Brot und Rosen

Für Transrechte und Selbstbestimmung: Pride Month heißt kämpfen!

In diesem Pride-Month und darüber hinaus kämpfen wir mit aller Kraft gegen die Angriffe auf die Rechte von LGBTQ+, auf die Rechte von trans Jugendlichen und auf das Recht auf körperliche Selbstbestimmung.

Für Transrechte und Selbstbestimmung: Pride Month heißt kämpfen!
Foto: Aldara Zarraoa/ shutterstock.com

Dieser Pride-Month ist anders als die anderen.

Wir stehen vor einer Zeit, in der die in den letzten 50 Jahren errungenen Siege in noch nie dagewesener Weise zurückgenommen werden. Angriffe auf queere Menschen und queere Rechte nehmen zu, während der rechte Flügel seine politische Agenda zur Einschränkung unseres Rechts auf unsere Körper vorantreibt. Über 300 Gesetze, die sich gegen LGBTQ+ richten, wurden in den US-Parlamenten der einzelnen Bundesstaaten vorgeschlagen. Viele sind bereits verabschiedet worden. Viele dieser Gesetze haben es speziell auf trans Kinder und ihren Zugang zum Gesundheitswesen, zu Sportangeboten oder sogar zu Toiletten abgesehen.. Ein besonders schreckliches Gesetz aus Texas betrachtet die adäquate Gesundheitsfürsorge für trans Kinder als Kindesmissbrauch und verlangt, dass sie von ihren unterstützenden Eltern getrennt werden.

Sie haben es auf die Kinder abgesehen, auf die tapferen Kinder, die zu ihrer Wahrheit stehen.

Es ist schwer, ein Kind in einer heteronormativen und cis-normativen Gesellschaft zu sein, vor allem angesichts der Isolation, der Angst und des Mobbings. Ein Kind zu sein, bringt eine gewisse Hilflosigkeit mit sich: Dein Leben liegt in den Händen von Autoritätspersonen, die dich akzeptieren oder auch nicht, und meist trifft Letzteres zu.

In den letzten 50 Jahren haben wir für mehr Rechte, mehr Unterstützung für unsere Rechte und Repräsentation in den Medien gekämpft. Wir haben ein kleines bisschen Raum und Akzeptanz für queere Menschen gewonnen. Jetzt sehen wir uns mit einer wütenden Reaktion gegen diese winzigen Fortschritte konfrontiert, die wir gewonnen haben.

Das sollte uns alle zutiefst wütend machen.

Die Angriffe auf die Rechte von queeren Menschen gehen einher mit einem massiven Angriff auf die reproduktiven Rechte – auf das Recht auf Abtreibung. Einige würden dies gerne als ein Thema spezifisch für heterosexuelle Frauen darstellen und diese Kämpfe voneinander trennen, aber das ist einfach nicht wahr. Die Angriffe auf die Abtreibungsrechte sind auch Angriffe auf queere Menschen, von denen viele auch schwanger werden können.

Darüber hinaus deutet die durchgesickerte Stellungnahme des Obersten Gerichtshofs, mit der das Urteil Roe v. Wade gekippt werden soll, darauf hin, dass einige Richter noch weiter gehen wollen und daran interessiert sind, andere Entscheidungen zu kippen, die die Grundlage für die von queeren Menschen errungenen Rechte bildeten. Darunter das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe und die Legalisierung von gleichgeschlechtlichem Sex. In diesem Sinne müssen wir uns in diesem Pride-Month mit aller Kraft gegen die Angriffe auf das Recht auf Abtreibung wehren, denn die Aufhebung des Roe-Urteils wird tödliche Auswirkungen auf queere Menschen haben, selbst auf diejenigen, die niemals Zugang zu Abtreibungen benötigen werden.

Diese Angriffe stehen im Widerspruch zu dem, was man uns über den Kampf für die Rechte queerer Menschen erzählt hat. Von Journalist:innen über Politiker:innen bis hin zu Geschichtslehrbüchern stellen viele den historischen Kampf für die Befreiung als eine Treppe dar, auf der stufenweise Rechte gewonnen und regressive Haltungen im Laufe der Geschichte beiseite geworfen werden. Das gilt nicht für queere Menschen und es gilt auch nicht für alle anderen. Es gilt nicht für die Rechte der Frauen oder für die Rechte der Schwarzen Menschen in dieser rassistischen Gesellschaft. Wie wir derzeit sehen, ist im Kapitalismus – einem System, das auf Ausbeutung und Unterdrückung beruht – kein Sieg von Dauer. An einem Tag gestehen sie uns unsere Rechte zu, am nächsten Tag nehmen sie sie wieder weg.

Eine zunehmend rechtsgerichtete republikanische Partei, die durch den Trumpismus ermutigt und geprägt wurde, führt die Angriffe auf unsere Rechte und auf die Rechte anderer unterdrückter Gruppen an. Sie greifen das Wahlrecht an, das Recht auf Abtreibung, die Rechte von trans Jugendlichen und die Möglichkeit, in den Schulen über die rassistische Geschichte der USA zu unterrichten. Sie führen eine wütende Gegenreaktion gegen eine Generation an, die queer ist, die sich gewerkschaftlich organisieren will und die Teil der Black Lives Matter Bewegung ist.

Die Demokratische Partei hingegen ist mehr als glücklich, sich in jedem Pride-Month mit Regenbögen zu schmücken und über ihre Pronomen als Zeichen ihrer „Wokeness“ zu sprechen, wenn sie Stimmen will. Aber nicht nur, dass die Demokrat:innen mit ihrer Mehrheit in zwei von drei Zweigen der Regierung nichts tun, um diese Angriffe abzuwehren; sie führen auch die Angriffe auf unsere Rechte an. Im ganzen Land haben die Demokrat:innen die Polizei Budgets aufgestockt und sich ausdrücklich gegen eine Kürzung der Mittel für die Polizei ausgesprochen (z.B. bei Joe Bidens Rede zur Lage der Nation). Außerdem sperren sie Migrant:innen an der Grenze und POCs im Gefängnis ein. In diesem Pride-Month gedenken wir Roxanna Hernandez und Victoria Arellano, die aufgrund der schrecklichen Bedingungen in den ICE-Gefängnissen der Trump- und Obama-Administrationen starben, sowie Layleen Polanco, die im Rikers-Gefängnis in New York City starb.

Bei den Rechten von Homosexuellen, den Rechten von Frauen und der körperlichen Selbstbestimmung im Allgemeinen haben wir wieder Rückschritte zu verbuchen und beide Parteien haben uns das eingebrockt.

Und während die Konzerne uns versuchen zu schmeicheln, indem sie Regenbögen auf ihre Produkte malen, ist der Regenbogenkapitalismus nur eine Fassade, um die brutale Ausbeutung der Arbeiter:innen in den ausbeutenden Betrieben, die diese Produkte herstellen, zu verbergen. Starbucks ist ein klares Beispiel dafür – obwohl sie sich jeden Pride-Month in Regenbogenfarben hüllen und davon sprechen, für LGBTQ+-Rechte einzutreten – betreibt das Unternehmen derzeit ekelhafte Gewerkschaftszerschlagung und hat es besonders auf queere Menschen abgesehen.

Regenbogenkapitalismus bedeutet Befreiung für die Wenigen an der Spitze – für diejenigen, die wohlhabend und weiß genug sind, um sich ihren Weg zu Sicherheit und Geborgenheit zu erkaufen und tolle queer-freundliche Sommerferien im zionistischen Staat Israel oder auf einer tropischen Insel zu verbringen, welche dem IWF Milliarden schuldet – was Armut und Verzweiflung für die große Mehrheit der queeren Menschen garantiert. Regenbogenkapitalismus bedeutet, dass Grundschulen, deren Besuch über 50.000 Dollar pro Jahr kostet, einen Pride-Month in Regenbogenfarben feiern, während Lehrer:innen gefeuert werden, wenn sie auch nur erwähnen, dass sie queer sind und die Schüler:innen über ihre eigene Identität nachdenken lassen.

Wir müssen aufstehen und kämpfen. Keiner wird das für uns tun.

Wir können den Gerichten nicht trauen, die gezeigt haben, dass sie uns unsere Rechte wegnehmen werden. Wir können der Demokratischen Partei nicht trauen, die derzeit an der Spitze der US-Regierung steht und diesen Rückschritt bei unseren Rechten anführt. Wenn wir uns nicht mobilisieren, werden uns die wenigen Rechte, die uns zugestanden wurden, wieder genommen.

Dieser Pride-Month sollte ein Monat des Stolzes, der Wut und des Kampfes sein. Wir sollten den Geist von Stonewall aufgreifen – aufstehen, zurückschlagen,Steine auf die Polizist:innen werfen und uns auf der Straße organisieren.

Mit all den Regenbogen-Polizist:innen und -Konzernen haben wir uns an den Kampf gewöhnt. Vor einigen Jahren schrieb Left Voice: „Keine andere Gruppe ist so schnell von einer solchen Marginalisierung zu einer kapitalistischen Assimilation übergegangen. In nur fünfzig Jahren haben uns die Bullen verprügelt, vergewaltigt und verhaftet, um dann in unserer Parade mitzumarschieren.“

Man hat uns zu der Vorstellung verleitet, dass wir unsere Rechte geradlinig und progressiv gewinnen, indem wir Rechte anhäufen, bis wir Gleichheit erreichen. Das ist aber nicht wahr.

Wir werden kämpfen müssen, um zu verteidigen, was wir gewonnen haben, und diese Kraft nutzen, um für mehr zu kämpfen.

Und wir sind Teil einer neuen kämpferischen Generation, die diesen Kampf aufnehmen muss. Wir sehen das an den queeren Menschen, die im ganzen Land Gewerkschaftsinitiativen anführen, von Amazon über Starbucks bis hin zu Trader Joe’s, Target und anderen. Wir sehen das an unseren heterosexuellen und cis Kolleg:innen, die ebenfalls diesen Kampf an unserer Seite aufnehmen, wie die Starbucks-Mitarbeiterin in Minneapolis, die sagte: „Ich brauche eine Gewerkschaft als Arbeiterin, aber ich weiß, dass es besonders wichtig für meine trans Kolleg:innen ist, ihre Rechte zu verteidigen. Deshalb kämpfe ich für eine Gewerkschaft.“

Wir sind Teil einer Generation, die weiß, dass das Leben von Schwarzen Menschen wichtig ist und dass die Bullen auf der Pride-Parade nichts zu suchen haben.

Wir sind eine Generation, die das Pinkwashing ablehnt und für ein freies Palästina kämpft.

Dieser Pride-Month ist nicht wie die anderen; er ist ein Monat der Wut, des Trotzes. Ein Monat, um eine Massenbewegung anzustoßen, die alles verändern wird.

Originalartikel bei Left Voice.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.