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Erdogan lässt linke Studierende in Istanbul verhaften

Student*innen der Universität Boğaziçi in Istanbul protestierten gegen eine Aktion islamistischer Studierender zur Unterstützung des Krieges der türkischen Armee in Afrin. Jetzt wurden die Demonstrant*innen von der Polizei verhaftet. Der türkische Präsident hat geschworen sie auszuweisen, weil sie "Terroristen" sind.

Erdogan lässt linke Studierende in Istanbul verhaften

“Das sind ter­ror­is­tis­che Jugendliche!” Das sagte der türkische Präsi­dent Recep Tayyip Erdo­gan über linke Student*innen an der renom­mierten Uni­ver­sität Boğaz­içi in Istan­bul. Er sprach am Sam­stag auf einem Kongress sein­er regieren­den Partei für Gerechtigkeit und Entwick­lung (AKP).

Am ver­gan­genen Mon­tag ver­sam­melten sich rund 20 islamistis­che Student*innen an der Uni­ver­sität Boğaz­içi, um den Sieg der türkischen Armee in der syrischen Prov­inz Afrin zu feiern. Sie verteil­ten Süßigkeit­en (Lokum, auch bekan­nt als “Turk­ish delight ”) an Passant*innen.

Linke Schüler*innen und Kriegsgegner*innen organ­isierten einen Gegen­protest. Etwa 25 von ihnen hiel­ten ein Ban­ner mit der Auf­schrift: “Es gibt nichts zu feiern an Krieg und Besatzung!” Es war ein friedlich­er Protest.

Sofort begann in den sozialen Medi­en eine Het­z­jagd gegen die Aktivist*innen, die bald von den Massen­me­di­en aufge­grif­f­en wurde. Der Uni­ver­sitäts­di­rek­tor vertei­digte die “Rede­frei­heit” der islamistis­chen Student*innen während er die Anti-Kriegsaktivist*innen “Ter­ror­is­ten” nan­nte – ohne irgen­deine weit­ere Erk­lärung. Das ist typ­isch für die Türkei Erdo­gans: Jed­wede Oppo­si­tion gegen die Regierung wird als “ter­ror­is­tisch” beze­ich­net. Die AKP ver­sucht das Uni­ver­sitäts­ge­setz zu ändern, um den Auss­chluss von Student*innen aus der Uni­ver­sität zu erle­ichtern und so die Kri­tik zum Schweigen zu brin­gen.

Am Don­ner­stag­mor­gen wur­den sechs Student*innen von der Polizei in ihren Häusern ver­haftet. Bis zum Mit­tag des sel­ben Tages hat­ten sich Student*innen an der Uni­ver­sität Boğaz­içi ver­sam­melt, um gegen die Repres­sion zu protestieren. Vor Ort wur­den sieben weit­ere Per­so­n­en von der Polizei festgenom­men. Von den 13 am Don­ner­stag Ver­hafteten, wur­den sieben am sel­ben Tag und drei weit­ere am Fre­itag wieder freige­lassen. Noch ein*e weitere*r Aktivist*in wurde am Fre­itag festgenom­men. So verbleiben im Moment vier Student*innen im Gefäng­nis.

Die meis­ten Aktivist*innen kom­men von der Mark­sist Fikir Toplu­luk­ları (Gemein­schaft für Marx­is­tis­che Ideen, MFT) und der Sosyal­ist Emekçil­er Par­tisi (Sozial­is­tis­che Arbeiter*innenpartei, SEP), trotzk­istis­che Organ­i­sa­tio­nen mit ein­er lan­gen Tra­di­tion an der Istan­buler Uni­ver­sität.

Der Präsi­dent hat die ver­hafteten Stu­den­ten per­sön­lich verurteilt. “Die gottes­fürchtige, nationale und lokale Jugend ver­bre­it­ete Turk­ish delight für Afrin”, sagte Erdo­gan auf dem AKP-Kongress in Sam­sun, laut der Nachricht­en­seite Ahval. Dann “ver­sucht­en diese kom­mu­nis­tis­chen, lan­desver­rä­ter­ischen Jugendlichen, den Stand zu zer­stören. Sie sind ter­ror­is­tis­che Jugendliche.” Erdo­gan ver­sprach, linke Student*innen aus der Uni­ver­sität auszuschliessen. “Wir wer­den ihnen nicht das Recht geben, zu studieren. Uni­ver­sitäten dür­fen keine ter­ror­is­tis­chen Jugendlichen erziehen.

Erdo­gan hat­te zuvor erk­lärt, dass die Uni­ver­sität Boğaz­içi keine “türkischen Werte” repräsen­tiere. Trotz zunehmender Repres­sio­nen der Erdo­gan-Regierung gegen die akademis­chen Frei­heit­en, gibt es immer noch eine starke linke Bewe­gung in Boğaz­içi. Erdo­gan ver­sucht nun mit Kriegspro­pa­gan­da und polizeilich­er Repres­sion, die Studieren­den­be­we­gung dort zu brechen.

Wir bekun­den unsere uneingeschränk­te Sol­i­dar­ität mit den ver­hafteten Student*innen und fordern ihre sofor­tige Freilas­sung. Wir unter­stützen ihren Kampf gegen Erdo­gans autoritäre Regierung und den Krieg gegen die Kurd*innen und andere Völk­er in Afrin.

Der Artikel im englis­chen Orig­i­nal auf unser US-amerikanis­chen Schwest­er­seite Left Voice.

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