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G7-Polizeiwillkür: „Ich musste mich vor zwei Beamten komplett entkleiden. Nicht zum letzten mal“

Im Rahmen des G7-Gipfels griff die Polizei in München am 25. Juni eine Demonstration an. Im Anschluss schikanierte sie zahlreiche Teilnehmer:innen. Wir veröffentlichen einen Erfahrungsbericht von Michi.

G7-Polizeiwillkür:
Bild: KgK

Nach der Demo habe ich zusammen mit meiner Gruppe die Theresienwiese verlassen. Wir wollten direkt zum Bahnhof München und von dort wieder abreisen. Nur etwa 200 Meter von der Theresienwiese entfernt, in einer kleinen Seitenstraße, wurden wir von etlichen Polizisten in Schutzausrüstung gestoppt.

Der Grund: eine allgemeine Personenkontrolle. Ich wurde zusammen mit meinen Genossen und Genossinnen durchsucht. Mein Rucksack wurde dabei ausgeleert. Der Inhalt wurde achtlos von den Polizisten auf dem dreckigen Boden ausgebreitet. Als sie in meinen Rucksack ein Soli-T-Shirt und einen schwarzen Pullover fanden, war es das dann mit der Freundlichkeit. Ich wurde nochmal gesondert in einem Hinterhof kontrolliert. Sämtliche Gegenstände, die ich dabei hatte, wurden jetzt penibel nochmal auf dem Boden ausgebreitet. Dann wurden sämtliche Gegenstände fotografiert. Im Anschluss musste ich den Pullover, den ich dabei hatte, anziehen.

Auch Schlauchschal, Sonnenbrille und Cap musste ich aufziehen. Jetzt wurde ein Foto von mir gemacht, während ich alle diese Sachen trug. Jetzt ging es richtig los. Mir wurde mitgeteilt das ich Verdächtiger einer Straftat sei. Unter diesem Vorwand wurde ich nun zur GESA an der Theresienwiese gebracht. Dort hat man mich noch einmal durchsucht. Ich musste im Anschluss noch einen Alkoholtest machen.

Nach etwa 30 Minuten wurde ich zum Polizeipräsidium München gebracht. Dort angekommen musste ich mich erstmal vor zwei Beamten komplett entkleiden. Nicht zum letzten Mal, wie sich herausstellen wird. Anschließend wurde ich zur erkennungsdienstlichen Behandlung und Befragung gebracht. Zwei Kripobeamte erläuterten mir jetzt endlich, worum es genau ging.

Mir wird vorgeworfen eine Plastikflasche auf einen Polizisten geworfen zu haben. Der genaue Vorwurf war: „Im Rahmen einer Demonstration gegen den G7-Gipfel in München warfen Sie am 25.06.2022 gegen 15:22 Uhr eine Plastikflasche auf einen Polizeibeamten. Sie trafen diesen hierbei am Kopf“. Zu diesem Vorwurf äußerte ich mich nicht und nahm das Recht der Aussageverweigerung in Anspruch. Als man mich nach der erkennungsdienstlichen Behandlung entlassen wollte, stürmte eine sichtbar aufgebrachte Kripobeamtin in das Zimmer. Sie sagte: „Die Flaschenwerfer gehören eingesperrt“.

Der Staatsanwalt wollte mich am nächsten Tag dem Haftrichter vorführen lassen. Begründung war die Wiederholungsgefahr. Nun wurde ich in den Zellenblock im Keller des Präsidiums gebracht. Dort musste ich mich wieder komplett entkleiden und durchsuchen lassen. Mir wurde ein Plastikbecher und eine Decke ausgehändigt. Ein Kopfkissen erhielt ich nicht. Trinken musste ich mir in der Zelle aus dem Wasserhahn holen, der sichtlich schmutzig war. Dementsprechend schmeckte es auch.

Hier war ich jetzt über Nacht eingesperrt. Das Licht ging im Wechsel an und aus. Dabei ging es offensichtlich darum, mich am Schlaf zu hindern. Um fünf Uhr weckte mich ein Beamter und nahm mir die Decke weg. Um sechs Uhr erhielt ich ein Käsebrötchen und gesüßten Kaffee zum Frühstück. Jetzt hieß es bis zwölf Uhr wieder: Warten.

Da erhielt ich Mittagessen. Letztlich wurde ich gegen 12:30 von zwei Kripobeamten abgeholt und entlassen. Ich erhielt außerdem bis zum 30. Juni ein Betretungsverbot für den gesamten Bereich Elmau und Garmisch.

Das Ganze geschah komplett ohne, dass man mir diese Straftat nachweisen konnte. Ein schwarzer Pullover und ein Schlauchschal reichten aus, um eingesperrt zu werden.

Mir wurde wieder bewusst, wie gefährlich es ist, links zu sein. Jederzeit muss man damit rechnen, aus unhaltbaren Gründen verhaftet und eingesperrt zu werden. Auch die unmenschlichen Bedingungen für die Inhaftierung und Ingewahrsamnahme in Bayern wurden wieder einmal klar.

Freiheit für alle Genossen und Genossinnen, die für ihre politische Arbeit hinter Gittern sitzen!

Hast du auch Repression erlebt?
Wir veröffentlichen deinen Erfahrungsbericht. Schreib uns an info@klassegegenklasse.org.

Zum Weiterlesen:

München: Polizeigewalt zum Auftakt der G7-Proteste

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