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Erste Streikversammlung

Erste Streikversammlung

Am Ende der dritten Streikwoche, d.h. nach 15 Tagen im Streik, fand die erste Streikversammlung an der CFM statt. Bereits seit der ersten Woche hatten verschiedene KollegInnen – genauso wie AktivistInnen von RIO – regelmäßige Streikversammlungen gefordert. Doch die ungewählte Streikleitung, an der auch Mitglieder der SAV teilnahmen, lehnte diese Forderung ab. Als Ersatz für wirkliche Streikdemokratie argumentierten sie, dass jedeR individuell an den Sitzungen der Streikleitung teilnehmen könnte. Gleichzeitig hieß es, dass die KollegInnen keine Lust auf Versammlungen hätten. Doch im Gegensatz zu dieser Einschätzung forderten sechs KollegInnen tägliche Versammlungen in einem Flugblatt, das sie am 28. September verteilten. Und die erste Versammlung zwei Tage später stieß in der Tat auf reges Interesse…

Seit nunmehr drei Wochen sind die Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM), der 2006 ausgegliederten und teilprivatisierten Dienstleistungstochter des Berliner Universitätsklinikums Charité, im Streik. Am 30. September fanden sich die streikenden Beschäftigten und verschiedene solidarische UnterstützerInnen am Campus Benjamin Franklin in Steglitz zur ersten Streikversammlung ein, um den bisherigen Streikverlauf auszuwerten und über die nächsten Schritte zu diskutieren.

Zu Beginn berichtete Ver.di-Verhandlungsführerin Sylvia Krisch von den immer spürbarer werdenden Auswirkungen des Streiks auf die Hygiene, die Materiallieferungen und die anstehenden OPs in der Charité, und beglückwünschte die anwesenden Streikenden für ihre bisherige Ausdauer. Daraufhin ging die Diskussion zur Planung für die nächsten Streikwochen über, an der sich dutzende Streikende beteiligten. Dabei wurde lebhaft über verschiedenste Ideen zur Mobilisierung der bisher nicht streikenden Beschäftigten, zur Solidaritätsarbeit und Öffentlichkeitswirksamkeit des Streiks und zu strategischen Angriffspunkten, mit denen der Streik gewonnen werden kann, diskutiert. Beiträge kamen auch von vielen, die nicht Teil der Streikleitung sind, aber durch den Rahmen der Streikversammlung dazu ermutigt wurden, ihre Vorstellungen mit den Anwesenden zu teilen. Speziell wurde auch über Ideen diskutiert, wie man die gestellten Beschäftigten der Charité, die zum Solidaritätsstreik aufgerufen sind, davon überzeugen kann, den Streik zu unterstützen, der nicht nur unmittelbare Lohnforderungen betrifft, sondern, wie von mehreren Streikenden betont wurde, ein „Prinzipienkampf“ gegen die unhaltbaren Zustände der Tariflosigkeit, prekärer Beschäftigungen und Sparwahns ist, der im Falle eines Sieges eine Signalwirkung weit über die CFM hinaus haben kann. Zum Ende betonten mehrere Redner den Erfolg dieser ersten Streikversammlung und forderten eine baldige Wiederholung.

Währenddessen werden die Einschüchterungsmaßnahmen der Geschäftsführung der CFM immer dreister. Nicht nur werden seit Wochen nicht streikende Kollegen der CFM mit geringen Lohnerhöhungen und Geschenken bestochen, den Streik zu boykottieren, oder verschiedene Leiharbeitsfirmen zum Streikbruch eingesetzt. Wie ver.di mitteilte, werden „jetzt alle krankgeschriebenen CFM-Beschäftigten vom Arbeitgeber angeschrieben […], mit der Aufforderung, sich beim Medizinischen Dienst vorzustellen, da ihre Krankschreibung angezweifelt wird. Offenbar will der Arbeitgeber so erreichen, dass die Beschäftigten auch trotz Krankheit zum Dienst erscheinen. Da der Streik Wirkung zeigt, muss die Arbeitgeberseite zu derartigen Mitteln greifen.“

aus der jungen Welt vom 30.09.2011

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