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Ein streikender Mitarbeiter der VSG berichtigt die Berliner Morgenpost

Heute hat die Berliner Morgenpost zum ersten Mal über den Streik bei der Vivantes Service GmbH berichtet. Immerhin – nach fast sechs Wochen Arbeitskampf im größten Krankenhauskonzern Berlins. Leider ist der Artikel voller Ungenauigkeiten und Fehler. Ein streikender Mitarbeiter schrieb diese Richtigstellung auf Facebook, die wir hier spiegeln.

Ein streikender Mitarbeiter der VSG berichtigt die Berliner Morgenpost

Sehr geehrter Herr Abel,

ich möchte als Angestell­ter bei der VSG zu Ihrem Artikel über den Streik der Vivantes-Tochter VSG fol­gen­des anmerken:

Sie schreiben:

Ver­di fordert schon seit zwei Jahren eine Angle­ichung an den Tar­ifver­trag des öffentlichen Dien­stes (TVöD) und damit an die Löhne der 600 Mitar­beit­er, die ähn­liche Tätigkeit­en ausüben, aber direkt bei der Vivantes-Mut­ter angestellt sind.

Richtig ist, dass die Mitarbeiter*innen der VSG genau die gle­iche Tätigkeit ausüben, die gle­iche Leis­tung brin­gen müssen, und dafür bis zu 800 Euro weniger Lohn erhal­ten.

Sie schreiben:

Vivantes hat ein Ange­bot vorgelegt, nen­nt aber während der laufend­en Tar­i­fau­seinan­der­set­zung keine Inhalte.

Dieses so genan­nte Ange­bot sah lediglich vor, das nur die Mitarbeiter*innen der Ster­il­i­sa­tion 300 Euro mehr erhal­ten und alle anderen Angestell­ten der 17 ver­schiede­nen Töchter leer aus­ge­hen. Daraufhin haben die Angestell­ten der Ster­il­i­sa­tion – und nicht ver.di – mehrheitlich dafür ges­timmt, dieses unan­nehm­bare Ange­bot nicht anzunehmen und in den Streik zu treten.

Sie schreiben:

Ver.di betra­chtet das vorgelegte Ange­bot als unzure­ichend.

Richtig ist, dass die Angestell­ten der VSG dieses soge­nan­nte Ange­bot in ein­er Abstim­mung mehrheitlich abgelehnt haben.

Sie schreiben:

“Vivantes set­zt alles daran, die Auswirkun­gen des Streiks auf Patien­ten so ger­ing wie möglich zu hal­ten. Die Not­fal­lver­sorgung ist durch den Abschluss ein­er Not­di­en­stvere­in­barung gesichert”, sagte Unternehmenssprecherin Kristi­na Tsch­enett der Mor­gen­post. Geplante Oper­a­tio­nen wür­den zum Teil ver­schoben, um die Arbeits­be­las­tung in der Zen­tral­ster­il­i­sa­tion zu reduzieren.

Richtig ist, dass Vivantes gegen alle abgeschlosse­nen Not­di­en­stvere­in­barun­gen ver­stößt, indem sie für Streik­bruchar­beit­en Leas­ingkräfte ein­set­zt, Arbeits­bere­iche aus­lagert und Fremd­fir­men beauf­tragt.

So wird das Ster­il­i­sa­tion­sgut für die OP-Säle von unqual­i­fiziertem Per­son­al – Büroangestellte und Auszu­bildende ohne fachkundi­ge Aus­bil­dung – aus­ge­führt und ange­blich von aus­ge­bilde­tem Per­son­al überwacht.

So eine Überwachung würde aber bedeuten, dass an jed­er einzel­nen Arbeitssta­tion in der Ster­il­i­sa­tion ein*e fachkundige*r Mitarbeiter*in die Arbeit­en beauf­sichti­gen müsste, da jed­er einzelne Bere­ich eine Sachkunde voraus­set­zt.

Da Vivantes dies aus Man­gel an Facharbeiter*innen natür­lich nicht umset­zen kann – da diese sich ja im Streik befind­en – sollte jedem*r klar sein, dass Vivantes wissentlich die Gesund­heit der Patient*innen gefährdet, indem Vivantes es zulässt, ja sog­ar anord­net, in einem solch sen­si­blen Bere­ich Per­son­al ohne Sachkunde einzuset­zen.

Außer­dem lagert Vivantes die Auf­bere­itung des Ster­il­i­sa­tion­sguts sog­ar bis nach Ham­burg aus und scheut damit kein­er­lei Mehrkosten, nur um gegen getrof­fene Vere­in­barun­gen zu ver­stoßen und somit aber­mals den Streik zu unter­laufen und zu ver­suchen, so den Streik der VSG ins Leere laufen zu lassen.

Sie schreiben:

Wie viele plan­bare OPs bere­its ver­schoben wer­den mussten, teilt Vivantes nicht mit. Zu den Betrof­fe­nen gehört Uwe Geißler. Bei dem 66-Jähri­gen wurde Ende Jan­u­ar ein aggres­siv­er Prostatakrebs diag­nos­tiziert. Er suchte sich zur Behand­lung das Vivantes-Hum­boldt-Klinikum in Reinick­endorf aus, sollte am 3. Mai operiert wer­den. Am 1. Mai habe ihn Che­farzt Chris­t­ian Klopf angerufen und mit­geteilt, die OP könne wegen des Streiks in der Ster­ilgut­be­hand­lung nicht stat­tfind­en, sagte Geißler.

Richtig ist, dass das Hum­bold-Klinikum ger­ade nicht von dem Streik betrof­fen ist, da die dor­ti­gen elf OP-Säle ihr Ster­il­i­sa­tion­sgut aus der Zen­tral­ster­il­i­sa­tion im Kranken­haus Span­dau beziehen und dieses den Betrieb bis auf ganz wenige Aus­nah­men kom­plett aufrecht erhal­ten. Wenn es also tat­säch­lich eine Ver­schiebung der geplanten OP von Her­rn Geißler geben sollte, hat dies nichts mit Auswirkun­gen des Streiks zu tun.

Sie schreiben:

Nun ist sie für den 28. Mai ange­set­zt. Geißler hofft, dass es bei dem Ter­min bleibt. Er kri­tisierte die Gew­erkschaft. “Solch ein Bere­ich dürfte nicht bestreikt wer­den.”

Richtig ist, dass nicht die Gew­erkschaft für den Streik ver­ant­wortlich ist, son­dern der Berlin­er Sen­at und Vivantes, da diese sich in kein­er weise bemühen, den Streik beizule­gen und für gle­iche Löhne für gle­iche Arbeit zu sor­gen.

Noch zur Infor­ma­tion: Ich bin Angestell­ter der VSG und arbeite im Hum­boldt-Klinikum. Ich weiß also worüber ich schreibe.

Auch lege ich ihnen ans Herz sich für genaue Infor­ma­tio­nen direkt an ver.di zu wen­den. Dort ist man gerne bere­it die wahren Umstände des Kon­flik­tes mit Vivantes zu besprechen.

One thought on “Ein streikender Mitarbeiter der VSG berichtigt die Berliner Morgenpost

  1. Ingo Müller sagt:

    Ich habe soebend Euren Artikel in der FB-Siete der Berlin­er Mor­gen­post gepostet. Mal sehen, ob er die Zen­sur dort über­ste­ht und veröf­fentlicht wird.
    Gruß Ingo

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