Jugend

Frauen*streik und TV‑L zusammenführen! Für eine Studierendenbewegung an der Seite der Frauen* und Arbeiter*innen!

An der Universität gibt es genügend Gründe für einen Frauen*streik: Sexistische Lehrinhalte, erniedrigende Sprüche in Seminaren und auf den Fluren, Belästigung und sexualisierte Gewalt, sexistische Arbeitsbedingungen, Outsourcing und Befristung, unzureichend ausgestattete Kinderbetreuung, Dreifachbelastung für Frauen* von Studium, Lohnarbeit und unbezahlter Hausarbeit – die Liste ist lang.

Frauen*streik und TV-L zusammenführen! Für eine Studierendenbewegung an der Seite der Frauen* und Arbeiter*innen!

Der bun­desweite Frauen*streik am 8. März schließt an inter­na­tionale Bewe­gun­gen an, z.B. im Spanis­chen Staat oder Argen­tinien. Auch dort haben Frauen* Lohn- und Hausar­beit bestreikt: für das Recht auf legale und kosten­lose Abtrei­bung, für gle­ichen Lohn bei gle­ich­w­er­tiger Arbeit, gegen Gewalt an Frauen, für die Anerken­nung von Hausar­beit als Arbeit etc. Sie richt­en sich damit gegen die Angriffe auf Frauen* und ihre Kör­p­er, gegen Neolib­er­al­isierung und Recht­sruck.

Um die Gesellschaft wirk­lich lah­mzule­gen, müssen wir den Frauen*streik an die Lern- und Arbeit­splätze brin­gen. Die Voraus­set­zun­gen dafür, den Frauen*streik an die Uni zu brin­gen, sind gut, find­et doch aktuell die Tar­i­fau­seinan­der­set­zung um den Tar­ifver­trag der Län­der (TV‑L) statt. Der TV‑L ist eine Vere­in­barung zwis­chen den Gew­erkschaften und den Bun­deslän­dern über die Löhne und Arbeits­be­din­gun­gen von über ein­er Mil­lion Arbeiter*innen, darunter auch die Mehrheit der Beschäftigten an den Unis. Der Tar­ifver­trag wird in der Regel alle zwei Jahre ver­han­delt. Am heuti­gen 29. Jan­u­ar ist der erste Warn­streik­tag an der FU Berlin, weit­ere wer­den fol­gen. Wir drück­en unsere voll­ste Sol­i­dar­ität mit dem Streik der TV-L-Beschäftigten aus, und ste­hen in diesem Kampf an ihrer Seite.

Gegen sexistische Arbeitsbedingungen an der Uni!

Durch die neolib­erale Umstruk­turierung der Uni ist der Druck auf die Studieren­den gestiegen, das Studi­um so schnell wie möglich abzuschließen und sich während­dessen nicht mit gesellschaftlichen Auseinan­der­set­zun­gen beschäfti­gen. Durch Indi­vid­u­al­isierung, Leis­tungs­druck, Sorge um die Finanzierung des Studi­ums wur­den Uni­ver­sitäten ent­poli­tisiert.

Dieser Prozess trifft gle­ichzeit­ig die Unibeschäftigten. Denn während die Zahl der Studieren­den immer höher wird, arbeit­en wegen des Stel­len­ab­baus immer weniger Beschäftigte in Vol­lzeit­stellen – und müssen trotz­dem Vol­lzeitauf­gaben erfüllen. Befris­tung und ger­ingfügige Beschäf­ti­gung bedeuten ein Leben an der Armutsgren­ze, per­ma­nen­ten Leis­tungs­druck und Zukun­ft­säng­ste. Die Uni ist der Ort der Befris­tung schlechthin: So sind über 90% aller wis­senschaftlichen Anstel­lun­gen befris­tet. Auf­grund von Sorgev­erpflich­tun­gen lei­den beson­ders Frauen* unter diesen Prozessen.

Durch Pri­vatisierung, Aus­lagerung in kün­stliche Tochterun­ternehmen und unter­schiedliche Tar­ifverträge wur­den die Belegschaften der Hochschulen ges­pal­ten. Das Ziel ist ein­deutig: Tar­ifverträge umge­hen, Löhne drück­en und let­z­tendlich ver­hin­dern, dass die Arbeiter*innen gemein­sam streiken kön­nen.

Auch von dieser Poli­tik sind Frauen* und Migrant*innen beson­ders betrof­fen, da sie oft­mals gezwun­gen wer­den, in prekärsten Ver­hält­nis­sen zu arbeit­en. Seit Jahren wer­den die Reini­gungskräfte der FU Berlin, die zu einem Großteil migrantis­che Frauen* sind, in immer wieder neue pri­vate Unternehmen aus­ge­lagert.

Obwohl die Mehrheit der Beschäftigten an der Uni durch Tar­ifverträge abgedeckt ist, sind weib­lich dominierte Bere­iche wesentlich schlechter bezahlt. Es befind­en sich viel weniger Frauen in höheren Ent­gelt­grup­pen. Dazu kommt, dass nur 19% der Professor*innen in Deutsch­land weib­lich sind, während Frauen* mehr als die Hälfte der Studieren­den aus­machen.

Unsere Antwort dage­gen muss gegen­seit­ige Sol­i­dar­ität und ein gemein­samer Kampf sein. Dafür müssen wir den Frauen*streik mit seinen fem­i­nis­tis­chen Forderun­gen und die Streiks für den TV‑L verbinden.

Frauen*streik an jedem Ort!

Die Führun­gen der Gew­erkschaften jedoch begren­zen sich nur auf die soge­nan­nten “ökonomis­chen” Forderun­gen: In der aktuellen Tar­ifrunde des TV‑L wer­den nur höhere Löhne gefordert, während Befris­tun­gen, Out­sourc­ing und Kita- und Pflegekrise den All­t­ag der Beschäftigten bes­tim­men.

Damit ein gemein­samer Streik Wirk­lichkeit wird, brauchen wir eine Organ­isierung an den Orten, wo wir sind – in Schulen, Betrieben, Uni­ver­sitäten und Nach­barschaften. Wir müssen unsere Forderun­gen selb­st bes­tim­men, dafür mobil­isieren und kämpfen. Aus der Basis müssen wir Druck auf die reformistis­chen Führun­gen der Gew­erkschaften, SPD und der Linkspartei auf­bauen, die uns nur mit Krümeln zufrieden stellen wollen.

Rund um den 8. März müssen ver.di und die GEW zu Streiks oder zu ganztägi­gen Per­son­al- und Betrieb­sver­samm­lun­gen in allen Schulen, Unis und Betrieben aufrufen. Dort kön­nen wir Diskus­sio­nen mit allen Beschäftigten und Ler­nen­den führen, auf unter­schiedliche Unter­drück­ungsver­hält­nisse aufmerk­sam machen und unsere Forderun­gen als Beschäftigte und als Frauen* demokratisch bes­tim­men.

In dieser Hin­sicht kön­nen wir in Deutsch­land von den Erfahrun­gen in anderen Län­dern wie im Spanis­chen Staat oder Argen­tinien ler­nen, wo Studierende und Arbeiter*innen sich für die Erkämp­fung solch­er Forderun­gen zusam­mengeschlossen haben und es gemein­sam geschafft haben, dass große Gew­erkschaft­sap­pa­rate für die poli­tis­chen Forderun­gen mobil­isiert haben.

Wie weiter? Basiskomitees!

Die heutige Vol­lver­samm­lung ist ein wichtiger Schritt, um die Studieren­den und Beschäftigten für den 8. März zum Frauen*streik zu mobil­isieren. Wir brauchen Basis­struk­turen, in denen wir uns gemein­sam organ­isieren, unsere Forderun­gen in die Tiefe disku­tieren, und an der Uni mobil­isieren. In solchen Struk­turen (z.B. Frauen*streik- und TV-L-Komi­tees), soll­ten sich alle von uns – unab­hängig von zugeschrieben­em und gelebtem Geschlecht – gemein­sam organ­isieren. Dabei soll­ten die Frauen* im Kon­text des Frauen*streiks eine führende poli­tis­che Rolle spie­len. Aus solchen Struk­turen her­aus kön­nen wir Aktio­nen organ­isieren, die Streiks der TV-L-Kolleg*innen und auch ander­er unter­stützen und Studierende und Beschäftigte für einen Uni-Block auf der Demon­stra­tion am 8. März mobil­isieren.

Wir wollen, dass die Uni­ver­sitäten wieder Orte wer­den, von denen aus wir gemein­sam – als Arbeiter*innen und Studierende – unsere Kämpfe führen und eine entschei­dende Rolle in gesamt­ge­sellschaftlichen Kämpfen spie­len kön­nen.

Für eine Studieren­den­be­we­gung an der Seite der Frauen* und Arbeiter*innen!

Was will organize:strike? Eine Uni­ver­sität im Dien­ste der Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten!

Für eine Lehre im Sinne der über­wälti­gen­den Mehrheit der Uni-Ange­höri­gen fordern wir die Bes­tim­mung der Inhalte von Forschung und Lehre durch die Studieren­den und Angestell­ten. Weg mit ras­sis­tis­chen, sex­is­tis­chen und neolib­eralen Lehrin­hal­ten, Drittmit­tel­fi­nanzierung und Rüs­tungs­forschung an der Uni. Stattdessen brauchen wir The­o­rien an der Uni, die die Über­win­dung des beste­hen­den kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tems und sein­er mul­ti­plen Unter­drück­ungs­for­men wie Ras­sis­mus und Sex­is­mus in den Fokus nehmen.

Wir fordern ein Ende von Out­sourc­ing und Befris­tung, die Rück­führung aller Beschäftigten in den Stamm­be­trieb und die Ent­loh­nung aller nach TV‑L! Die Beschäftigten sollen selb­st, sta­tus­grup­penüber­greifend über ihre Forderun­gen in Streikver­samm­lun­gen bes­tim­men. In der Per­spek­tive ein­er durch die Beschäftigten und Studieren­den ver­wal­teten Uni kämpfen wir für die Ein­heit von Arbeiter*innen und Studieren­den!

Wir sind der Ansicht, dass die Uni voll­ständig demokratisiert wer­den muss: Das Prä­sid­i­um muss abgeschafft wer­den. Alle Hochschul­gremien müssen nach dem Prinzip „eine Per­son, eine Stimme“ – also ohne Priv­i­legien für bes­timmte Sta­tus­grup­pen – umstruk­turi­ert wer­den. Wir wollen eine lebendi­ge Massendemokratie mit Ver­samm­lun­gen, in denen alle Hochschu­lange­höri­gen gemein­sam entschei­den und ihre Entschei­dun­gen auch selb­st umset­zen – sowohl über die Ver­wal­tung der Uni als auch über Lehr- und Forschungsin­halte. Wir wollen keine abge­hobene Unibürokratie, son­dern auf allen Ebe­nen direkt gewählte und auch abwählbare Vertreter*innen, die jed­erzeit Rechen­schaft über ihre Tätigkeit­en able­gen müssen.

Wir wollen eine Uni, in der Platz für alle ist. Eine Uni, an der die unter­drück­testen und ärm­sten Teile der Gesellschaft frei von Diskri­m­inierung ihre Wun­schfäch­er studieren und am Uni­ver­sität­sleben teil­nehmen kön­nen. Wir fordern den uneingeschränk­ten Hochschulzu­gang für Geflüchtete, die Anerken­nung aller aus­ländis­chen Stu­di­en­leis­tun­gen und Abschlüsse, einen erhöht­en Bafögsatz für alle Studierende – unab­hängig von den Eltern und ohne Rück­zahlpflicht –, kosten­losen öffentlichen Nahverkehr und den mas­siv­en Bau von Studieren­den­wohn­heimen. Wir fordern, dass an den Uni­ver­sitäten aus­re­ichende kosten­lose Kitas und Kinder­be­treu­ung ein­gerichtet wer­den, deren Öff­nungszeit­en von den Beschäftigten der Kitas und den Ange­höri­gen der Uni­ver­sität gemein­sam bes­timmt wer­den und wo die Erzieher*innen mit ein­er guten Vergü­tung ohne Per­sonal­man­gel arbeit­en kön­nen. Die Mit­tel dafür sollen durch die Erhöhung des Steuer­satzes für Großkonz­erne und Reiche erzielt wer­den.

Offenes Tre­f­fen von organize:strike an der FU
Mon­tag, 4. Feb­ru­ar, 16 Uhr, Foy­er vor der Men­sa II, Rost- und Sil­ber­laube

 

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