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Erdogan fordert die Türk*innen auf, Lira zu kaufen

Inmitten der Kursänderung, die die Lira in diesem Jahr bisher um 75% abgewertet hat, bat Erdogan die türkische Bevölkerung, ihre Dollar und ihr Gold zu verkaufen. Trump kündigte Zölle auf Aluminium und Stahl an.

Erdogan fordert die Türk*innen auf, Lira zu kaufen

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei, die sich infolge der Abw­er­tung ver­schlechtert, hat an diesem Fre­itag zwei neue schlechte Nachricht­en erhal­ten. Auf der einen Seite forderte Präsi­dent Erdo­gan die Bevölkerung auf, ihre Devisen zu verkaufen, um die türkische Lira zu ret­ten, was wie ein schlechter Witz schien, während Trump neue Zölle auf Alu­mini­um ankündigte, die einen Schock aus­lösten.

Das Szenario scheint kom­plex zu sein. Die türkische Währung, die Lira, wurde in diesem Jahr bere­its um 75 Prozent abgew­ertet. Allein in diesem Monat waren es um die 25 Prozent.
An diesem Fre­itag sank die Lira um 14%, weshalb Präsi­dent Tayyip Erdo­gan in einem Zus­tand der Verzwei­flung an den Nation­al­is­mus appel­lierte, um die zunehmende Abw­er­tung der Lira zu been­den. In ein­er Rede vor seinen Anhänger*innen bat der Präsi­dent die Bevölkerung, Gold, Dol­lar und Euro gegen Lira einzu­tauschen.

“Wenn jemand Dol­lar oder Gold unter der Matratze hat, sollte er sie in unseren Banken gegen Lira ein­tauschen. Dies ist eine nationale Schlacht”, sagte Erdo­gan ein­er Menge in der nordöstlichen Stadt Bay­burt. Weit­er sagte er:“Dies wird die Antwort meines Volkes gegen diejeni­gen sein, die einen Wirtschaft­skrieg gegen uns geführt haben”.
Der Präsi­dent appel­lierte damit an den Patri­o­tismus der türkischen Bevölkerung, während er gle­ichzeit­ig behauptete dass eine düstere “Zinslob­by” und west­liche Rat­ing-Agen­turen ver­suchen wür­den die türkische Wirtschaft zu sabotieren.

Um deut­lich zu machen, dass sein “Kampf” um die Lira ein­fach­er Nation­al­is­mus ist, ver­glich Erdo­gan den Kampf gegen die Abw­er­tung der Lira mit dem Krieg gegen seine Geg­n­er und ver­glich die Nieder­lage des Putschver­suchs vom Juli 2016, mit der Nieder­lage, den er nun den Spekulant*innen beib­rin­gen möchte: “Sie scheit­erten mit dem Putsch vom 15. Juli. Sie wer­den wieder ver­lieren wie zuvor”, sagte er.

Schlim­mer noch, er ver­glich es mit den ange­blichen Ter­ror-Organ­i­sa­tio­nen in der Türkei, wom­it er die gesamte Oppo­si­tion meint: “Wir haben den Islamis­chen Staat und die YPG in Syrien getrof­fen, die PKK im Irak, und wir haben den von FETÖ organ­isierten Putsch been­det, jet­zt kom­men sie zu uns mit einem Dol­larkurs, aber wir wer­den auch diesen Plan durchkreuzen”.

Trotz der Bemühun­gen von Erdo­gan set­zte der Lira-Kurs jedoch seinen Fall fort. Dieser wurde durch die Ankündi­gung der USA vor­angetrieben, die Ein­fuhrzölle auf Stahl und Alu­mini­um aus türkisch­er Pro­duk­tion zu erhöhen.

Don­ald Trump sagte am Fre­itag, dass er eine Erhöhung der Zölle auf Ein­fuhren aus der Türkei genehmigt habe. Die Zölle sollen auf 20 Prozent für Alu­mini­um und 50 Prozent für Stahl fes­tlegt wer­den.

In ein­er pro­vokan­ten Botschaft wies Trump auf Twit­ter darauf hin, dass die Lira “schnell gegen die große Stärke unseres Dol­lars fällt!” Er schrieb in einem weit­eren Tweet, dass “unsere Beziehun­gen zur Türkei im Moment nicht gut sind”.

Trump scheint also den Mech­a­nis­mus für den Umgang mit seinen Konkurrent*innen oder Gegner*innen weit­er zu ver­fein­ern. Der Han­del­skrieg und das Ver­hän­gen von Zöllen haben ihm mit­ten im Wahlkampf zu den Hal­bzeit­wahlen ein gün­stiges wirtschaftlich­es Szenario beschert, doch ohne das damit die Kampf­bere­itschaft der anderen Mächte sprung­haft ansteigen würde, welche er auf einem Gipfel nach dem anderen vor­führt.
Die Krise bre­it­ete sich auch außer­halb der Türkei aus. So verkaufen Investor*innen Anteile von europäis­chen Banken, die viel in der türkischen Wirtschaft mit­mis­chen.

Der neue Finanzmin­is­ter Berat Albayrak — Erdo­gans Schwiegersohn — erkan­nte an, wie uner­lässlich eine unab­hängige Zen­tral­bank für die Wirtschaft uner­lässlich ist. Er ver­sprach eine größere Haushalts­diszi­plin und den Struk­tur­refor­men Vor­rang zu geben.

Die Abw­er­tung der Lira hat die Besorgnisse über Inven­tio­nen in der Türkei ver­stärkt. Ins­beson­dere fragt man sich , ob über­schuldete Unternehmen in der Lage sind, aufgenommene Kred­ite, die den Bauboom unter Erdo­gan finanzieren, in Euro und Dol­lar zurück­zuzahlen.

Erdo­gans trotziger und wenig glaub­würdi­ge Ton ver­stärkt angesichts der Krise die Ner­vosität unter den Anleger*innen.

Die Lira, die in diesem Jahr ein Drit­tel ihres Wertes ver­loren hat, belief sich bei rund 6,05 Lira pro Dol­lar. Das sind fast 9 Prozent weniger war als am Vortag.

Der Artikel auf La Izquier­da Diario.

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