ursprünge unser­er Unter­drück­ung als Frauen und somit dieses Sys­tem an der Wurzel zu pack­en und zu bekämpfen, brauchen wir die Verbindung zur Arbeiter*innenbewegung: Wichtige Arbeit­skämpfe, die geführt wer­den müssen, betr­e­f­fen in erster Lin­ie Frauen: Gen­der Pay Gap, prekäre Arbeits­be­din­gun­gen, man­gel­hafte Möglichkeit­en zur Kinder­be­treu­ung, um nur ein paar Fra­gen zu nen­nen.

Eine Verbindung zwis­chen unseren Arbeit­skämpfen und den poli­tis­chen Forderun­gen der Frauen­be­we­gung gibt uns die Möglichkeit, Gew­erkschaft­sar­beit zu poli­tisieren und eine Basis herzustellen, die mehr erre­ichen will als ein Aushal­ten bis zu den näch­sten Tar­ifver­hand­lun­gen. Für Beschäftigte und gew­erkschaftlich Organ­isierte gibt der Frauen­streik die Möglichkeit, Ver­bün­dete für ihre betrieblichen und gew­erkschaftlichen Kämpfe zu find­en. Außer­dem gibt es durch einen Frauen­streik mit gew­erkschaftlich­er Beteili­gung die Per­spek­tive des poli­tis­chen Streiks, der bis­lang in Deutsch­land gerichtlich ver­boten ist.

Ein politischer Kampf um die Pflege

Wir wollen die Zer­split­terung der Arbeiter*innen und die läh­menden Bürokra­tien in den Gew­erkschaften über­winden – indem Arbeit­skämpfe wirk­lich zu Ende geführt wer­den, mit Mit­teln der Basis­demokratie. In der Pflege sind viele Kolleg*innen in ganz Deutsch­land gewaltige Schritte vor­ange­gan­gen und führen beein­druck­ende Kämpfe, die eine Inspi­ra­tion für den Frauen­streik sind.

Wir sind gegen einen rein ökonomis­chen Kampf, son­dern für die Verge­sellschaf­tung der Pflege unter Kon­trolle der Beschäftigten. Nicht nur wis­sen die Beschäftigten in der Pflege wis­sen am besten, was gut ist, und soll­ten auch über die Pflege entschei­den. Auch ist es wichtig, für eine führende Rolle der Lohn­ab­hängi­gen einzutreten, die die beste­hen­den neolib­eralen Ver­hält­nisse umkip­pen kann. Deshalb sind wir für die Per­spek­tive poli­tis­ch­er Streiks, wofür die Grund­lage eine radikale Demokratisierung von Gew­erkschaften und Streiks ist – das Selb­st­be­wusst­sein unter Beschäftigten wächst, wenn wir über unsere eige­nen Kampf-Bedin­gun­gen und ‑Organ­i­sa­tio­nen entschei­den. Dafür braucht es auch eine poli­tis­che Organ­isierung, die sich nicht den vorhan­de­nen Parteien der Sozial­part­ner­schaft anpasst.

Wir brauchen als erste Schritte demokratis­che Ver­samm­lun­gen, zu denen Gew­erkschaften aufrufen. Auch ohne einen Streik kön­nen Gew­erkschafts­gliederun­gen, Betriebs- und Per­son­al­räte bere­its zum 8. März Mit­glieder zu Ver­samm­lun­gen aufrufen, um einen Zusam­men­hang zum Frauen­streik­tag herzustellen. Wir haben die gle­ichen Inter­essen, daher wollen wir uns zusam­men­schließen und die Gew­erkschaften als unser Organ des Arbeit­skampfes und des Kampfes von Frauen nutzen, um unsere Forderun­gen umzuset­zen.

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